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Passt Mann nicht auf, ist die Männlichkeit sehr schnell beschädigt.

Prof. Dr. K. Malberg Immunologie, Dresden-Loschwitz

 

Wann ist ein Mann ein Mann?

Ein Status, der ständig verteidigt werden muss. 

Die Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht ist nicht nur eine rein biologische Zuordnung, sondern auch ein Status, der ständig verteidigt werden muss. Zu dieser Schlussfolgerung kommen jedenfalls Psychologen der University of South Florida.

 

Männliche Probanden sollten entweder Zöpfe oder Seile flechten. Das Flechten von Zöpfen wurde von den Probanden als unmännlich empfunden, das Flechten von Seilen hingegen als wertfreie handwerkliche Tätigkeit. Anschließend durften die Versuchspersonen wählen, ob sie ein Boxtraining am Sandsack absolvieren wollten oder lieber ein Puzzle lösen.

Die Probanden, die vorher „unmännlich“ Zöpfe geflochten hatten, wählten überwiegend den Sandsack. Dort schlugen sie signifikant härter zu als die Seilflechter. Die Aggressivität sollte den Makel, den ihre Männlichkeit durch die Flechterei erlitten hatte, wieder wettmachen.

Beleidigte Männlichkeit

In einem zweiten Versuch wurde männlichen und weiblichen Probanden ein fiktiver Polizeibericht vorgelegt: In einer Bar war es zu einer Schlägerei gekommen. In einer Version hatte ein Mann einen anderen Mann zusammengeschlagen, weil dieser seine Männlichkeit bezweifelt hatte. In der zweiten Version waren sich zwei Frauen in die Haare geraten.

Die Versuchspersonen wurden nun gebeten, die Persönlichkeit der Aggressorin bzw. des Aggressors zu bewerten. Die schlägernde Frau wurde von männlichen Versuchspersonen als „unreif“ abgekanzelt, während dem schlägernden Mann zugestanden wurde, er sei in seiner Männlichkeit beleidigt worden und habe diese verteidigen müssen. Frauen beschieden hingegen sowohl der Schlägerin als auch dem Schläger eine unreife Persönlichkeit.

Männlichkeit ist offensichtlich ein Attribut, das nicht nur durch die biologische Geschlechtszugehörigkeit definiert ist. Passt Mann nicht auf, ist die Männlichkeit sehr schnell beschädigt, etwa durch soziale Interaktionen. Depressionen, Ängste, niedriges Selbstbewusstsein und Gewalttätigkeit sind die Folgen der ramponierten Männlichkeit. Die Weiblichkeit gerate eher durch körperliche Veränderungen in Gefahr, z.B. in den Wechseljahren, so die Autoren der Studie. 

 

Bosson JK, Vandello JA: Current Directions in Psychological Science 2011; 20 (2): 82–6

K. Malberg/MMW, Ärzte Woche 9 /2012

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