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Mehrfachbelastung scheint eine Ursache für steigende Prävalenzraten von Bauchkrämpfen bei Frauen zu sein.
 
Gastroenterologie 3. Juli 2012

Der Bauchkrampf ist weiblich

Frauen sind deutlich öfter als Männer von Bauchschmerzen, Krämpfen und Reizdarmsyndrom betroffen.

Forschungen in der Gendermedizin haben gezeigt, dass es mehr geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der Medizin gibt, als bisher angenommen. Viele Auslöser von Erkrankungen werden anders verarbeitet, so auch Stress. Frauen, insbesondere berufstätige Mütter, sind in verstärktem Ausmaß von Stress durch Mehrfachbelastung und daraus resultierendem Zeitmangel betroffen.

Diese Faktoren sind häufig Ursache für einen Lebensstil, der Auslöser für Zivilisationskrankheiten ist. Adipositas aber auch Symptome wie häufige Bauchkrämpfe sind daher besonders bei Frauen im Steigen begriffen.

Busy-Mums müssen funktionieren

85 Prozent der Alleinerzieher in Österreich sind Frauen. Das sind in absoluten Zahlen 249.600 alleinerziehende Mütter. Von ihnen sind 79,3 Prozent erwerbstätig.

Eine solche Busy-Mum muss ständig funktionieren. Zwischen den täglichen Aufgaben bleibt ihr kaum Zeit für sich selbst. Wenn sie von typisch stressbedingten Leiden, wie Bauchkrämpfen, geplagt wird, kann sich eine alleinerziehende Mutter nur selten den Luxus gönnen, ein entspannendes Vollbad zu nehmen.

Das geringe Zeitbudget, das berufstätige Mütter durch Mehrfachbelastungen für sich selbst haben, erhöht ihre Anfälligkeit für Krankheiten, die im Zusammenhang mit Stress und Überforderung stehen. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, erste Professorin für Gender Medizin in Österreich an der MedUni Wien, erklärt dazu: „Frauen führen auf Grund dieses Stresses oftmals einen ungesunden Lebensstil, der wiederum einen Anstieg von Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule und Erkrankungen aufgrund mangelnder Bewegung zur Folge hat. Chronischer Stress kann zu einem Anstieg des Blutdrucks und des Cholesterinspiegels führen und die Entstehung von verschiedenen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes begünstigen. Weiters können Schlafstörungen, körperliche Symptome wie Rücken- oder Kopfschmerzen und auch das chronische Müdigkeitssyndrom auftreten. Funktionelle Darmstörungen, das Reizdarmsyndrom mit Bauchkrämpfen und -schmerzen und Veränderungen der Stuhlgewohnheiten sind weitere typische Stress-assoziierte Symptome bei Frauen.“

Jede zehnte Frau hat regelmäßig Bauchkrämpfe

Laut einer Befragung durch das Linzer Meinungsforschungsinstitut IMAS leiden fünf Prozent der Männer und elf Prozent der Frauen in Österreich regelmäßig unter Bauchkrämpfen. Dr. Michael Häfner, Interne Abteilung am Krankenhaus St. Elisabeth, Wien, ist häufig mit den spezifischen Folgen von Stress im Verdauungsapparat konfrontiert: „Stress hat die unterschiedlichsten gesundheitlichen Auswirkungen auf uns Menschen und er schlägt sich sprichwörtlich auf den Magen. Das Verdauungssystem gerät aus dem Gleichgewicht, Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe sind die Folge. In Industrienationen leiden bis zu 30 Prozent der Bevölkerung unter Bauchschmerzen. Frauen sind deutlich öfter von Bauchschmerzen und mehr als doppelt so oft von Bauchkrämpfen betroffen als Männer. Am Reizdarmsyndrom erkranken Frauen zwischen 25 und 50 Jahren zwei- bis dreimal häufiger als Männer.“

Kampf dem Krampf

Um Bauchschmerzen zu begegnen gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Häfner: „Entspannung und Wärme sind kurzfristig oft ein guter Ansatz. Sie fördern die Durchblutung und lassen verkrampfte Muskeln entspannen. Aber in den meisten Lebenssituationen wird es nicht möglich sein, sich ein Entspannungsbad zu gönnen. Wenn man am Arbeitsplatz ist oder seine Kinder betreuen muss, kann man sich nicht einfach mal ein Bad einlassen. Hier kann eine Wärmeflasche helfen oder, wenn es schnell gehen muss, ein krampflösendes Mittel aus der Apotheke.“

Um negativen Stress zu vermeiden oder besser dafür gewappnet zu sein, kann man selbst einiges beitragen, wie beispielsweise genug Wasser trinken und auf eine ausgewogene Ernährung achten. Bei immer wiederkehrenden Beschwerden sollte auch an relativ häufige Veränderungen, wie Milchzuckerunverträglichkeit, gedacht werden.

Eva Maria Marold, Kabarettistin und Musicaldarstellerin, ist selbst alleinerziehende Mutter. Sie rät: „Seien Sie nicht perfekt. Viele Frauen neigen zum Perfektionismus und können sich erst dann entspannen, wenn alles nach ihren Vorstellungen läuft. Wenn es nicht perfekt läuft, gibt’s Bauchweh. Ich rate dazu, die Dinge, die einem so groß und wichtig erscheinen und Stress verursachen, in Relation zu etwas wirklich Bedeutsamen zu setzen. Dann werden die meisten vermeintlich wichtigen Dinge sehr schnell recht klein.“

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