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Foto: Ärzte-Woche-Montage
Eine mit Silber überzogene Heizspirale im Wasserkocher war der Grund für eine Blaufärbung der Haut einer Patientin.
 
Fallbericht 24. November 2009

Verdacht auf Zyanose

Was hat die Blaufärbung der Haut mit einem Wasserkocher zu tun?

Eine erhöhte Einnahme von Silber (als metallisches Silber, Silberstaub, kolloidales Silber, silberhaltigen Medikamenten oder Silbersalze) führt zu einer irreversiblen, grau-bläulichen Verfärbung von Haut und Schleimhäuten. Diese Verfärbung ruft zwar keine gesundheitlichen Schäden hervor, stellt aber ein großes kosmetisches Problem für die Betroffenen dar.

 

Eine 62-jährige Frau mit multipler Sklerose wurde aufgrund einer Blaufärbung ihrer Haut beim Arzt vorstellig. Als Erstdiagnose wurde an einer Zyanose gedacht. Allerdings waren die Blutkonzentrationen von Kohlendioxid (CO2) und Methämoglobin normal und eine Einnahme von photosensibilisierten Medikamenten konnte auch ausgeschlossen werden.

Erst durch eine genauere Befragung der Frau konnte die Ursache dieses Krankheitsbildes eruiert werden. Die Frau litt in den vergangenen fünf Jahren an Ataxie und Schwäche. Als Mittel gegen ihre Symptome hatte sie sich angewöhnt, Wasser zu trinken, das sie in einem Wasserkocher heiß machte. Allerdings befand sich in diesem Wasserkocher eine Heizspirale, die mit Silber überzogen war.

Eine Untersuchung des Serums ergab, dass die Patientin eine außerordentlich stark erhöhte Silberkonzentration von 723,8 nmol/l (Normalwert < 2,8 nmol/l) aufwies, sodass die endgültige Diagnose, nämlich systemische Argyrose, gestellt werden konnte.

Silberablagerung – ein kosmetisches Problem

Silber wird in zahlreichen Geweben abgelagert, am ausgeprägtesten jedoch in den Schleimhäuten und der Retina. Die Ablagerung ist irreversibel und therapeutisch nicht beeinflussbar. Sie führt jedoch weder zu nachweisbaren spezifischen Organveränderungen noch zu Krankheitserscheinungen. Die Argyrose stellt vielmehr ein erhebliches und stigmatisierendes kosmetisches Problem ohne klinischen Krankheits-wert dar.

Da der Ehemann der Frau keine Blaufärbung aufwies, hatte er wahrscheinlich von diesem Wasser auch nicht getrunken.

 

Quellen:

Ali Ali, Keith Wiener, Venkat Sridharan, Royal Oldham Hospital, British Medical Journal (BMJ) 339 (2009) 7714, 246

 

MMW-Fortschr.Med. Nr. 44/2009 (151 Jg.) 30

www.mmw.de

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