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© Herbert P. Oczeret/dpa
Festivalbesucher vertreiben sich die Zeit mit einer Shisha. Maßgeblich für das Gesundheitsrisiko ist die Temperatur des Verdampfers.
 
Onkologie 7. September 2016

Erdbeer und Schokolade

Rauchen. Alexander Van der Bellen erfreut sich hochoffiziell bester Gesundheit. So viel Glück haben nicht alle. Mehr als 90 Prozent der Männer, die an Lungenkrebs erkranken, sind oder waren starke Raucher.

Das Rauchen von Zigaretten kann zu Lungenkrebs führen. Doch wie sieht es mit der Gefährdung durch E-Zigaretten und E-Shishas aus? Die Datenlage ist nicht so eindeutig wie beim konventionellen Tabakkonsum. Um etwas Klarheit für den Verbraucher zu schaffen, haben die Landeskrebsgesellschaften beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) nachgefragt. Die dort ansässige „Stabsstelle Krebsprävention“ und das „WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle“ werten kontinuierlich die aktuelle Studienlage aus. Dr. Katrin Schaller vom DKFZ fasst den Wissensstand so zusammen: „Sicherlich sind E-Zigaretten weniger schädlich als normale Zigaretten, aber harmlos sind sie keinesfalls.“ So erzeugen E-Zigaretten und E-Shishas inhalierbare Aerosole, die eine Reihe von entzündungsfördernden, sensibilisierenden und Gen-toxischen Substanzen enthalten. In dem chemischen Gemisch befinden sich u. a. Propylenglykol, Formaldehyd, Acetaldehyd und nicht zuletzt Nikotin – Schadstoffe, die als überaus bedenklich und zum Teil als krebserregend gelten. „Gesund ist das alles nicht“, sagt Schaller, wenn auch das Gefährdungspotenzial von Produkt zu Produkt variiere. Studien zeigen, dass die Zusammensetzung der Chemikalien, die Gerätetechnik und hier insbesondere die Verdampfertemperaturen sowie das Nutzerverhalten maßgeblich das Gesundheitsrisiko bestimmen. Als Faustregel gilt: Je höher die Betriebstemperatur und je tiefer inhaliert wird, desto schädlicher für die Lunge. Darüber hinaus kann die gesundheitliche Belastung Dritter nicht ausgeschlossen werden, , da auch beim Konsum elektrischer Zigaretten Nikotin und krebserregende Substanzen in die Raumluft abgegeben werden.

E-Zigaretten werden von Rauchern und denjenigen, die einen Rauchausstieg erwägen, genutzt. Ob E-Zigaretten beim Rauchausstieg helfen, ist nicht abschließend geklärt. Darum wird in der S 3 Leitlinie zur Behandlung des abhängigen Tabakkonsums die E-Zigarette nicht zur Suchtentwöhnung empfohlen. Ähnlich schwach und uneinheitlich ist die Studienlage hinsichtlich des Rauch einstiegs. Dennoch bleibt zu befürchten, dass E-Zigaretten und E-Shishas die Reizschwelle für Jugendliche senken, da die E-Inhalationsprodukte als gesündere Alternativen zum Rauchen beworben werden und mit Aromen nach Erdbeere oder Schokolade locken. Die Gefahr: E-Zigaretten enthalten den Suchtstoff Nikotin. Präventionsexpertin Dr. Katrin Schaller: 70 Prozent der E-Zigaretten-Nutzer betreiben dualen Konsum. „Gesundheitlich bringt das nicht viel.“ Dafür sei ein Rauchausstieg nötig“.

Der Originalartikel „E-Zigaretten keinesfalls harmlos“ ist erschienen in „Forum“ 31/2016, DOI 10.1007/s12312-016-0100-2, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg

Forum Landeskrebsgesellschaften, Ärzte Woche 36/2016

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