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Wenn Frauen eine Kunsthüfte brauchen, sollten sie besser ein Modell mit Schaft wählen. Die Revisionsrate ist deutlich geringer als bei Oberflächenersatz.
 
Orthopädie 31. Oktober 2012

Coxarthrose: Oberflächenersatz – bei Frauen mehr Revisionen

Die Autoren einer im Lancet publizierten Studie warnen generell davor, Frauen mit Hüftarthrose einen Oberflächenersatz zu implantieren.

Der Grund für den Warnruf der Wissenschaftler ist die unerwartet hohe Revisionsrate von über acht Prozent innerhalb von nur fünf Jahren.

Die Daten entstammen dem National Joint Registry (NJR), dem weltweit größten Gelenkregister mit Daten von über 30.000 Patienten aus England und Wales. Demnach schneiden durchweg alle Hüftprothesen mit Oberflächenersatz bei Frauen auffallend schlecht ab, nicht nur der am häufigsten verwendete Typ Birmingham Hip Resurfacing (BHR). Für diese hatte eine kürzlich publizierte Studie Versagerquoten bei Hüftpatientinnen von sieben Prozent über zehn Jahre ermittelt.

In der Lancet-Studie mussten bei den weiblichen Patienten in fünf Jahren 8,5 Prozent der Oberflächenersatzmodelle ausgetauscht werden, weil die Prothesen sich gelockert hatten oder Schmerzen verursachten oder weil es zu Knochenbrüchen gekommen war.

Bei Männern betrug dieser Anteil lediglich 3,6 Prozent. Für das Revisionsrisiko mitentscheidend war die Größe des Prothesenkopfes: Kleinere Modelle versagten schneller als größere, und zwar bei beiden Geschlechtern.

Damit verhält es sich beim Oberflächenersatz umgekehrt wie bei Schaftprothesen (bei Letzteren nimmt das Risiko mit der Kopfgröße zu).

Schuld ist nicht die weibliche Anatomie

Über 90 Prozent der Männer hatten Größen zwischen 46 und 54 mm erhalten, bei Frauen lagen die Durchmesser in über 75 Prozent der Fälle unter 46 mm. Die deutlich höheren Revisionsraten bei den Frauen lassen sich jedoch nicht mit den im Schnitt kleineren Hüftkopfgrößen erklären; darauf weisen die Autoren um Alison J. Smith von der Universität Bristol explizit hin. Schließlich waren die Ergebnisse auch bei vergleichbaren Größen für das weibliche Geschlecht eindeutig schlechter: Für eine 55-jährige Patientin mit einem 46 mm großen Implantat errechneten die Autoren ein 5-Jahres-Reoperationsrisiko von gut sechs Prozent für einen gleichaltrigen Mann von nur vier Prozent bei gleichem Durchmesser.

Schmerzbedingte Revisionen verzehnfacht

Auch Frauen, die von der Anatomie her für größere Modelle geeignet waren, profitierten nicht vom Oberflächenersatz. Im Vergleich zu Schaftprothesen hielt dieser im Schnitt wesentlich kürzer. Berechnet wiederum für eine 55-jährige Patientin lag die Revisionsrate für eine 36-mm-Schaftprothese mit Keramik-Keramik-Paarung bei nur knapp 2,5 Prozent (im Vergleich zu sechs Prozent für den 46-mm-Oberflächenersatz, siehe oben). Eine Totalprothese mit Metall auf Polyethylen (Durchmesser 28 mm) war mit 1,47 Prozent am risikoärmsten. Schmerzen hatten bei den Frauen mit Oberflächenersatz zehnmal so häufig wie bei einem konventionellen Verfahren eine erneute Operation erforderlich gemacht, eine Lockerung der Prothese viermal so häufig. Bis zu achtfach erhöht waren die Revisionsraten aufgrund von prothesennahen Frakturen.

Männerhüften vor der Operation genau vermessen

Bei Frauen ist das Risiko osteoporotischer Frakturen des Femurhalses größer als bei Männern. Sie scheinen auch stärker auf den Metallabrieb der Prothese zu reagieren, erklären Alison und Kollegen. Die Autoren raten daher generell vom Oberflächenersatz bei Frauen ab. Aber auch bei Männern scheint dieser der herkömmlichen Schaftprothese nicht überlegen zu sein. Nur in jedem vierten Fall waren die Ergebnisse vergleichbar, und das auch nur bei den Prothesenköpfen mit dem größten Durchmesser. Eine exakte Messung vor dem Eingriff sei daher dringend zu empfehlen, wenn man sich bei einem männlichen Patienten für einen Oberflächenersatz entscheide.

 

Literatur:

Smith AJ et al. Failure rates of metal-on-metal hip resurfacings: analysis of data from the National Joint Registry for England and Wales. Lancet 2012; online 2. Oktober; doi: 10.1016/S0140-6736(12)60989-1 1 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23036895

Murray DW et al. The ten-year survival of the Birmingham hip resurfacing. J Bone Joint Surg Br 2012; 94-B: 1180–6

http://www.bjj.boneandjoint.org.uk/content/94-B/9/1180

springermedizin.de/eo, Ärzte Woche 44/2012

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