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Infektiologie 7. Jänner 2010

AIDS-assoziiertes Kaposi-Sarkom

Obwohl die Inzidenz des Kaposi-Sarkoms als Folge der antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion mittlerweile deutlich zurückgegangen ist, stellt dieser Tumor nach wie vor das häufigste AIDS-assoziierte Malignom dar.

Das Kaposi-Sarkom ist ein mesenchymaler Tumor der Blut- und Lymphgefäße. Neben den Hautveränderungen, die für den betroffenen Patienten stark stigmatisierend sein können, hat die Organbeteiligung klinisch eine noch größere Bedeutung. Da so gut wie alle Organe wie Herz, Leber, Lunge, Niere, Milz sowie der gesamte Gastrointestinaltrakt und auch die Lymphknoten betroffen sein können, kann es schnell zu lebensbedrohlichen Situationen kommen.

 

Ein 42-jähriger Mann stellte sich mit einem massiv progressiven Husten und einer Dyspnoe (Ruhedyspnoe) vor. Im Rahmen der Inspektion zeig-te sich in der Mundhöhle am harten Gaumen eine große, schmerzlose, weiche Geschwulst.  Diese Geschwulst hatte sich innerhalb von sechs Monaten langsam entwickelt und war von der Gingiva ausgegangen.

Diagnostik und therapeutische Maßnahmen

Die Thoraxröntgenaufnahme zeigte eine bilaterale Verdichtung. Mit Hilfe der kontrastmittelverstärkten Computertomografie konnte dann auch ein solider Tumor mit Verdichtung der tiefer liegenden Luftwege bestätigt werden. Eine Bronchoskopie ergab diffuse erythematöse papuläre Läsionen. Bei der labordiagnostischen Blutuntersuchung betrug die CD4+-Lymphozyten-Zahl initial 38 μL und die Viruslast (HIV-RNA) 36.000 Kopien/ml.

Zur weiteren Diagnosesicherung wurden Biopsien sowohl aus dem oropharyngealen Tumor als auch aus dem Lungengewebe (durch CT-unterstützte Nadelbiopsie) entnommen. Die histologische Untersuchung der unterschiedlichen Gewebearten führte schließlich zur endgültigen Diagnose: infiltrative Spindelzellen, die auf ein Kaposi-Sarkom hinweisen.

Eine Kombinationstherapie basierend auf HAART (Highly Active Anti-Retroviral Therapy mit Stavudin, Lamivudin, Lopinavir) und einer Chemobehandlung mit liposomalem Doxorubicin wurde eingeleitet.

Innerhalb von fünf Wochen verbesserte sich der respiratorische Zustand des Patienten. Nach weiteren fünf Monaten betrug die CD4-Zellzahl 319/μL (nach CDC-Klassifikation – Centers for Disease Control and Prevention) und der enorale Tumor entwickelte sich auch stark zurück.

Antiretrovirale Behandlung: je früher, desto besser

Eine Manifestation des Kaposi-Sarkoms in der Mundhöhle ist typisch für Patienten mit HIV-Infektion. Aufgrund der Lokalisation der Läsionen wird dieses Krankheitsbild auch häufig als Erstes von Zahnärzten entdeckt.1

Bei diesem Patienten war die Erkrankung bereits klinisch sehr stark ausgeprägt. Hätte er schon früher eine medizinische Hilfe in Anspruch genommen, dann wäre auch seine HIV-Infektion früher diagnostiziert worden und ein frühzeitiger Beginn der antiretroviralen Therapie hätte vermutlich den fortgeschrittenen Verlauf dieser malignen Erkrankung verhindert.

Referenzpublikation:

1. Nokta M (2008) Oral manifestations associated with HIV infection. Curr HIV/AIDS Rep 5 (1): 5–12

 

Autoren:

Dr. Vincent M. Brandenburg ist als Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie in der Abteilung für Nephrologie und klinische Immunologie, Universitätsklinikum Aachen, Deutschland, tätig.

Prof. Dr. Andreas H. Mahnken ist als Oberarzt in der Klinik für Radiologische Diagnostik, Universitätsklinikum Aachen, Deutschland, tätig.

 

Der Originalartikel „AIDS-related Kaposi’s sarcoma“ kann in der Fachzeitschrift Wiener Klinische Wochenschrift (2009) 121:615, DOI 10.1007/s00508-009-1253-0, Springer-Verlag 2009, in englischer Sprache nachgelesen werden.

Von Dr. Vincent M. Brandenburg, Prof. Dr. Andreas H. Mahnken, Ärzte Woche 1 /2010

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