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Neurologie 10. November 2015

Planet der Alzheimerpatienten

Neurologen unter Druck: Alle vier Sekunden gibt es weltweit einen neuen Fall von Demenz.

Neurologische Erkrankungen bedeuten nicht nur Leid für Betroffene, sie belasten auch die Gesellschaften in erheblichem Ausmaß. Neuerdings wird die Bedeutung neurologischer Erkrankungen von internationalen Organisationen und Entscheidungsträgern erkannt. Auch wenn Fortschritte in der Diagnostik und Therapie zu verzeichnen sind, kommen diese nicht allen Menschen zugute. Der WHO-Atlas zur neurologischen Versorgung zeigt enorme Unterschiede zwischen den Weltregionen.

„Schätzungen der WHO zufolge sind neurologische Erkrankungen für 4,5 bis 11 Prozent der globalen Krankheitslast verantwortlich, je nachdem, ob man Länder mit niedrigem oder hohem Einkommen betrachtet. Dies ist weit mehr als Erkrankungen der Atemwege, Magen-Darm-Erkrankungen oder Krebs, und die Tendenz ist in den kommenden Jahren weiter steigend.

Die Neurologie entwickelt sich mit Höchstgeschwindigkeit, wir finden immer mehr präventive, diagnostische, therapeutische und rehabilitative Antworten auf die wachsenden Herausforderungen durch neurologische Erkrankungen. Andererseits haben in vielen Teilen der Welt betroffene Patienten immer noch immer keinen ausreichenden Zugang zu neurologischer Versorgung“, betonte Prof. Raad Shakir, Präsident der World Federation of Neurology (WFN), auf dem Weltkongress für Neurologie (WCN 2015).

Mehr als 3.500 Teilnehmer treffen in der chilenischen Hauptstadt Santiago zu dieser weltweit führenden Neurologie-Tagung zusammen. „Es ist daher ein wichtiger Fortschritt, dass die internationale Gemeinschaft, Regierungsorganisationen und politische Entscheidungsträger zunehmend die hohe Belastung durch neurologische Erkrankung und die Bedeutung der Neurologie anerkennen.“ 12 von 100 Todesfällen sind durch neurologische Erkrankungen verursacht. Schätzungen der WHO zufolge wird die Zahl der Disability Adjusted Life Years (DALYs) aufgrund von neurologischen Erkrankungen, einer Messgröße für die durch Krankheit und vorzeitigen Tod verlorenen Lebensjahre, von 95 Millionen weltweit im Jahr 2015 auf 103 Millionen im Jahr 2030 steigen; ein hoher Anteil geht auf das Konto der Alzheimer-Erkrankung und anderer Formen von Demenz, mit einer Steigerungsrate von rund 28 Prozent.

Auf der anderen Seite wird die Zahl der DALYs auf Grund von infektiösen neurologischen Erkrankungen in diesem Zeitraum um prognostizierte 37 Prozent sinken.

Am stärksten betroffen sind Länder mit niedrigem bzw. mittlerem Einkommen. WFN-Präsident Shakir: „Von allen neurologischen Erkrankungen sind Schlaganfälle und andere zerebrovaskuläre Erkrankungen mit einem Anteil von 85 Prozent mit Abstand die häufigste Todesursache.“

Hohe Krankheitslast

„Epidemiologische Studien haben schon länger die besondere Bedeutung von Schlaganfall und Demenz aufgezeigt, und jetzt gibt es immer mehr Hinweise auf die zunehmende Wichtigkeit auch anderer neurologischer Probleme. Neurologische Erkrankungen sind endlich ein integraler Bestandteil der globalen politischen Agenda“, betonte Shakir. Der neurologischen Versorgung müsse besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, weil sie viele Länder an den Rand der Finanzierbarkeit bringen könnte. „Das ist klar, wenn man das Tempo bedenkt, in dem die Bevölkerung altert. Derzeit sind nur in einem Land, nämlich Japan, mehr als 30 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre. Bis 2050 wird es viele geben, darunter Chile, China, Iran oder Thailand. Eine ernüchternde Entwicklung.“

Impfung in Sicht

Demenzerkrankungen gehören zu den großen Herausforderungen für die moderne Neurologie. WHO-Schätzungen zufolge leben weltweit 47,5 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. „Alle vier Sekunden tritt ein neuer Fall auf, jährlich wächst die Zahl der Betroffenen laut WHO um 7,7 Millionen Menschen“, sagte Roger Rosenberg, Professor für Neurologie und und Direktor des Alzheimer-Zentrums, University of Texas Southwestern Medical Center.

Die Alzheimer-Erkrankung ist die häufigste Form von altersbedingter Demenz, und für 60 bis 70 Prozent aller dementiellen Erkrankungen verantwortlich.

Rosenberg präsentiert ein Impfkonzept, bei dem DNA, in die Amyloid-Beta 42 eingebracht ist, mittels „Gen-Kanone“ injiziert wird. Die injizierte DNA führt in der geimpften Person zur Entstehung von Amyloid-Beta, gegen das in der Folge eine Immunreaktion in Gang gesetzt wird. „Unsere Daten belegen die Wirksamkeit und Sicherheit sowie den möglichen therapeutischen Nutzen der DNA-Amyloid-Beta 42 Impfung bei Menschen mit Alzheimer-Risiko“, so Rosenberg.

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