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Diabetologie 26. Juni 2012

Der Hypo ist eher weiblich

Diabetes & Gender Medicine: Frauen neigen häufiger zu Unterzucker als Männer.



Wie wichtig die geschlechtsspezifische Betrachtung und individualisierte Behandlung von Erkrankungen bei Frauen und Männern ist, zeigen zwei aktuelle Studien an der MedUni Wien unter der Leitung von Alexandra Kautzky-Willer von der Universitätsklinik für Innere Medizin III (Endokrinologie und Stoffwechsel, Gender-Medicine Unit).

 

Zum einen wurde gezeigt, dass Frauen bis zur Menopause vor Diabetes besser geschützt sind als Männer, zum anderen, dass Frauen mit Diabetes häufiger zu Hypoglykämie (Unterzuckerung) neigen, was lebensbedrohliche Folgen haben kann.

"Generell haben wir in der Diabetologie große Fortschritte gemacht, durch bessere Therapiemöglichkeiten sinkt die Mortalität, die Lebensqualität bleibt aber deutlich beeinträchtigt. Diabetes kostet Frauen aber noch immer sieben Lebensjahre, Männern sechs", sagt Kautzky-Willer, die auch die einzige Professorin für "Gender Medicine" in Österreich ist.

Lebensqualität stärker beeinträchtigt

In der aktuellen Studie wurde nachgewiesen, dass Unterzucker, etwa durch zu hohe Insulindosis, eine zu geringe Kohlenhydratzufuhr oder andere Therapiefehler, die Lebensqualität bei Frauen mit Diabetes häufiger negativ beeinflusst als bei Männern.

Kautzky-Willer: "Dieses Phänomen haben wir nicht nur tagsüber, sondern auch nachts beobachtet." Die Gründe: Die wichtige Senkung des Hämoglobin-A1C-Wertes (ein Marker für den mittleren Blutzuckerspiegel der letzten Monate) verlief bei Frauen geringer, zudem war das Verhältnis von Insulin zum Körpergewicht größer als bei den Männern. Kautzky-Willer: "Das legt den Schluss nahe, dass wir bei Frauen die Anpassung der Insulindosen noch zielgerichteter und an die individuelle Situation angepasst geben müssen, um die Blutzuckerkontrolle zu verbessern, aber ohne das Risiko für gefährliche Unterzuckerungen zu erhöhen."

Nach der Menopause steigt das kardiovaskuläre Risiko


In einer zweiten Studie an der MedUni Wien, die jetzt im Top-Magazin Obesity veröffentlicht wurde, wurde festgestellt, dass Frauen bis zur Menopause - wahrscheinlich durch den höheren Östrogenspiegel - besser vor Diabetes geschützt sind als Männer, danach aber einen viel größeren Anstieg im kardiometabolischen Risiko tragen.

"Wir haben gezeigt, dass Frauen vor der Menopause insulinempfindlicher sind und zusätzlich eine bessere Insulinausschüttung auf Zuckerbelastung zeigen, dass sich aber ihr Zucker- und Fettstoffwechsel sowie ihr Blutdruck danach im Gegensatz zu Männern über 50 Jahre viel stärker verschlechtert. Das könnte erklären, warum Männer im jüngeren und mittleren Lebensalter häufiger als Frauen Diabetes entwickeln." Diese Ergebnisse sind der Anstoß zu weiteren Forschungen, so die Stoffwechselexpertin, um Ansätze zu finden, damit dieser menopausale Knick und postmenopausale Risikoanstieg therapeutisch verhindert werden kann.

Service:

"Influence of Increasing BMI on Insulin Sensitivity and Secretion in Normotolerant Men and Women of a Wide Age Span." A. Kautzky-Willer, A. Brazzale E. Moro, J. Vrbíková, B. Bendlova, S. Sbrignadello, A. Tura, G. Pacini. Obesity (2012) doi:10.1038/oby.2011.384.

"Glycemic Control and Hypoglycemia Prevalence According to Gender: An Analysis of RCT Data." A. Kautzky-Willer, L. Kosi, R. Mihaljevic, J. Lin, E. Wang. Sanofi, Bridgewater, NJ, USA. ADA (Philadelphia) 2012, Diabetes 61, Suppl.1

Termin:

Alexandra Kautzky-Willer, Österreichs erste Professorin für Gender Medicine, hält am Donnerstag, 28. Juni 2012 (11.00 bis 13.00 Uhr) ihre Antrittsvorlesung mit dem Thema "Biologische und gesellschaftliche Aspekte der Gendermedizin". Ort: Jugendstilhörsaal der MedUni Wien, Spitalgasse 23, 1090 Wien, Rektoratsgebäude (BT 88).

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