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Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer, Leiterin der Diabetesambulanz, Lipidambulanz und Adipositasambulanz an der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin III.

Gesundheit Eine Frage des Geschlechts Kautzky-Willer, Alexandra; Tschachler, Elisabeth 192 Seiten, € 22,00 Orac, 2012 ISBN 9783701505418

 
Allgemeinmedizin 7. April 2012

Buchtipp: Medizin und „der kleine Unterschied“

Das Geschlecht ist in der Behandlungsbeziehung zwischen ÄrztInnen und PatientInnen nicht unbedeutsam.

Die weibliche und die männliche Seite der Medizin ist im aktuell erschienenen Buch Gesundheit: Eine Frage des Geschlechts auf dem Prüfstand. Die darin zusammengefassten Erkenntnisse zum für die Gesundheit bedeutsamen „kleinen Unterschied“ zwischen Frauen und Männern sind für behandelnde Ärzte ebenso aufschlussreich wie für Patienten.

 

Die renommierte Expertin für Gendermedizin, Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer von der MedUni Wien, hat gemeinsam mit der Medizinjournalistin Elisabeth Tschachler – Ärzte-Woche-Lesern als ehemalige Chefredakteurin der Wochenzeitung bekannt – den Stand des Wissens über das wichtige Thema zusammengefasst. Denn ob Herzschwäche, Diabetes oder Depressionen, Männer und Frauen leiden anders, aber auch die Behandlungsqualität unterscheidet sich je nach Geschlecht von Arzt und Patient.

Aus der Vielzahl an Beispielen sei hier das Thema Schmerz und Schmerzempfindung herausgegriffen. Frauen müssen Schmerzen weitaus länger ertragen, bis sie einer adäquaten Therapie zugeführt werden. Generell wird von Experten angenommen, dass eine Fehlversorgung von Frauen in der Schmerzbehandlung besteht. So erhalten Frauen nach einem Herzeingriff eher Beruhigungsmittel, während den Männern schmerzstillende Mittel verschrieben werden. Auch in der Notfallaufnahme bekommen Frauen weniger oft Schmerzmittel als Männer.

Über Schmerzen reden

Ob es weh tut, beschreiben Frauen und Männer recht unterschiedlich. Frauen beschreiben weniger die Symptome, sondern eher die Zusammenhänge, wann sie sich beeinträchtigt fühlen. Männer beschreiben ihr Leiden eher in technischer Weise und vermitteln dem Behandler so den Eindruck, dass ihr Problem tatsächlich ernst genommen werden muss. Erkenntnisse, die der Sprachwissenschaftler von der UniWien, Florian Menz, in einer Studie im Behandlungszimmer herausgefunden hat.

Dass es selbst für Wissenschaftler gar nicht so einfach ist, zu „wahren“ Ergebnissen zu kommen, zeigt dieses Beispiel aus dem lesenswerten Buch: Bei Experimenten ist das Schmerzempfinden mitunter auch vom Geschlecht abhängig – nämlich dem des Versuchsleiters. Die Schmerztoleranz von Männern steigt sofort, wenn das Experiment von einer attraktiven Frau geleitet wird.

Von I. Smolek , Ärzte Woche 14 /2012

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