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Fallbericht 25. August 2010

Morbus Hodgkin bei Schwangeren

Erst nach einer genauen Anamnese wurden die Weichen zur richtigen Diagnose gestellt.

Eine 30-jährige Patientin wird vom Facharzt in der 31 + 6 Schwangerschaftswoche aufgrund von hohen Entzündungswerten im Labor bei gleichzeitiger therapiebeständiger Anämie seit dem 2. Trimenon in unserer geburtshilflichen Ambulanz vorstellig.

Bei der Erstuntersuchung zeigt sich eine blasse, aber soweit beschwerdefreie Patientin mit einer unauffälligen Schwangerschaft. Bei genauer Nachfrage berichtet sie über einen beherdeten Zahn, der eventuell als Entzündungsquelle dienen könnte. Die Laboruntersuchung zeigt auch auffällige Befunde (s. Tab.).

Die Patientin wird daraufhin zur weiteren Abklärung stationär aufgenommen. Es erfolgen eine breite antibiotische Abschirmung, eine Fokussuche nach einer möglichen okkulten Infektion (Mund-Kiefer-Bereich etc.), die Abnahme von Harn-Blutkulturen sowie die Bestimmung eines großen virologischen Status und schlussendlich eine breite Anämieabklärung.

Die ersten Ergebnisse zeigen unauffällige Befunde und im Verlauf bleiben die Blutparameter unverändert, so dass am 5. stationären Tag eine nochmalige genaue Anamnese erhoben wird. Dabei berichtet die Patientin, nach gezielter Nachfrage, über Nachtschweiß und intermittierenden trockenen Reizhusten seit einigen Wochen. Aufgrund der Verdachtsdiagnose eines möglichen pulmonalen Geschehens wird noch am gleichen Tag ein Thoraxröntgen durchgeführt, welches letztlich die Weichen zur richtigen Diagnose stellt. Dabei zeigt sich das Mediastinum beidseitig deutlich verbreitet, mit Verdrängung der Trachea nach rechts.

Verdachtsdiagnose Lymphom

Sofort nach Einlangen des Thoraxbefunds erfolgen die Besprechung mit der Patientin, der Beginn mit der Lungenreifung (Betamethason 12 mg i. m. 2 x 1 in Abstand von 24 Stunden) sowie die Durchführung einer MRT-Untersuchung zur weiteren Abklärung. Diese bestätigt die mediastinale Raumforderung mit der Verdachtsdiagnose Lymphom. Daraufhin werden die Hämatologie und HNO zum weiteren Procedere hinzugezogen.

Aufgrund einerseits des massiven mediastinalen Befundes mit Symptomatik und damit der Notwendigkeit einer Chemotherapie und andererseits der fortgeschrittenen Schwangerschaftswoche erfolgt nach Abschluss der Lungenreifung eine Woche nach Aufnahme die elektive Sectio (SSW 32 + 6) mit gleichzeitiger Entnahme eines supraklavikulären auffälligen Lymphknotens zur Histologie und Diagnostik. Es kommt zur Entbindung eines gesunden Mädchens mit 2.206 g Gewicht.

Der Wochenbettverlauf gestaltet sich komplikationslos. Es erfolgen weitere Untersuchungen wie Staging-CT, Knochenmarksbiopsie etc., die auch zur endgültigen Diagnose führen: nodulär-sklerosierendes Hodgkin-Lymphom. Daraufhin wird eine rasche ambulante Chemotherapie durch die Hämatologie eingeleitet, die erfolgreich anspricht, so dass die Patientin derzeit beschwerdefrei ist und sich in kompletter Remission befindet.

Dieser Fall zeigt, dass die Abklärung schwieriger Fälle in der Schwangerschaft an einer Universitätsklinik bzw. einem tertiären Zentrum zu empfehlen ist, da nur dort eine Vielzahl diagnostischer Methoden unter fachkundiger Expertise, gepaart mit interdisziplinärer Zusammenarbeit, in kurzem Zeitraum erfolgen kann.

Korrespondenz: Dr. Ioana-Claudia Hamat ist auf der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität, Wien, Abteilung für Geburtshilfe und Feto-Maternale Medizin, tätig.

 

Quelle: Poster zur Jahrestagung 2010 der OEGGG

Auffälliger Laborbefund
ParameterErgebnisNormbereich
CRP 16,83 < 1 mg/dl
Hämoglobin 7,8 12–16 g/dl
Hämatokrit 27,2 35–47 %
Thrombozyten 631 150–350 G/l
Fibrinogen 1.238 180–390 mg/dl
ASAT 75 < 34 U/l
ALAT 68 < 31 U/l
gamma-GT 52 < 38 U/l
Tabelle

Von Dr. Ioana-Claudia Hamat, Dr. Cathrin Skrabs, Prof. Dr. Martin Langer, Ärzte Woche 34 /2010

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