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Sie sind zu unflexibel: Alpen-Nelke, Clusius-Primel, Dunkle Glockenblume

Sie sind zu unflexibel: Alpen-Nelke, Clusius-Primel, Dunkle Glockenblume

Sie sind zu unflexibel: Alpen-Nelke, Clusius-Primel, Dunkle Glockenblume

 
Leben 16. Mai 2017

Langlebigkeit ist keine Zier mehr

Erderwärmung. Alpenpflanzen können mit den verschärften Klimabedingungen in ihrem Lebensraum nicht mehr mithalten. Ihr langsames Wachstum verhindert, dass sich die Bestände erneuern.

Alpenpflanzen sind nicht nur schöne, sondern – aus wissenschaftlicher Sicht – auch spannende Lebewesen. Im Gegenteil zu ihren Vettern in den tieferen Lagen, die einander im Kampf ums Licht Konkurrenz machen, rücken die Polsterpflanzen der Geröllfluren und Urwiesen eng zusammen. Das erhöht ihre Überlebenschancen. Ein zweiter wichtiger Unterschied: Alpenblumen sind langlebig. Ihr langsames Wachstum erweist sich aber, angesichts des unnatürlich schnell voranschreitenden Klimawandels, als fatal. Das haben Forscher der Universitäten Zürich, Wien und Grenoble herausgefunden ( go.nature.com/2pSVMyk ).

Ausharren am ungünstigen Standort

Das Forscherteam um Prof. Frédéric Guillaume hat simuliert, wie verschiedene alpine Pflanzenarten auf wärmere klimatische Bedingungen reagieren. Aufgrund ihrer Langlebigkeit besiedeln Pflanzen viele Standorte zwar länger als bisher erwartet, produzieren dabei aber Nachwuchs, der zusehends schlechter an die sich ändernden Bedingungen angepasst ist. Konkret wurden vier Alpenpflanzen – Dunkle Glockenblume, Clusius-Primel, Harter Schwingel (eine Grasart) und Alpen-Nelke – untersucht und deren Verbreitung unter drei möglichen Klimaszenarien bis ins Jahr 2150 mithilfe von Supercomputern simuliert.

Die günstigeren Klimaszenarien, die von einer Erwärmung um 1 °C ausgehen, zeigen, dass sich die Pflanzenbestände wieder erholen, wenn ab 2090 auch die Erwärmung wieder nachlässt. „Aber wenn der Klimawandel sich ungebremst entwickelt, haben die Pflanzen ein großes Problem“, erklärt Guillaume vom Department für Evolutionsbiologie der Universität Zürich.

Die lange Lebensdauer dieser Alpenpflanzen begünstigt deren Verharren an den Standorten, die sie aktuell besetzen. Aber gleichzeitig fassen immer weniger junge Pflanzen Fuß. Die Langlebigkeit verhindert eine Erneuerung der Populationen. Dadurch seien diese zusehends schlechter an ihre sich verändernde Umwelt angepasst und die Individuenzahlen sinken. „Die Dichte des Bestands nimmt schneller ab als die geografische Verbreitung“, sagt der Vegetationsökologe Prof. Dr. Stefan Dullinger von der Universität Wien. Die Simulationen zeigen, dass die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen nicht mit den raschen klimatischen Veränderungen Schritt hält.

Martin Křenek-Burger

, Ärzte Woche 20/2017

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