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© AMI IMAGES / SPL / Agentur Focus
Hepatitis-Virus-Partikel scheinen das immunologische Gedächtnis nachhaltig zu beeindrucken.
 
Hepatologie 5. April 2016

Langes Gedächtnis

Neue Studie zeigt, dass der Hepatitis-Impfschutz noch nach 30 Jahren aufrecht ist.

Bei vollständiger und erfolgreicher Basisimmunisierung gegen Hepatitis B haben die meisten Menschen offenbar auch 30 Jahre später noch eine ausreichende Immunität gegen das Virus.

hLaut einigen Impfempfehlungen ist nach einer in der Kindheit oder im Erwachsenenalter erfolgreich durchgeführten Grundimmunisierung gegen Hepatitis B „im Allgemeinen keine Auffrischimpfung notwendig“ (Ständige Impfkommission Robert-Koch-Institut). Ausnahmen gelten etwa für Personen mit Immundefizienz oder hohem individuellem Expositionsrisiko. Diese Einschätzung wird durch die bisher längste Kohortenstudie zur Wirkung der Hepatitis-B-Impfung gestützt. Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer, die vor 30 Jahren geimpft worden waren, hatten einen protektiven Antikörpertiter oder zumindest ein immunologisches Gedächtnis.

Für die Untersuchung wurden die Daten von 243 Studienteilnehmern berücksichtigt, die auf die 30 Jahre zurückliegende Grundimpfung angesprochen und danach keine Boosterimpfung erhalten hatten. Die dreiteilige Impfung mit einer aus Plasma aufgereinigten Hepatitis-B-Vakzine, dem damals einzig verfügbaren Impfstoff, war im Erwachsenen- oder im Kindesalter nach dem sechsten Lebensmonat erfolgt.

Langzeit-Anti-HBs korreliert mit Titer nach der Impfung

30 Jahre später hatten 125 Teilnehmer (51 %) noch einen Antikörpertiter ≥10 mIU/ml gegen das Hepatitis-Surface-Antigen (HBs). Anti-HBs-Titer ≥10 mIU/ml wurden von den Studienautoren entsprechend der WHO-Einschätzung als protektiv betrachtet. Die geometrische mittlere Konzentration des Anti-HBs betrug 14,4 mIU/ml. Dabei korrelierte die Höhe der Antikörperkonzentration mit dem Titer nach der Basisimpfung. Außerdem war eine Erstimmunisierung im Alter zwischen fünf und 19 Jahren mit einem besonders guten Langzeitergebnis verbunden.

Von den übrigen 118 Personen, die nach 30 Jahren einen Anti-HBs-Titer <10 mIU/ml aufwiesen, wurden 96 auf das Vorhandensein eines humoralen Immungedächtnisses getestet: Sie erhielten eine Boosterimpfung, deren Erfolg nach 30 Tagen überprüft wurde. Bei 75 Probanden (88 %) konnte auf diese Weise eine schützende Anti-HBs-Konzentration induziert werden. Der Booster war umso eher erfolgreich, je höher der noch verbliebene Anti-HBs-Spiegel war.

Gedächtnis bleibt oft erhalten

Geht man davon aus, dass alle 118 Probanden mit Anti-HBs <10 mIU/ml, auch die ohne Test-Booster, zu 88 Prozent ein immunologisches Gedächtnis aufwiesen, gab es in der Gesamtgruppe der 243 Impflinge bei 94 Prozent Evidenz für einen Impfschutz. Durchbruchinfektionen waren bei keinem von ihnen aufgetreten. „Die Daten liefern starke Belege dafür, dass das Immunsystem auch 30 Jahre nach der ersten Impfserie das HBs-Antigen weiterhin erkennt“, schreiben die Studienautoren um Michael G. Bruce von den Centers for Disease Control and Prevention in Anchorage. Sie gehen davon aus, dass die Ergebnisse auch auf die heute verwendeten rekombinanten Vakzine übertragbar sind. Die beiden Impfstofftypen hätten sich in Studien in Bezug auf Antikörperreaktion und Wirksamkeit sehr ähnlich verhalten. Im Gegensatz zu aktuellen Impfempfehlungen wurden die Studienteilnehmer allerdings erst nach dem sechsten Lebensmonat geimpft. Das könnte laut Bruce und Kollegen im Hinblick auf den Langzeitschutz möglicherweise einen Unterschied machen, da die Anti-HBs-Titer bei einer Impfung vor dem sechsten Monat schneller fallen. Zumindest Menschen mit später durchgeführter Basisimpfung benötigen laut den US-Ärzten aber auch nach 30 Jahren keine Auffrischungsimpfung.

 

Originalpublikation: Bruce MG et al. Antibody Levels and Protection After Hepatitis B Vaccine: Results of a 30-Year Follow-up Study and Response to a Booster Dose. Journal of Infectious Diseases, online 21. Januar 2016

springermedizin.de, Ärzte Woche 14/2016

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