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Nanotechnik macht’s möglich

Ovarialkarzinom: Früherkennung bald per Zervixabstrich?

Gibt es bald den Abstrichtest zur Früherkennung eines Ovarialkarzinoms? Eine neuartige Nanotechnik spürt präkanzeröse Zellveränderungen in Surrogatgeweben auf. Damit ist auch ein Beweis für die Existenz der erweiterten Feldkarzinogenese erbracht.

Mit einem Zervixabstrich Vorstadien eines Ovarialkarzinoms nachweisen? Wie soll das funktionieren? Es ist das Phänomen der „Feldkarzinogenese“, das sich die Forscher um Dhwanil Damania von der Northwestern University in Illinois zunutze machen: Danach laufen parallel zu den Zellmutationen im Tumorgebiet auch in benachbarten Geweben (epi-)genetische Veränderungen ab. Verschiedene Mechanismen können an diesen Vorgängen beteiligt sein, beispielsweise die Aktivierung von Proto-Onkogenen, der Verlust von Tumorsuppressorgenen oder die Genmethylierung. Unter dem Einfluss von Umweltfaktoren entsteht so ein mutationsbegünstigendes Milieu, unter dem sich – ähnlich wie im Gebiet des Primärtumors – auch an anderer Stelle und selbst in angrenzenden Organen regelrechte „Minenfelder“ fokaler Neoplasien bilden können.

Diagnostische Chance beim serösen Subtyp

Eine diagnostische Chance speziell im Fall des serösen Ovarialkarzinoms bietet sich durch dessen pathogenetische Besonderheit: Dieser relativ gefährliche Subtyp nimmt seinen Ursprung in den distalen Fimbrien der Eileiter. Über diese besteht Kontakt zu Endometrium und Endozervix. Tatsächlich spielen sich bei Frauen mit nachgewiesenem Ovarialkarzinom präkanzeröse Veränderungen auch in den Zellen dieser Organe ab; das konnten die Autoren nun mithilfe ihrer neuentwickelten PWS-Technik nachweisen.

PWS steht für „partielle Wellenspektroskopie“. Mit diesem optischen Verfahren messen die Forscher eine Art Biomarker für feldkarzinogenetische Veränderungen im Nanobereich, die sogenannte Disorder strength (Ld). Erfasst werden damit makromolekulare Dichteänderungen. Dieser äußerst sensitive Marker ist nach Damania et al. direkt proportional zur Aggressivität der Krebsvorstufe. Unter dem Mikroskop würde man solche Veränderungen nicht erkennen. Der PWS-Test sei jedoch in der Lage, bereits subtile genetische Abweichungen zu erfassen.

Die Autoren hatten bei hysterektomierten Patientinnen Abstriche aus dem entnommenen Endometrium bzw. der Zervix gemacht. Von den 26 Patientinnen mit Endometriumabstrich stellte sich der Ovarialtumor in 15 Fällen als gutartig heraus (Kontrollen), bei 11 Patienten war er bösartig. Die mittels PWS gemessene „Disorder strength“ war bei den Krebspatientinnen gegenüber den Kontrollen signifikant erhöht (ΔLd = 53%; p = 0,01).

Und auch bei den Zervixabstrichen wurde man mit der Nanotechnologie fündig. Auch hier zeigte der Biomarker bei den zehn Krebspatientinnen eine signifikante Abweichung von den 13 Kontrollen (ΔLd = 73%; p = 0,003), die Spezifität lag bei 88 Prozent.

Beweis für erweiterte Feldkarzinogenese erbracht

Damit, so die Autoren, sei erstmals der Beweis erbracht, dass neben der bereits bekannten auch eine erweiterte Feldkanzerisierung existiere, die sich mit der PWS-Technik nachweisen lässt.

Bislang sind die Möglichkeiten der Frühdiagnostik beim Ovarialkarzinom begrenzt: Tumormarker wie CA-125 oder ein transvaginaler Ultraschall liefern wenig verlässliche Ergebnisse. Klinisch bleibt der Tumor lange Zeit stumm. Bei den meisten Frauen wird der Krebs erst in den Stadien III bis IV diagnostiziert. Nur jede dritte Betroffene lebt unter diesen Umständen noch fünf Jahre oder länger. Mit dem PWS-Verfahren eröffnet sich nun eine, so die Autoren, „neue Dimension der Früherkennung“. Das Verfahren sei leicht durchzuführen, der Test bei hoher Spezifität wenig invasiv und erfordere lediglich einen Abstrich aus der Zervix. Die Ergebnisse seien zudem unbeeinflusst von anderen Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum oder Alter.. Bevor allerdings eine Kommerzialisierung möglich wird, muss sich die neue Technologie erst noch in einem größeren Kollektiv bewähren.

Originalpublikation: Damania D et al.: Int J Cancer 2013, online 1. April

springermedizin.de, Ärzte Woche 26/2013

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