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© Martin Burger
Schlafapnoe-Seminar (v.l.): Dr. Lukas Grafenauer, Prof. Dr. Peter Fitscha, Prof. Dr. Kurt Huber.
© Klaus Rose / picture alliance

Den ernsten Folgen der Schlafapnoe kann mit einer CPAP-Maske begegnet werden.

 
Pulmologie 18. Jänner 2016

Enorm, was der Körper aushält

Schwere Schlafapnoe verhindert Tiefschlaf und führt zu Folgeerkrankungen.

Vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen im mittleren Lebensalter leiden hierzulande unter obstruktiver Schlafapnoe, die bis zu 80 Prozent der Fälle assoziiert mit Bluthochdruck.

„Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr.“ (Arthur Schopenhauer).

Wer ins Schlaflabor geht, muss damit rechnen, dass sein auf Video gebannter Schlaf bei einem Ärztetreffen vorgeführt wird. Dr. Lukas Grafenauer, Leiter des Schlaflabors am Landesklinikum Stockerau, zeigt beim Symposium Cardio Sleep eine Patientin, die sehr laut schnarcht, „bis zu 90 Dezibel (entspricht einem knatternden Dieselmotor, Anm.)“. Grafenauer kommentiert das Geschehen: „Jetzt wird’s spannend, langsam geht oben der Schlundschlauch zu, die Patientin kämpft gegen die Obstruktion. Jene von ihnen, die auf der Intensiv arbeiten, hätten jetzt schon den Tubus in der Hand. Das geht mehrere Male, 10, 15, 20 Sekunden lang, enorm was der Körper aushält. Kampf die ganze Nacht. Die Patientin sagt in der Früh, sie habe gut geschlafen.“ Kichern im Publikum, das zeigt, wie privat dieser Moment im Leben der gefilmten Frau ist – und wie wichtig die Forschung darüber. Denn die obstruktive Schlafapnoe (OSAS) hat Folgeerkrankungen: Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Rhythmusstörungen, plötzlicher Herztod, Polyglobulie, Schlaganfall, verstärkter Diabetes, Depressionen, Sekundenschlaf am Steuer, Potenzstörungen, Erschöpfung, Übergewicht, Persönlichkeitsveränderungen, morgendliche Kopfschmerzen durch den nächtlichen Blutdruckanstieg.

Der Internist Prof. Dr. Peter Fitscha untersucht die enge Vergesellschaftung von Schlafapnoe und Bluthochdruck. 50 bis 80 Prozent der Schlafapnoe-Patienten leiden auch unter Bluthochdruck. Umgekehrt haben bis zu 40 Prozent der Hypertoniker Schlafapnoe. „Die Schlafapnoe ist eine der häufigsten Ursachen für die therapieresistente Hypertonie“, sagt Fitscha. Außerdem sei die Schlafapnoe ein Risikofaktor, „dass jemand, der keinen Bluthochdruck hat, später einen bekommt. Je schwerer die Schlafapnoe, desto höher die Wahrscheinlichkeit für Hypertonie im späteren Lebensalter.“

Der Erfolg der CPAP (continuous positive airway pressure)-Therapie hängt laut Fitscha davon ab, ob die Patienten regelmäßig eine gut angepasste Schlafmaske tragen. Am besten sprechen die Patienten mit therapieresistenter Hypertonie an, „die haben die stärkste Blutdrucksenkung, tagsüber bis 40 mmHg“.

Besteht eine Beziehung zwischen KHK und OSAS? Dr. Thomas Weber vom Klinikum der Kreuzschwestern Wels sagt „Ja“ und zitiert eine Observations-Studie über die Wirkung der CPAP-Therapie bei KHK-Patienten. „Die mit CPAP behandelten Patienten, die die Therapie auch toleriert haben, haben deutlich besser abgeschnitten.“ Das Vorliegen eines OSAS ändere die Prognose für KHK-Patienten „und zwar zum schlechteren.“

Martin Burger, Ärzte Woche 3/2016

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