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Intensiv- und Notfallmedizin 27. Jänner 2014

Die therapeutische Peritoneallavage mit erwärmter Kochsalzlösung als Behandlungsoption für Trauma-Patienten mit schwerer Unterkühlung

Einleitung: Eine schwere Unterkühlung scheint eine eher seltene Komplikation der älteren Bevölkerung in Europa zu sein.

Im Jahre 2007 wurden nur 10 Fälle in Deutschland gemeldet. Es ist jedoch davon auszugehen, dass eine hohe Dunkelziffer an nicht gemeldeten oder nicht erkannten Fällen vorliegt.

Die meisten veröffentlichen Fälle beschreiben junge Patienten, die einer niedrigen Umgebungstemperatur ausgesetzt waren und die einer unverzüglichen Therapie zugeführt wurden. Bei älteren Patienten tritt eine Unterkühlung des Öfteren auch ohne eine Kälteexposition auf. Diese Fälle gehen mit einer hohen Mortalitätsrate einher. Die betroffenen Individuen stammen meistens aus der städtischen Umgebung und sind sozial isoliert. Die Ursache für die Hypothermie sind hierbei vielfältig und spannen den Bogen von einem ketoazidotischen Koma über den Herzstillstand, eine Hypothyreose, Hypohydriosis, MS, Störung des Hypothalamus und einer Enzephalopathie bis hin zum medikamentös induzierten Versagen der autogenen Temperaturregulation des menschlichen Körpers.

Zusammenfassung: In diesem Artikel präsentieren wir den Fall einer 63-jährigen Frau, welche bewusstlos in ihrer Wohnung aufgefunden wurden, wobei die Dauer dieses Zustands nicht zu eruieren war. Zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme in der Ambulanz betrug ihre Körperkerntemperatur 24 °C und ihr EKG zeigte Herzflimmern. Auf Grund der instabilen Gesamtkonstitution, des persistierenden Kreislaufstillstands und der dramatisch gestörten Gerinnungskaskade, wurde eine kontinuierliche Peritoneallavage zur Erwärmung durchgeführt. Eine transportable Herz-Lungen-Maschine und/oder Hämodialyseeinheit kamen nicht zum Einsatz.

Nach einer prolongierten Reanimationszeit konnte die Patientin bei stabiler Kreislaufsituation auf die ICU transferiert werden. Nach einem 40-tägigen Aufenthalt auf der Intensivstation zeigte sich eine zügige Rekonvaleszenz und nach einem weiteren Monat unter normalstationären Bedingungen wurde die Patientin, ohne bleibende Schäden, in ihre häusliche Umgebung entlassen.


Dieser Fallbericht illustriert den erfolgreichen Einsatz der Peritoneallavage in Fällen einer akuten Unterkühlung ohne den zusätzlichen Einsatz von Gerätschaften der extrakorporalen Erwärmung. Im Speziellen in kleinen Krankenhäusern mit limitierten Ressourcen an high-end Gerätschaften und weniger spezialisierten Mitarbeitern bietet dieses Verfahren eine alternative Lösung zur Behandlung von Patienten mit schwerer Hypothermie.

Thomas Freude, Sonja Gillen, Sabrina Ehnert, Andreas Nüssler, Ulrich Stöckle, Natascha Charalambakis, Stefan Döbele, Stefan Pscherer, Wiener klinische Wochenschrift 1/2/2014

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