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MR-Angiographie mit Nierenarterienstenose rechts (oberer Pfeil). Auch die rechte Beckenarterie ist verengt (unterer Pfeil).
 
Radiologie 3. Februar 2014

50 Jahre interventionelle Radiologie

 "Heute wird in Österreich pro Tag mindestens ein Menschenleben durch die interventionelle Radiologie gerettet."

Auf die Fortschritte speziell der interventionellen Radiologie verwiesen Vertreter der Österreichischen Röntgengesellschaft. Mit gutem Grund: Vor 50 Jahren wurde die erste Gefäßerweiterung bei einer Patientin mit einem Katheter durchgeführt.

"Das Gelbe vom Ei ist das Beste. Am 16. Jänner 1964 wurde die erste Rekanalisation einer Verengung durch einen Gefäßkatheter in einer Oberschenkelarterie mit einer massiven Engstelle durchgeführt", erklärte Walter Hruby, Vorstand des Instituts für Röntgendiagnostik am Wiener SMZ-Ost, in Anspielung auf den US-Spezialisten Charles Dotter (Portland), der damals eine Pionierrolle spielte. Der Wiener Radiologe Fritz Olbert entwickelte bald darauf einen Katheter zur Dilatation von verengten Becken- bzw. Beingefäßen und ließ ihn patentieren.

Den Durchbruch aber feierte der Schweizer Andreas Grüntzig mit seinem aufblasbaren Ballonkatheter zur Behandlung von atherosklerotisch bedingten Verengungen der Herzkranzgefäße. Hruby: "Die Kosten dieser Technik liegen bei zwischen 50 und 60 Prozent jener von offenen chirurgischen Eingriffen (Bypass-OPs etc.)." Während CT- und MR-Angiografie (Gefäßdarstellung) in der Diagnostik von Gefäßerkrankungen die alte "digitale Subtraktionangiografie" per Katheter und Kontrastmitteluntersuchung zunehmend eingrenzen, sind die interventionellen Radiologen mit ihren minimal-invasiven Eingriffen weiter auf dem Vormarsch.

Notfallmedizin und Krebstherapie

Johannes Lammer, Leiter der entsprechenden Klinischen Abteilung im Wiener AKH mit den Universitätskliniken: "Heute wird in Österreich pro Tag mindestens ein Menschenleben durch die interventionelle Radiologie gerettet." Die Disziplin sei in 50 Prozent der Fälle für die Krebstherapie wichtig, immer mehr in Notfallmedizin mit akuter Blutstillung, Eingriffen an Gefäßen etc. Seit 1988 gibt es die Stents zur Aufrechterhaltung des freien Gefäßdurchschnitts nach einer Ballondilatation. Lammer: "Eine Neuentwicklung sind die abbaubaren Stents, die sich mit der Zeit auflösen."

Akute Eingriffe bei Schlaganfällen und das Implantieren von Gefäßprothesen bei gefährlichen Arterien-Aussackungen (Aortenaneurysma etc.) sind neue Entwicklungen. Lammer: "In Österreich werden 60 Prozent der Eingriffe bei Baucharterienaneurysmen endoskopisch (per Katheter; Anm.) durchgeführt. In den USA sind es 80 Prozent." Dabei werden die Kunststoffprothesen einfach per Katheter in die Aorta eingebracht, was sehr große Operationen erspart. Bei Schlaganfällen, bei denen das Blutgerinnsel in einer Gehirnarterie nicht per Medikament aufgelöst werden kann, gibt es vermehrt die Möglichkeit das Gerinnsel per Katheter aus der Arterie "herauszufischen" und zu beseitigen. In Wien wurden im vergangenen Jahr um die 70 derartige Eingriffe vorgenommen, in Innsbruck hat sich deren Zahl von 2012 auf 2013 von 15 auf 30 erhöht.

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