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© Christopher Futscher/iStock.com
Jugendliche mit Kopfschmerzen sind medizinisch unterversorgt. Die „Initiative Schmerzlos“ von Reckitt Benckiser Österreich startete eine Informationskampagne (www.initiative-schmerzlos.at).
 
Neurologie 12. September 2016

Generation Kopfschmerz

75 Prozent der Jugendlichen in Österreich klagen über regelmäßige Kopfschmerzen. Der daraus resultierende Leidensdruck und die beeinträchtigende Lebensqualität bei den Betroffenen werden sowohl von Eltern als auch von Lehrern häufig unterschätzt.

Drei der 14- bis 19-jährigen Österreicher berichten in einer aktuellen repräsentativen Erhebung (siehe „Über die Markterhebung“), in den vergangenen drei Monaten zumindest einmal an Kopfschmerzen gelitten zu haben – davon 3 Prozent täglich, 10 Prozent mehrmals pro Woche und mehr als jeder Fünfte einmal pro Woche1. Diese hohe Zahl dürfte mit Studien aus Deutschland korrelieren: Einer Münchner Studie zufolge litten hier 80 Prozent der 12- bis 19-Jährigen in den letzten sechs Monaten unter Kopfschmerzen2.

Auch in Deutschland treten bei fast jedem vierten Jugendlichen die Schmerzen einmal pro Woche oder öfter auf3. 14 Prozent der österreichischen Schmerzbetroffenen geben außerdem an, gewöhnlich unter starken oder sehr starken Kopfschmerzen zu leiden1. „Die Kopfschmerzprävalenz und gefühlte Stärke sind mehr als besorgniserregend“, so Dr. Ulrike Rossegg, Linz. „Ich bemerke im Pädiatriealltag insbesondere, dass Jugendliche noch viel häufiger als Erwachsene an Kombinations- oder psychogenen Kopfschmerzen leiden. Hier sind die richtige Diagnose und gute Gesprächsführung durch den behandelnden Arzt sehr wichtig. Unverzichtbar sind langfristig und bei chronischen Kopfschmerzen auch natürliche Ansätze und verhaltenstherapeutische Elemente, insbesondere Entspannungsverfahren wie Progressive Muskel-Relaxation (PMR), um die Bewältigung der Kopfschmerzen eigenverantwortlich zu optimieren.“

Diese Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig der leitlinien- und altersgerechte Umgang mit Kopfschmerzen bei Jugendlichen durch Eltern und Erziehungsberechtigte ist. Daher startete im Juli 2016 die Aufklärungskampagne „Initiative Schmerzlos“ von Reckitt Benckiser Österreich, unterstützt durch Neurologen und Pädiater. „In Österreich wie auch in Deutschland sehen wir eine Unterversorgung mit Informationen bei jugendlichen Kopfschmerzen. Daher halten wir es für sehr wichtig, über verschiedene Schmerzarten und deren Ursachen aufzuklären. Mütter und Väter erfahren, wie man Schmerzen vorbeugen kann, welche natürlichen Ansätze und Behandlungsmöglichkeiten es gibt und welche Maßnahme bei welcher Schmerzart angewendet werden kann“, erklärt Dr. Raymund Pothmann, Hamburg.

Von Schulausfall bis Chronifizierung

Die Kopfschmerzen hindern ein knappes Drittel der Jugendlichen (32 %) mindestens einmal im Monat daran, zur Schule oder zur Arbeit zu gehen. Fast ebenso häufig (30 %) können Freizeitaktivitäten aufgrund von Kopfschmerzen nicht ausgeübt werden1. „Ständig wiederkehrende Kopfschmerzen sind ein ernst zu nehmendes Problem, denn sie erzeugen insbesondere bei Jugendlichen einen großen Leidensdruck und beeinträchtigen deren Lebensqualität signifikant – das wird sowohl von Eltern als auch von Lehrern häufig unterschätzt. Die Kopfschmerzen können zu wiederholtem Schulausfall, mangelndem Selbstbewusstsein und zur Entwicklung chronischer Schmerzen führen“, berichtet Dr. Gernot Luthringshausen, Salzburg. Ergebnisse einer schwedischen Studie haben gezeigt, dass bei Kindern und Jugendlichen, die an Migräne litten, über 50 Prozent diese auch noch als Erwachsene hatten4. Daher ist es umso wichtiger, jugendliche Schmerzen ernst zu nehmen und zu besprechen, wie diese verhindert oder behandelt werden können.

Kopfschmerzauslöser

Auffällig ist, dass Jugendliche in Österreich ganz andere Risikofaktoren für ihre Kopfschmerzen vermuten, vor allem Stress. Denn 46 Prozent der Befragten geben Stress in der Schule als größten Risikofaktor an, 45 Prozent sprechen von Stress im Allgemeinen. 33 Prozent führen ihre Kopfschmerzen auf Nackenschmerzen zurück, 26 Prozent auf keine oder mangelnde Bewegung. 22 Prozent sehen Schulterschmerzen als Auslöser, 18 Prozent muskuläre Anspannungen. 17 Prozent geben Alkoholkonsum als persönlichen Risikofaktor an1. Experten der Universität München gehen davon aus, dass neben Stress auch der Lebensstil einen deutlichen Einfluss haben kann. So lassen sich Migräne und Spannungskopfschmerzen häufiger bei Jugendlichen beobachten, die viel rauchen, Alkohol trinken und sich selten bewegen5 (siehe „Ursachen und Auslöser für Kopfschmerzen“).

Beratungsbedarf

69 Prozent der Jugendlichen sprechen mit ihren Eltern über ihre Kopfschmerzen, jedoch haben 28 Prozent schon die Erfahrung gemacht, von den Eltern nicht ernst genommen zu werden – bei den Mädchen sind es 37 Prozent. Von den Arbeitgebern oder Lehrern fühlen sich gar vier von zehn Jugendlichen nicht ernst genommen (41 %). Mit dem Hausarzt haben erst 19 Prozent der Betroffenen gesprochen, mit dem Neurologen nur 8 Prozent. Mit 73 Prozent gibt der Großteil an, noch nie mit einem Experten über seine Kopfschmerzen gesprochen zu haben. „Dieses Ergebnis ist für die Ärzteschaft alarmierend: Schließlich besteht nicht nur die Gefahr der Chronifizierung, sondern es ist auch ausnehmend wichtig, zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen zu unterscheiden und rechtzeitig zugrunde liegende, möglicherweise gravierende Erkrankungen auszuschließen“, betont Prof. Dr. Gregor Brössner, Innsbruck.

Referenzen:

1. meinungsraum.at im Auftrag von Initiative Schmerzlos: Kopfschmerzen bei Jugendlichen in Österreich, Wien. Stand: Februar 2016

2. R. von Kries, F. Heinen, A. Straube. MUKIS: Münchner Untersuchung zu Kopfschmerzen bei Gymnasiasten – Interventionsstudie.

Erste Ergebnisse der MUKIS-Erstbefragung. LMU Ludwig-Maximilians-Universität München. Stand: Juli 2012.

3. U. Ellert, H. Neuhauser, A. Roth-Isigkeit: Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland: Prävalenz und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS), Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz, 516, 2007.50:711–717

4. Bille B. (1997): A 40-year follow-up of school children with migraine. Cephalalgia; 17: 488–491

5. Ludwig-Maximilians-Universität München, Presseinformation vom 10.6.2010: „Ein gesunder Kopf auf einem gesunden Körper. „Im Internet abrufbar unter: https://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2010/f-32-10.html

Assoc. Prof. PD Dr. Gregor Brössner

Dr. Gernot Luthringshausen

Dr. Raymund Pothmann

Dr. Ulrike Rossegg

Ursachen und Auslöser für Kopfschmerzen

Über die Markterhebung

Initiative Schmerzlos, Ärzte Woche 37/2016

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