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Leben 12. September 2016

"Goldene Gene"-Regisseur Clemens Stachel im Interview

3 Fragen, 3 Antworten

Ärzte Woche: Alte Sammlungen oder moderne Genbanken, wo haben Sie sich wohler gefühlt?

Stachel:In den alten Sammlungen. Ich bin sicher nicht fortschrittsfeindlich, aber wenn man einmal im alten Wawilow-Institut in St. Petersburg war, überkommt einen eine Sehnsucht nach einer verlorenen Langsamkeit und Behutsamkeit in der Forschung.

Ärzte Woche: Bill Clinton meinte anlässlich der vollständigen Sequenzierung des menschlichen Erbguts 2001, nun verstünden wir die Sprache Gottes. Aber der Barcode des Lebens, die DNA, ist für alle gleich. Wo stehen wir?

Stachel: Die religiöse Erzählung über Gott, der den Menschen erschaffen hat, fällt weg. Wir bauen derzeit an einer neuen Erzählung. Ob die besser oder schlechter ist, kann ich nicht bewerten, aber es passiert.

Ärzte Woche: Sind es nicht eigentlich zwei Erzählungen – eine, die uns mit der Natur versöhnt, und eine, in der wir nur noch Versuchskaninchen sind?

Stachel: Ja, die Sache ist ambivalent. Wir sind uns unsicher, wie wir uns in den kommenden 100 Jahren entwickeln werden. Die Molekularbiologie bringt den Menschen der Natur näher, die Genetik macht alle gleich, der Mensch wird vom Podest des Herrschers über die Natur gestoßen. Diese Entwicklung kann sich auch ins Negative kehren, wenn man sich eine Welt vorstellt, in der Menschen nicht mehr wert sind als Gelsen.

 

Regisseur Clemens Stachel im Gespräch mit Martin Krenek-Burger, Ärzte Woche 37/2016

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