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Prof. Dr. Ridwan Shabsigh, USA Präsident des WCMH

Foto: Privat

Prof. Dr. Claude Schulman, Belgien Präsident des WCMH

 
Allgemeinmedizin 6. Oktober 2009

Männer leiden anders

Erst seit kurzem entsteht ein Bewusstsein für die Gesundheit der Männer.

Am Weltkongress für Männergesundheit soll das Bewusstsein über diesen vernachlässigten Bereich gestärkt werden und besonders auf seine multi- und interdisziplinäre Eigenschaft hingewiesen werden. Außerdem werden Empfehlungen hinsichtlich Richtlinien für einen ganzheitlichen und gesundheitsfördernden Ansatz vorgestellt.

 

Das zehnjährige Jubiläum des „1st Vienna Men’s Health Report“ in Wien, der erste Bericht über Männergesundheit weltweit und der 6. World Congress on Men’s Health (WCMH) mit dem Titel „Why Men Die Earlier and Suffer More“, der von Freitag, 9.10.09, bis Sonntag, 11.10.09, in der Wiener Hofburg stattfindet, stellen mindestens drei kritische Fragen, die nach Antworten verlangen:

1. Was wurde bis jetzt erreicht?

Was ist Männergesundheit? Was ist die Zukunft von Männergesundheit? – Vor weniger als 100 Jahren, als die Lebenserwartung und wahrscheinlich auch die Gesundheitserwartung von Männern und Frauen ungefähr gleich waren, war geschlechterspezifische Gesundheit kein Thema. Im 20. Jahrhundert wurde Frauengesundheit erstmals als wichtiges Thema anerkannt, und zwar Mitte der Siebzigerjahre und in den frühen Achtzigern. Erst seit kurzer Zeit entsteht ein Bewusstsein dafür, dass auch der Gesundheit von Männern gesondert Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Das European Men’s Health Forum (EMHF) und die International Society for Men’s Health (ISMH) präsentierten anlässlich des 4. World Congress on Men‘s Health (WCMH) im Jahr 2004 in Wien die Vienna Declaration. Auch Dr. Ian Banks, Präsident des European Men’s Health Forum, stellte die „Vienna Declaration on the Health of Men and Boys in Europe“ der EMHF vor. Dieser Meilenstein im Bereich der Männergesundheit, der einen greifbaren Unterschied machen kann, wurde auch durch das Department of Health in Großbritannien, durch die Gesundheitsministerin Caroline Flint, befürwortet. Das irische Department for Health and Children richtete 2009 öffentlich seine Aufmerksamkeit auf die Gesundheit armer Männer auf nationaler Ebene und stellte die Richtlinie für die Gesundheit irischer Männer (Irish Men’s Health Policy) – die erste ihrer Art – vor. Der Entwicklungsprozess, der zu diesem Bericht über Gesundheitspolitik führte, umfasste folgende Bereiche: Gender-Mainstreaming, gesellschaftliche Determinanten, Entwicklung auf Gemeindeebene, Gesundheitsförderung und Krankheitsvorbeugung, bereichsübergreifend sowie fachübergreifend, und einen ganzheitlichen, positiven Ansatz.

Bevor wir jedoch über die Verbesserung der Gesundheit von Männern sprechen, müssen wir definieren, was eigentlich Männergesundheit bedeutet. Das australische Netzwerk für Männergesundheit definiert Männergesundheit als Zustände oder Erkrankungen, die nur Männer betreffen, bei Männern häufiger vorkommen oder schwerwiegender verlaufen, für die es andere Risikofaktoren bei Männern als bei Frauen gibt oder bei denen Männer andere Behandlungen brauchen als Frauen.

 

2. Männergesundheit – zu wenig erforscht!

Wie bereits erwähnt, werden Themen rund um Männergesundheit nach wie vor minimal erforscht und bei Studiencurricula dürftig behandelt – zumindest im Verhältnis zu jenem Aufwand, der in das Erforschen der Frauengesundheit investiert wird. Dies wurde durch die Untersuchungen von MO Baerlocher und Verma deutlich. Daten vom Canadian Institute of Health Research (CIHR) bzw. dem Institute of Gender and Health (IGH) zeigten, dass die seit der Gründung von CHIR investierten Gelder für Frauengesund- heit von Juni 2000 bis März 2005 ungefähr 52 Prozent der Gesamtausgaben ausmachten – im Vergleich dazu wurden in die Männergesundheit lediglich 21 Prozent investiert. Nach Angaben des National Institutes of Health (NIH) wurden in den USA 3.551 Milliarden US Dollar in die „Forschung von Frauengesundheit“ im Jahr 2005 investiert. Wie viel Geld wurde für die Forschung von Männergesundheit ausgegeben? Keine der genannten Kategorien betraf Männergesundheit. Die NIH hat außerdem ein „Büro für Forschung von Frauengesund-heit (Office of Research on Women’s Health – ORWH) eingerichtet – jedoch gibt es kein „Büro für die Forschung von Männergesundheit’’.

3. Wie sieht die Zukunft der Männergesundheit aus?

Eine Reihe von Maßnahmen wäre notwendig, um die Gesundheit von Männern zu verbessern. Im Bereich der Männergesundheit wird es wichtig sein, Armut als einer der mächtigsten gesellschaftlichen Determinanten für Gesundheit zu erkennen und ihre einschlägigen Einflüsse auf Männer zu berücksichtigen. Armut ist nicht nur ein Prädiktor für den fehlenden Zugang zur Gesundheitsversorgung und den ungünstigen Ausgang von Krankheiten, sie hat auch verheerende gesellschaftliche Folgen wie Inhaftierung, ungenügende Ausbildung und Arbeitslosigkeit.

Die Brücke schließen

Aus diesen Gründen beabsichtigt die International Society for Men’s Health (ISMH), beginnend mit dem World Congress on Men’s Health 2009 (WCMH), eine Initiative mit dem Namen „Bridge the Gap“, um internationale und europäische wissenschaftliche Gesellschaften sowie medizinische Organisationen auf dem Gebiet der Männergesundheit aus den folgenden Fachbereichen zu vereinen und zum gemeinsamen Handeln anzuregen: Urologie, Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Übergewicht sowie primäre Versorgung. Zusätzliche Beiträge werden von einzelnen Fachleuten auf nationaler Ebene und der pharmazeutischen Industrie erwartet. Die Hauptziele sind folgende: Verstärktes Bewusstsein über den vernachlässigten Bereich der Männergesundheit und besonders seine multidisziplinäre und interdisziplinäre Eigenschaft, Empfehlungen hinsichtlich Richtlinien für einen ganzheitlichen Ansatz zur Männergesundheit und Unterstützung von Männergesundheit.

Die International Society for Men’s Health hofft aufrichtig, dass viel mehr Forscher und Beitragende aus allen Bereichen der Medizin die Herausforderungen annehmen und gute kooperative interdisziplinäre Studien durchführen werden, um wichtige Fragen rund um Männergesundheit zu beantworten, denn das Erhöhen des Gesundheitszustandes der Männer weltweit setzt die Beantwortung dieser Fragen voraus.

 

Literatur beim Verfasser.

 

Weitere Informationen:

Mag. Martina Lillie

Executive Director

International Society for Men‘s Health (ISMH)

Lazarettgasse 9/5, 1090 Wien

Tel. +43/(0)1/409 60 10-11

E-Mail:

http://www.ismh.org/de.html

 

Mehr zum World Congress on Men’s Health (WCMH) unter: http://www.wcmh.info/

Kasten:
International Society for Men’s Health (ISMH)
Die ISMH ist ein in Österreich eingetragener, international agierender und multidisziplinär ausgerichteter Verein, der sich Fragen der Männergesundheit und der sexuellen Gesundheit widmet. Ihr internationales wissenschaftliches Netzwerk vereint auf multidisziplinärer Ebene Ärzte und andere Gesundheitsexperten der unterschiedlichen Fachdisziplinen, der geschlechtsspezifischen Medizin sowie der Sozialmedizin. Ihr Ziel ist es, das Bewusstsein zu Fragestellungen der Männergesundheit in den multidisziplinären Fachkreisen auch weiterhin zu erhöhen.

Von Prof. Dr. Siegfried Meryn , Ärzte Woche 41 /2009

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