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Diabetologie 14. Jänner 2010

Geschlechtsunterschiede

Bei Versagen der oralen antidiabetischen Therapie benötigen Frauen mehr Insulin als Männer.

Die Gewichtszunahme nach Einleitung einer Insulintherapie bei Diabetes mellitus Typ 2, aber auch beim Einsatz insulinotroper Substanzen ist in der täglichen diabetologischen Praxis ein häufiges Problem, das vor allem auch die Compliance der Patienten negativ beeinflusst. Außerdem kann man sehr häufig beobachten, wie der Insulinbedarf nach Sulfonylharnstoff-Sekundärversagen gerade im ersten Jahr der Insulinsubstitution allmählich zunimmt – zwei Phänomene, die sich ungünstig gegenseitig beeinflussen.

Anders als beim Typ-1-Diabetes gibt es in der Literatur nur wenige Daten, ob es Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Bezug auf die genannten Phänomene gibt. In einer aktuellen Studie wurde nun versucht, die Geschlechtsunterschiede bei Diabetes mellitus Typ 2 in Bezug auf Insulinbedarf und Gewichtszunahme im Rahmen einer Insulinsubstitution zu durchleuchten. Diese Studie wurde bei der 37. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft im November 2009 präsentiert.

Es wurden 100 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 (60 Frauen und 40 Männer) mit Versagen der oralen antidiabetischen Therapie untersucht. Bei Beobachtungsbeginn zeigten sich in beiden Gruppen etwa gleiche HbA1c-Werte, in der Praxis oft das entscheidende Kriterium für den Entschluss, eine Insulintherapie zu beginnen. Das Lipidmuster war ebenso vergleichbar (Triglyzeride bei den Frauen etwas höher). Frauen hatten ein signifikant höheres Ausgangskörpergewicht (ausgedrückt durch den BMI) als Männer. Weiters war bei den Studienteilnehmerinnen der basale C-Peptid-Spiegel deutlich höher.

Deutliche Abweichungen

Nach Beginn der Insulinsubstitution wurde zuerst nach einem Monat, dann nach einem Jahr der Insulinbedarf erfasst. Behandelt wurde nach einem prandialen (60 Prozent) oder konventionellen (40 Prozent) Therapieschema. Die Patienten nahmen an strukturierten Diabetikerschulungen teil und hatten, inklusive der Diät-empfehlungen, eine vergleichbare Ausgangssituation.

Auffällig war, dass Frauen nach einem Jahr Insulinbehandlung deutlich mehr Insulin benötigten als Männer (28+6 IU/Tag gegen 22+ IU/Tag). Die Gewichtszunahme war in beiden Gruppen etwa gleich (2,4 bis 2,6 Prozent des Körpergewichts).

Nebenbei wurden im Beobachtungszeitraum auch makrovaskuläre Komplikationen beobachtet und wie-derum die Verteilung unter den Geschlechtern durchleuchtet. Bei Männern trat deutlich häufiger ein Myokardinfarkt auf, Frauen entwickelten tendenziell etwas öfter einen zerebralen Insult.

Aus den erhobenen Daten konnte abgelesen werden, dass neu-insulinisierte Frauen einen höheren Insulin-bedarf haben als Männer. Dies und der höhere C-Peptidwert zu Beginn der Insulintherapie dürfte dafür sprechen, dass Frauen eine höhere Insulinresistenz haben als Männer. So kann auch das höhere Ausgangsgewicht durch das viszerale Fett, das bei Frauen stärker ausgebildet ist und einen wichtiger Faktor für die Insulinresistenz darstellt, begründet werden.

Dr. Stefan Ebner ist an der 2. Medizinischen Abteilung, AKH Linz tätig.

Von Dr. Stefan Ebner, Ärzte Woche 2 /2010

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