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© Klaus Eppele/Fotolia
Bei Nagetieren fand man zahlreiche Varianten von Hep-C-verwandten Viren.
 
Hepatologie 1. Juli 2013

Der Ursprung des Hepatitis-C-Virus

Virologen fanden verwandte Viren bei Nagern, Fledermäusen und Pferden, aber nicht bei Hunden und Katzen.

Mit diesem Befund ergeben sich neue Ansätze für die Entwicklung eines Tiermodells, das dringend für Impfstudien gebraucht wird.

„Hepatitis C gehört zu den großen Killern auf der Welt“, sagt Dr. Jan Felix Drexler vom Institut für Virologie. Universitätsklinikum Bonn. Weltweit sind etwa 185 Millionen Menschen infiziert. Bislang gibt es zwar Therapien, aber keine Möglichkeit, sich durch eine Impfung vor einer Infektion zu schützen. „Bisher ist die Impfstoffentwicklung vor allem daran gescheitert, dass kein einziges Labortier mit Hepatitis C zu infizieren war“, berichtet Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn.

Die Herkunft des Erregers lag im Dunkeln. Unter Federführung der Virologen des Bonner Universitätsklinikums forschte ein internationales Wissenschaftlerteam weltweit nach dem Ursprung des Hepatitis C Virus. In einem bislang nicht erreichten Umfang nahmen die Forscher Proben von insgesamt 4.770 Nagetieren und 2.939 Fledermäusen. „Sowohl Nager als auch Fledermäuse leben in Kolonien mit engem Kontakt der Tiere zueinander, wodurch Infektionen begünstigt werden“, erklärt Drexler. Da auch Haustiere als eine Quelle für die Viren vermutet wurden, testeten die Wissenschaftler außerdem 210 Pferde sowie 858 Katzen und Hunde.

In den Nagetieren stießen die Forscher auf zahlreiche Varianten an Hepatitis-C-verwandten Viren. In den Fledermäusen fanden die Virologen Antikörper gegen den Erreger. „Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass sich diese Virusfamilie im Lauf der Evolution in Kleinsäugern entwickelt hat und dann möglicherweise auf den Menschen oder andere Tiere übergesprungen ist“, fasst Drexler die Resultate zusammen. Bei Hunden und Katzen wurden keine Viren gefunden, wohl aber bei den untersuchten Pferden. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass diese Viren eine direkte Gefahr für den Menschen darstellen“.

Die Forscher sehen nun die Chance, mit ihren Ergebnissen die Grundlage für die Entwicklung eines Impfstoffs geschaffen zu haben. Die Befunde geben den entscheidenden Hinweis, wie man möglicherweise zu einem Tiermodell für die Infektion kommen und daran Impfstudien durchführen könnte. „Die Nagetiere, in denen wir das Virus gefunden haben, lassen sich gut im Labor halten“, so Drosten. Zudem verursachen die Viren in Nagetieren ebenfalls eine Infektion der Leber, ähnlich wie das Hepatitis-C-Virus beim Menschen. Insbesondere Rötelmäuse, in denen besonders viele Hepatitis C verwandte Viren gefunden wurden, sind schon in vielen Laboren vorhanden.

Originalpublikation: Drexler JF et al.: PLoS Pathog 2013; 9 (6): e1003438

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