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Leben 19. April 2016

Von CRISPR bis Tumor-Profiling

Die Top zehn Innovationen in der Medizin und -technik aus US-amerikanischer Sicht.

Die Cleveland Clinic hat die zehn meist versprechendsten medizin(techn)ischen Trends für 2016 gekürt. Diese könnten auch die Gesundheitsausgaben begrenzen – doch viele Innovationen sind eher dem Lifestyle zuzuordnen.

Der Trend ist eindeutig: Die Kosten für das Gesundheitswesen steigen weltweit. Die Ursachen sind ebenfalls unstrittig. Die wachsende Weltbevölkerung, verbunden mit einem in vielen Ländern erweiterten Zugang zu Gesundheitsleistungen für die Bevölkerung, sowie der vor allem in westlichen Industrieländern, Japan und China fortschreitende demografische Wandel.

Mit zunehmendem Wettbewerb in der Healthcare-Industrie geraten die Unternehmen unter gehörigen Druck, auf dem Markt innovative Technik zu präsentieren, die die Produktivität in der ambulanten wie stationären Versorgung steigern, Leben retten und gleichzeitig erschwinglich sind. Es geht also nicht nur um kostenintensive High-End-Medizintechnik. Im Zuge der weltweit zweitgrößten Medizinmesse Arab Health Ende Jänner in Dubai und des World Government Summit (WGS) Anfang Februar am gleichen Ort wurde daher die, von der US-Klinik Cleveland Clinic jährlich aufgelegte, Liste der zehn größten medizinischen Innovationen diskutiert.

Die Liste der Cleveland Clinic führt mit Hinweis auf die anscheinend noch immer nicht ganz ausgestandene Ebola-Krise in Westafrika die rasche Entwicklung effektiver Impfstoffe an erster Stelle an. Sie sollen helfen, solche Epidemien künftig zu verhindern. Die US-Experten verweisen darauf, dass bereits innerhalb von zwölf Monaten ein vielversprechender Impfstoff kreiert worden sei.

An zweiter Stelle der medizinischen Innovationen findet sich das genetische Tumor-Profiling. Wenn es gelingt, so die Hoffnung von Forschern, Tumorgenome im Detail zu entschlüsseln, werden Krebserkrankungen viel zielsicherer diagnostiziert und effektiver behandelt werden können. Basis ist das Zusammenwachsen moderner Bio- und Informationstechnologien.

Auf dem dritten Rang landet die Genschere, die CRISPR-Technik (Clustered regularly interspaced short palindromic repeats). Mit CRISPR können Forscher Gene ausschalten, defekte durch korrekte DNA-Teile ersetzen oder neue Gensequenzen einfügen. So könnten, wie die Cleveland-Forscher betonen, schlechte Gene auf einem DNA-Strang für nur 30 US-Dollar identifiziert und entfernt werden. Das Fachjournal „Science“ kürte CRISPR vor kurzem zum wichtigsten wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres 2015.

Wasser für alle

An vierter Stelle folgt auf der Liste der Cleveland Clinic ein innovatives, aber erschwingliches Trinkwasseraufbereitungssystem, das fäkalienbehaftete Abwässer zu Trinkwasser aufbereiten und zusätzlich die Stromversorgung des Systems sichern könne. Das System koste 1,5 Millionen US-Dollar und könne die Trinkwasseraufbereitung für 100.000 Menschen täglich sicherstellen – effektive Hilfe angesichts der laut WHO rund 700 Millionen Menschen weltweit, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Auf Platz fünf der Innovationen kommen zellfreie fetale DNA-Tests, die zum Beispiel Fälle von Trisomie 21 bei Ungeborenen besser identifizieren können sollen als Standard-Bluttests und Ultraschalluntersuchungen bei Schwangeren. Auf Platz sechs folgt eine neue Biomarker-Plattform, die dieses Jahr auf den Markt kommen soll. Protein-Biomarker-Analysen sollen helfen, Krebsscreenings genauer zu gestalten und die Chance auf Früherkennung zu erhöhen.

Auf Rang sieben verorten US-Wissenschaftler gehirngesteuerte Prothesen, Rollstühle oder auch Exoskelette. Brain-Computer Interfaces (BCI) könnten auch nach Überzeugung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) künftig schwerstgelähmten Menschen zu mehr Autonomie verhelfen. Die unter Wissenschaftlern nicht unumstrittene, aber 2015 in den USA zugelassene, erste Lustpille für die Frau, Flibanserin, schafft es auf Platz acht der Innovationen des laufenden Jahres.

Rang neun belegen neue Sensoren zum nadelfreien Bestimmen von Parametern wie dem Blutzuckerwert oder zum Nachweis einer Schwangerschaft. Auf Platz 10 der Liste der Cleveland Clinic finden sich neurovaskuläre Stent Retriever zum mechanischen Entfernen von Thrombusmaterial aus hirnzuführenden Arterien.

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