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© Sebastian Arlamovsky
Maria Arlamovsky, Regisseurin von „Future Baby“. Der Film ist ab 15. April in den heimischen Kinos zu sehen.
 

„Diese Frauen rutschen in ein System hinein, das viel verspricht – und dann rollt der Ball sozusagen“ 2 Zeilen

3 Fragen, 3 Antworten

Regisseurin und Drehbuchautorin Arlamovsky hat Verständnis für die „Torschlusspanik“ bei den Männern und Frauen, die partout doch noch ein oder ihr erstes Kind bekommen möchten. Druck lastet auch auf den Millionen Kindern, die seit den 1970ern ohne Sex das Licht der Welt erblickt haben.

Was bewegt Menschen mit Mitte oder Ende 40 dazu, unbedingt noch Kinder zu wollen?

Arlamovsky:Ich glaube, es ist Torschlusspanik, die sich weiter hinausverschoben hat. Es wird vor allem Frauen viel Druck gemacht zu verhüten, was das Zeug hält, und bloß nicht zu früh Kinder zu kriegen. Aber dann auf einmal schnallt man, dass es biologisch nicht mehr geht. Einige Frauen bekommen Panik, die sie dafür unempflindlich werden lässt, was sich gut oder richtig anfühlt. Sie rutschen in ein System hinein, das viel verspricht – und dann rollt der Ball sozusagen. Je länger ich an dem Film gearbeitet habe, umso mehr war ich froh, mit 21, nicht gerade geplant, mein erstes Kind bekommen zu haben.

In Ihrem Film geht es um Ärzte, die sich zwei Hüte aufsetzen. Kann der selbe Mediziner, der mich auf mein vorgerücktes Alter hinweist, guten Gewissens mein Geld nehmen?

Arlamovsky:Das ist wie bei der Schönheitsmedizin. Die Reproduktionsmedizin verkauft etwas, das man sehr gerne hätte, aber nicht unbedingt braucht. Wenn man früher kein Kind bekommen konnte, dann war das halt so. Heute wird man schief angeschaut, wenn man noch nicht beim Arzt war wegen IVF, wenn man nicht mehrere Hormonbehandlungen auf sich genommen hat. Praxen und Spitäler verdienen bei jedem nicht funktionierenden Versuch. Und wenn eine 40-Jährige kommt, die es unbedingt mit den eigenen Eizellen probieren will, läuft das Geschäft, denn die Chancen sind sehr gering. Aber sie will das ja.

Hat sie kein Recht auf Glück?

Arlamovsky:Wessen Wünsche sollen erfüllt werden? Welche Wünsche sind legitim? Im Moment ist es so – wer zahlen kann, hat Glück. Die einzelnen Ärzte entscheiden aber, wen sie als Patientin annehmen und wen sie zurückweisen, wem sie Wünsche erfüllen und wem nicht. Umgekehrt gibt es keine Instanz, wie z. B. bei Adoptionen, die vor der Zeugung eines Kindes mit Hilfe Dritter – durch Eizellenspende, Samenspende, Leihmutterschaft – dazwischengeschaltet wird und die pro forma die Interessen des zukünftigen Kindes vertritt. Eine Art Ombudsstelle. Die Rechte der Kinder werden zu wenig berücksichtigt, z. B. das Recht über seine Herkunft und Entstehung aufgeklärt zu werden.

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