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© Werner Siemens Imaging Center
Rechts eine Mäuselunge, deren Befall mit dem Schimmelpilz A. fumigatus durch die Anreicherung der radioaktiv markierten Antikörper (helle Bereiche) sichtbar wird, wohingegen eine mit dem bakteriellen Erreger Yersinia enterocolitica infizierte Lunge (links
 
Infektiologie 15. Februar 2016

Schimmelpilz-Befall im Bild

Wissenschaftler fanden bildgebende Methode, um Infektion im Körper sichtbar zu machen.

Die invasive Aspergillose ist eine der häufigeren Todesursachen bei immungeschwächten Patienten. Ein Forscherteam hat ein neues, vielversprechendes bildgebendes Verfahren entwickelt, um die Infektionserkrankung schnell, zuverlässig und vor allem wenig belastend für den Patienten zu diagnostizieren.

Sie sind winzig klein, überall in der Luft und jeder von uns atmet sie täglich ein: Sporen des Schimmelpilzes Aspergillus fumigatus. Gesunden Menschen bereitet das in der Regel keine Probleme. Bei Menschen, deren Immunsystem jedoch stark geschwächt ist – etwa bei Leukämie- oder AIDS-Patienten sowie Knochenmarkempfängern – nistet sich der Pilz ohne große Gegenwehr in der Lunge ein und verursacht dort die invasive Aspergillose. Diese gefährliche Infektionskrankheit ist eine der häufigsten Todesursachen bei immungeschwächten Patienten. Eine frühzeitige und auf die Patienten abgestimmte Therapie ist für den Krankheitsverlauf entscheidend, wurde aber bisher durch den Mangel an schnellen und gleichzeitig zuverlässigen Diagnosemöglichkeiten erschwert. Wissenschaftler des von der Universität und dem Universitätsklinikum Tübingen koordinierten EU-Konsortiums „MATHIAS“ (New Molecular-Functional Imaging Technologies and Therapeutic Strategies for Theranostic of Invasive Aspergillosis) haben gemeinsam mit Forschern aus u. a. Universitätsklinikums Essen, Universität Exeter und dem Paul Scherrer Institut ein neues, vielversprechendes Diagnoseverfahren entwickelt und im Krankheitsmodell getestet.

PET-MRT-Kombination

Dank radioaktiv markierter Antikörper, die sich spezifisch nur an bestimmte Strukturen des wachsenden Schimmelpilzes heften, wird die Erkrankung sichtbar gemacht. Dafür nutzen die Wissenschaftler ein Bildgebungsverfahren, das die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) mit der Magnetresonanztomografie (MRT) kombiniert. Durch die Antikörper-basierte Bildgebung können sie ausschließen, dass es sich bei auffälligen Strukturen in der Lunge um eine bakterielle oder virale Infektion handelt.

Bisher müssen bei immungeschwächten Patienten, die erste Symptome einer invasiven Aspergillose zeigen, Gewebe oder Flüssigkeit aus der Lunge entnommen und im Labor untersucht werden, um die Krankheit zu erkennen. „Wenn das von uns entwickelte Verfahren sich auf den Menschen übertragen ließe, könnte ihnen diese schmerzhafte und mitunter gefährliche Prozedur in Zukunft erspart bleiben und viel Zeit für eine erfolgreiche Therapie gewonnen werden“, sagt Dr. Stefan Wiehr vom Werner Siemens Imaging Center, Abteilung für Präklinische Bildgebung und Radiopharmazie des Universitätsklinikums Tübingen. „Neben einer schnelleren Diagnose wäre die neue Methode auch weitaus zuverlässiger und spezifischer“, fügt Prof. Dr. Matthias Gunzer, Leiter des Instituts für experimentelle Immunologie und Bildgebung des Universitätsklinikums Essen, hinzu.

 

Originalpublikation:

Anna-Maria Rolle, et al. Immuno-PET/MR imaging allows specific detection of Aspergillus fumigatus lung infection in vivo. PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1518836113

Universität Tübingen, Ärzte Woche 7/2016

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