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Doz. Dr. Burkhard Leeb, Vorstand der 1. und 2. Medizinischen Abteilung, Landesklinikum Weinviertel Stockerau

 
Innere Medizin 21. Februar 2013

Fallbericht - Diskutieren Sie mit: War Vietnam schuld?

Eine kurze Beschreibung eines Falls soll Anstoß für eine fachliche Debatte sein, zu der wir an Rheumatologie interessierte Ärztinnen und Ärzte einladen: Patient S. M., 67 Jahre, 185 cm, 86 kg

ONLINE FIRST

In der Rubrik „aus der Praxis“ werden regelmäßig diagnostische und therapeutische Probleme dargestellt und Vorschläge für Lösungsmöglichkeiten angeboten. Drei Fragen bieten einen Einstieg für Ihre Überlegungen. Lassen Sie auch die Kolleginnen und Kollegen daran teilhaben und kommentieren Sie! Hinweise, wie Sie Ihre Beiträge übermitteln können, finden Sie am Ende des Artikels. Ich freue mich auf Ihren Beitrag!


Anamnese

Arterielle Hypertonie, Kataraktoperation bds., Z.n. Cholecystektomie Im November Urlaub in Vietnam, dabei „den Kopf angestoßen“; keine weiteren Beschwerden bis 5. Dezember plötzliche Cephalea; eine akute CT des Kopfes unauffällig; zu Weihnachten Fieber bis 38,0°, plötzlich auftretende Schmerzen Beckengürtel und linker Oberschenkel, allgemeines Krankheitsgefühl.

Diese Symptome führen zu einer stationären Aufnahme an einer Medizinischen Abteilung. Daneben bewegungsabhängige Beschwerden der linken Hüfte. Unter Antibiose mittels Aminopenicillinen keine Besserung.

Befunde

  • Labor: Leuko 11.000/mm³; CRP:
    17mg/dl; BSG: 120 (1.Stunde); RF
    neg.; ANA, AMA neg.
  • Infektionsserologien negativ, Blutkulturen
    negativ
  • Rö LWS + Beckenübersicht: altersentsprechend
  • Rö C/P und Sono Oberbauch + Niere:
    Unauffällig
  • MRI LWS: kein Hinweis auf Spondylodiscitis
  • CT Abdomen: unauffällig, Z.n. CHE;
    Nebenbefund: Erguss li. Hüfte


Deswegen Transfer ad Orthopädische Abteilung: MRI li. Hüfte: Coxitis mit Erguss und Synovitis; Hüftpunktion: 12 ml seröse Flüssigkeit, kein Keimwachstum in der Kultur. Dennoch Clindamycin für 6 Wochen; klinisch nach Hüftpunktion deutliche lokale Besserung, aber zunehmende Beschwerden im Bereiche des Oberkörpers; Labor: CRP 7 mg/dl. Deshalb Mitte Februar Vorstellung an Rheumatologischer Abteilung: Bis dahin Gewichtsverlust von 12 kg während der vergangenen drei Monate; Patient gibt an: „Nach längerem Essen kann ich nicht mehr kauen“. Weiter Subfebrilitäten, Oberkörperschmerzen. Klinik: Morgesteifigkeit 5 min; Handkraft unauffällig, keine Synovitiden der Hände oder Vorfüsse, Druckschmerz der Oberarme und Oberschenkel, das heben der Arme über Schulterniveau nicht möglich, Druckschmerz der Insertionen im Schulterbereich.

Labor: CRP: 8,5 mg/dl; BSG: 91 (1. Stunde); ECHO: unauffällig; Sono + PE der Temporalarterie unauffällig Sono der Schultern: Bursitis subdeltoidea und Tenosynovitis.


Diagnose und Therapie


Polymyalgia rheumatica (PMR)
PMR-AS (Polymyalgia rheumatica Activity
Score): 21,4 (hohe Aktivität)
25 mg Prednisolon/die; NSAR i.B.; Protonenpumpenhemmer.

Dies führte zu rascher und nachhaltiger Besserung, nach etwa einjähriger deeskalierender Corticosteroidtherapie war der Patient auch nach Absetzen komplett beschwerdefrei.

Fragen

  • Ab wann hätte man an eine Polymyalgia rheumatica und/oder Riesenzellarteriitis (GCA) denken können? Wäre ohne Vietnam-Urlaub die Diagnose früher gestellt worden?
  • Welches Symptom wies besonders den Weg zur Diagnose? Wie lässt sich die klinisch gestellte Diagnose einer PMR/GCA endgültig sichern?
  • Mit wie vielen Neuerkrankungen an PMR/GCA pro Jahr muss man in Österreich rechnen?

Posten Sie bitte Ihre Antworten zu den drei gestellten Fragen bzw. Ihre Überlegungen gleich Online als Kommentar (siehe Leiste unten)

oder schicken Sie Ihren Beitrag per E-Mail an:

 

 

Doz. Dr. Burkhard Leeb, 1. und 2. Medizinische Abteilung, Landesklinikum Weinviertel, Stockerau

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