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In punkto Potenz ist weniger manchmal doch mehr.
 
Urologie 1. März 2012

Je mehr Pillen, desto schwächer die Potenz

2,5-fach erhöhtes Risiko für erektile Dysfunktion bei Polypharmazie.

Je mehr Medikamente Männer schlucken, umso schwächer ist ihre Potenz. Das liegt offenbar nicht nur daran, dass Männer mit vielen Arzneien oft schwer krank sind, sondern auch an den Nebenwirkungen der Arzneien.

 

Alter und kardiovaskuläre Erkrankungen sind bekanntlich der Feind der männlichen Potenz, denn unter schlechten Gefäßen leidet auch die Erektionsfähigkeit. Kein Wunder also, dass Männer mit Hypertonie, Diabetes, zu viel Cholesterin im Blut oder bereits einer manifesten Atherosklerose oft deutliche Probleme im Bett haben.

Da solche Männer oft viele Medikamente gegen ihre Gefäßerkrankung nehmen müssen, überrascht es kaum, wenn Männer mit vielen Arzneien auch über eine wenig erfreuliche Potenz klagen.

Aber dies ist nicht der einzige Grund, wie eine Studie von US-Urologen nahelegt: Offenbar beeinträchtigt die Polypharmazie auch direkt das Geschehen in den penilen Gefäßen.

In der Untersuchung analysierten die Ärzte um Dr. Diana Londono Daten eine Befragung von knapp 38.000 Männern im Alter von 45 bis 69 Jahren.

Darin gaben die Männer über Zahl und Art ihrer Medikamente ebenso Auskunft wie über ihre erektile Funktion und ihre bekannten Krankheiten.

Das Ergebnis: Die Frage, ob sie immer in der Lage sind, eine so starke Erektion zu bekommen, dass ein Geschlechtsverkehr möglich ist, bejahte die Hälfte jener Männer, die keine bis maximal zwei Arzneien nahmen. Von den Männern mit drei bis fünf Medikamenten waren es nur noch 43 Prozent, von denen mit sechs bis neun verschiedenen Arzneien 35 Prozent, bei zehn oder mehr Mitteln nur noch 24 Prozent.

Daraus ergab sich eine mehr als vierfach erhöhte Rate einer erektilen Dysfunktion (ED) bei Männern mit zehn und mehr Arzneien.

Übergewicht ein Hauptfaktor

Als einen der Hauptfaktoren machten die Ärzte Übergewicht fest. Dicke Männer hatten meistens kardiovaskuläre Risikofaktoren und benötigten auch die meisten Medikamente.

Vielleicht, so die Autoren, lassen sich dicke Männer zum Abspecken motivieren, wenn man ihnen klar macht, dass sie dann auch wieder mehr Spaß beim Sex haben können.

In einem zweiten Schritt zogen die Urologen alle bekannten Faktoren mit ein, die eine ED begünstigen – vor allem die üblichen kardiovaskulären Risikofaktoren.

Doch auch wenn diese in der Berechnung berücksichtigt wurden, ergab sich nach dem Modell ein immer noch fast 2,5-fach erhöhtes ED-Risiko bei Polypharmazie mit zehn und mehr Medikamenten.

Das Team um London folgert daraus, dass Ärzte bei ED-Patienten nicht nur den Bauchspeck, sondern auch mal die Medikation genauer betrachten sollten.

Das Absetzen bestimmter Mittel bei Polypharmazie oder eine Umstellung der Medikamente könnte vielleicht schon einiges zur Potenzsteigerung beitragen. ÄZ

 

Londoño DC et al.: Population-based study of erectile dysfunction and polypharmacy. British Journal of Urology International 2011; doi: 10.1111/j.1464-410X.2011.10761.x

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