zur Navigation zum Inhalt
© Mary Evans Picture Library / picture alliance
Untersuchungen an der Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei) machten Hebra bekannt.

Ferdinand Ritter von Hebra, Star-Dermatologe und Erfinder des Wasserbetts.

(c) AKG-IMAGES/PICTURE ALLIANCE

 
Dermatologie 7. September 2016

Hebra - gefeierter Entdecker des Scabies-Erregers

Ferdinand Ritter von Hebra verdammte die Ansicht, dass man Hautkrankheiten nicht heilen dürfe und identifizierte den Erreger der Scabies. Ein Zeitgenosse beschreibt den Hochschullehrer Hebra als feurig und witzig und „dem Autoritätsglauben gänzlich abgeneigt“.

Eine ausgewachsene Krätzmilbe bringt nicht mehr Länge aufs Lineal als ein Fingernagel am Tag wächst, eher weniger. 0,3 bis 0,5 mm groß ist das Insekt, das Ferdinand Ritter von Hebra als Auslöservon Hautkrankheiten entlarvte. Hebra begründete in Wien das, was heute „moderne Dermatologie“ genannt wird. Hebra erkannte, dass Hautkrankheiten einen autonomen Krankheitswert besitzen und nicht bloß Manifestationen innerer Erkrankungen sind. Seine Untersuchungen an der Krätzmilbe, die er als Verursacherin der Scabies identifizierte, machten ihn berühmt. Ebenso das von ihm erfundene Wasserbett zur Therapie von verschiedenen Hauterkrankungen und schweren Verbrennungen.

Der in Brünn geborene Altösterreicher kam vor 200 Jahren, am 7. September 1816 zur Welt. Ein Zeitgenosse, der deutsche Dermatologe Theodor Veiel, beschreibt Hebra folgendermaßen: „Hebra war 1872 (Jahr der Aufnahme des nebenstehenden Portraits, Anm.), als ich nach Wien kam, 56 Jahre alt, in bester geistiger Frische und Kraft, nur körperlich öfter von einem chronischen Bronchialkatarrh geplagt, der ihm manchmal Beschränkungen auferlegte. Gleich beim ersten Zusammentreffen mit ihm sollte ich seinen diagnostischen Scharfblick kennen lernen. Bescheiden hatte ich mich in sein Wartezimmer gesetzt und die Abfertigung der Patienten abgewartet, als er, aus dem Sprechzimmer herauskommend, auf mich zutrat und ohne, dass ich ein Wort gesprochen hatte zu mir sate: ,Sie müssen ein Veiel sein, dieses frische, blühende Aussehen haben unsere Wiener jungen Leute nicht, das haben nur die Schwaben.‘“

Hebra, der ab 1845 die Wiener Hautklinik leitete, hatte dieser zu Weltruf verholfen. In der blumigen Sprache Veiels versteckt sich eine exakte Beschreibung der Arbeitsmethode Hebras: „Die klinische Diagnose brachte er zur Vollendung, während er den pathologisch-anatomischen Untersuchungen weniger Wert beilegte.“

Verblüffend anders

Seinen Vortragsstil beschreibt Veiel einerseits als „witzig“, andererseits als „feurig“ und „packend“. Hebra hielt offenkundig nicht mit seiner Meinung hinterm Berg, besonders dann nicht, wenn er gegen die Lehre wetterte, „dass man die Hautkrankheiten nicht heilen dürfe, weil sie ein heilsamer Ausstoß seien, der nach der Heilung, nach innen schlagen könnte“. Kein Wunder: Dem Autoritätsglauben war er „gänzlich abgeneigt“. Seinen diagnostischen Blick konnte Veiel nicht anders als „verblüffend“ beschreiben, „oft las er von der Haut einen großen Teil der Vergangenheit des Patienten ab“.

Der Vielgelobte starb 1880 in Wien. Er ruht in einem Ehrengrab der Stadt am Hernalser Friedhof.


Martin Krenek-Burger

, Ärzte Woche 36/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben