zur Navigation zum Inhalt
 
Forschung 5. April 2016

Überraschungseier

Chemiker entdecken neue Arsenverbindungen in Heringskaviar.

Grazer Forscher fanden eine neue Form von arsenhaltigen Phosphatidylcholinen in der Membran von Fischeiern. Wie giftig der Verzehr dieser Verbindungen ist, gilt es noch zu klären.

Seefisch ist dafür bekannt, dass sich in ihm giftige Spurenelemente, wie Quecksilber oder Arsen, anreichern können. Diese werden an organische Verbindungen gebunden, die sich auch in Zellbestandteilen, zum Beispiel Membranen, wiederfinden. Chemiker der Uni Graz aus der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Kevin Francesconi haben nun bisher unbekannte Arsenverbindungen in Heringsrogen nachgewiesen. Die Studie wurde im Fachjournal Angewandte Chemie als „Very Important Paper“ veröffentlicht ( Viczek SA et al., Angew Chem Int Ed Engl. 2016 ).

Auf der Suche nach Arsenverbindungen in Membranen von marinen Lebewesen konzentrierten sich die Grazer Wissenschafter auf Fischeier, da diese besonders membranreich sind. In Proben von Heringsrogen aus der Norwegischen See haben die Forscher dann zwei bisher unbekannte Gruppen von Arsenlipiden entdeckt.

Das sind fettlösliche Arsenverbindungen, die rund 80 Prozent vom Gesamtgehalt dieses Spurenelementes ausmachen. Im Speziellen handelt es sich bei den neu gefundenen Gruppen um arsenhaltige Phosphatidylcholine. „Die Entdeckung ist auch deshalb so bedeutsam, weil Phosphatidylcholine ein Kernbestandteil von Membranen sind und damit eine biologisch wichtige Rolle im Zellstoffwechsel spielen“, unterstreicht Francesconi.

„Hinzu kommt, dass diese Arten von Arsenlipiden vermutlich über die Hälfte des gesamten fettlöslichen Arsens in marinen Lebewesen ausmachen“, ergänzt Dr. Kenneth Jensen. Im Rahmen der aktuellen Untersuchung wurden insgesamt fünf neue arsenhaltige Phosphatidylcholine identifiziert. Doch Jensen vermutet: „Wahrscheinlich gibt es noch viele weitere dieser komplexen Naturstoffe.“

Jetzt gilt es zu klären, wie giftig die entdeckten Verbindungen sind. „In Kooperation mit Toxikologen der Universität Potsdam untersuchen wir, was der hohe Anteil dieser Substanzen in der Membran in toxikologischer Hinsicht bedeutet, das heißt, was die arsenhaltigen Phosphatidylcholine im Zellstoffwechsel bewirken.“ Eine weitere Frage ist, welche Rolle die Art der Zubereitung spielt.

PK/Uni Graz, Ärzte Woche 14/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben