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© Michael Janousek
Prof. Dr. Thomas Wascher, Hanuschkrankenhaus Wien.
 
Diabetologie 12. September 2016

Diabetestherapie auf Herz und Nieren geprüft

Positive Endpunktstudien haben viele Wirkstoffkombinationen möglich gemacht. Dadurch wurden Therapien einfacher, aber auch komplexer. Um einen Überblick zu bewahren, hat Boehringer Ingelheim für Ärzte eine Fortbildungsreihe initiiert.

Kardiovaskuläre Komplikationen sind nach wie vor die Haupttodesursache bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2. Daher ist die Prävention ein zentrales Therapieziel bei der Behandlung der Stoffwechselstörung. In der EMPA-REG-OUTCOME- Studie1 konnte erstmalig unter dem Antidiabetikum Empagliflozin eine 38-prozentige relative Risikoreduktion der kardiovaskulären Mortalität versus der Standardtherapie nachgewiesen werden.

Wird die Diabetestherapie durch den nachgewiesenen Zusatznutzen von Empagliflozin hinsichtlich der kardiovaskulären Parameter nun einfacher oder noch komplizierter?

Wascher: Einerseits wird die Therapie sicher komplexer, so wie wir es in den letzten Jahren ja generell erlebt haben, indem immer mehr antidiabetisch wirksame Substanzen verfügbar wurden. Nachdem mittlerweile viele Wirkstoffkombinationen möglich sind, ist die Differenzialtherapie unübersichtlicher geworden. Andererseits ist davon auszugehen, dass die Diabetestherapie für manche Patienten einfacher wird, weil durch positive Endpunktstudien gewissermaßen zwingende Indikationsgebiete geschaffen worden sind, wonach bestimmte Substanzen oder Substanzklassen bei bestimmten Patientenkollektiven zum Einsatz kommen sollten. Um hier den Überblick zu bewahren, hat die Firma Boehringer Ingelheim eine Fortbildungsreihe, die sogenannten „Hot Topics“, geschaffen.

Was sind die genauen Ziele, die mit der Veranstaltungsreihe verfolgt werden?

Wascher: Bei dieser Fortbildungsreihe geht es im Prinzip darum, dass Experten aus den Gebieten der Diabetologie, Nephrologie, Kardiologe für niedergelassene Kolleginnen und Kollegen – Allgemeinmediziner wie Internisten – Studiendaten und Ergebnisse in praxisrelevante Alltagsentscheidungen übersetzen sollen.

Welche Inhalte werden behandelt?

Wascher: Dabei geht es einerseits um das Herunterbrechen der Studienresultate auf Alltagsbedeutung, andererseits aber auch um das Einbetten dieser Studienresultate in unsere etablierte antidiabetische Therapie. Man darf nicht vergessen, dass es sich auch bei Empagliflozin in erster Linie um ein Antidiabetikum handelt, das dazu dient, den Blutzucker der betroffenen Patienten zu verbessern. In der EMPA-REG-OUTCOME-Studie1 wurde zusätzlich studienrelevant dargestellt, dass dieser SGLT2-Inhibitor mit einem Zusatznutzen einhergeht, indem kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle verhindert werden können.

Weshalb glauben Sie, dass die Resultate der großen Endpunktstudien bei Diabetes, auch für den Patienten im niedergelassenen Bereich ihre Relevanz haben?

Wascher: Ich glaube, sie haben nicht nur auch, sondern gerade für die Patienten im niedergelassenen Bereich ihre Relevanz, weil ja Typ-2-Diabetes eine sehr häufige Erkrankung ist. Zurzeit gehen wir von rund 600.000 Betroffenen in Österreich aus, sodass die Versorgung in erster Linie im niedergelassenen Bereich stattfinden muss. Im Spitalsbereich bzw. in der Schwerpunktambulanz wird nur ein verschwindend kleiner Anteil der Patienten betreut und damit ist der niedergelassene Bereich ganz essentiell für die Versorgung.

Wie kann man die Resultate hochkomplexer Endpunktstudien auf die Praxisrelevanz herunterbrechen?

Wascher: In erster Linie dadurch, indem man sich genau ansieht, welche Studienpopulation untersucht worden ist, welche Patienten in die einzelnen Studien eingeschlossen worden sind: Je nach Ergebnis kann daraus geschlossen werden, dass für die entsprechende Patientenpopulation beinahe eine zwingende Evidenz für die Gabe – in dem Fall von Empagliflozin – vorliegt.

Welche neuen Aspekte sind Ihrer Ansicht nach in der zukünftigen individualisierten Therapie des Typ-2-Diabetes zu berücksichtigen?

Wascher: Ich glaube, dass wir jetzt – und die ÖDG (Österreichische Diabetes Gesellschaft) hat ja versucht, in ihren aktuellen Leitlinien darauf Rücksicht zu nehmen – ein Stadium der Therapie bzw. der Therapiemöglichkeiten erreicht haben, das über die reine Blutzuckersenkung hinausgeht. Natürlich geht es in erster Linie nach wie vor um die Kontrolle des Blutzuckers, indem der individuelle festgelegte HbA1c-Zielbereich angestrebt wird. Aber abseits des Erreichens der Blutzuckerkontrolle gibt es für spezifische Patientengruppen bzw. spezifische Substanzen einen zu berücksichtigenden Zusatznutzen. Primär ist relevant, das Blutzuckerziel zu erreichen - dazu steht uns eine Vielzahl an Substanzklassen und Substanzen zur Verfügung. Zusätzlich müssen aber heute beim Erreichen des Blutzuckerziels, auch kardiovaskuläre Sicherheits- und Überlegenheitsdaten berücksichtigt werden.

Referenz: 1. Zinman B et al: N Engl J Med 2015; 373:2117-2128

Empagliflozin ist nicht zugelassen zur Senkung des kardiovaskulären Risikos.

Augmented Reality So geht es

Anita Schreiberhuber, Prof. Dr. Thomas Wascher
, Ärzte Woche 37/2016

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