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Allgemeinmedizin 1. Februar 2010

Zusammenhang von verschiedenen psycho-sozialen Faktoren mit körperlichen Symptomen bei Vorsorgeuntersuchungen in der medizinischen Primärversorgung

ZIELE: Es waren die Ziele der Untersuchung psycho-soziale Indikatoren zu ermitteln und den Zusammenhang zwischen diesen mit körperlichen Symptomen zu erheben, aber auch eventuelle geschlechtsspezifischen Unterschiede aufzuzeigen.

METHODEN: Beobachtungsstudie im primärmedizinischen Bereich (Vorsorgeuntersuchungen in verschiedenen Österreichischen Regionen); Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren 312 Männer und 374 Frauen im Alter zwischen 19 und 60 Jahren. Der Zusammenhang zwischen psycho-sozialen Faktoren und zehn körperlichen Symptomen (Herzbeschwerden, Atemnot, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen, Gelenksoder Muskelschmerzen, trockene Haut, Hörschwierigkeiten, Ohrgeräusch, Nachlassen der Kraft und Ausdauer, Schlaflosigkeit) wurde mittels logistischer Regressions analyse und mit Hilfe eines multiplen linearen Regressions-modells analysiert.

ERGEBNISSE: Personen mit psycho-sozialer Belastung oder Unzufriedenheit wiesen eine höhere Wahrscheinlichkeit für die Angabe mindestens eines körperlichen Symptoms auf. Die altersadjustierte Odds Ratio (95% KI) für Arbeitsdruck betrug 1,72 (1,08–2,73) bei Männern und 2,53 (1,46–4,39) bei Frauen, für soziale Belastungen am Arbeitsplatz 3,37 (1,41–8,05) bei Männern und 3,09 (1,01–9,43) bei Frauen, für Unzufriedenheit im Sexualleben 4,48 (1,47–13,62) bei Männern und 1,77 (0,80–3,96) bei Frauen und für Unwohlsein in der Familie/in der Partnerschaft 4,71 (1,34–16,57) bei Männern und 1,76 (0,66–4,67) bei Frauen. Bei Männern war der psycho-soziale Parameter, der am stärksten mit der Anzahl von körperlichen Symptomen assoziiert war, Unwohlsein in der Familie/in der Partnerschaft, gefolgt von sozialen Belastungen am Arbeitsplatz, Unzufriedenheit im Sexualleben und Arbeitsdruck mit im Mittel 2,00, 1,27, 0,92 und 0,33 körperlichen Symptomen (lineares Regressions modell, adjustiert nach Alter). Bei Frauen war die stärkste Assoziation auch bei Unwohlsein in der Familie/Partnerschaft zu finden, gefolgt von Unzufrie-denheit mit dem Sexualleben, Arbeitsdruck und sozialen Belastungen am Arbeitsplatz mit im Mittel jeweils 1,32, 1,20, 0,58 und 0,50 körperlichen Symptomen.

SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Angabe von körperlichen Symptomen ist oft mit psycho-sozialen Faktoren verbunden und diese Tatsache sollte in der primärmedizinischen Versorgung berücksichtigt werden, und bei Bedarf näher abgeklärt werden. Es gibt überraschende geschlechtsspezifische Muster in der Ausprägung des Einflusses von psycho-sozialen Faktoren auf körperliche Symptome, die einer genaueren Erforschung bedürfen.

Thomas E. Dorner, Willibald J. Stronegger, Erwin Rebhandl, Anita Rieder, Wolfgang Freidl, Wiener klinische Wochenschrift 3/4/2010

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