zur Navigation zum Inhalt
© Andy Pumpa
Dr. Piero Lercher, Sportmediziner aus Wien.
 
Sportmedizin 20. November 2015

„Nur ein positiver Dopingnachweis ist letztendlich ein konkreter Beweis“

3 Fragen, 3 Antworten

Viele Dopingmethoden sind gesundheitsgefährdend und Wirtschaftsbetrug obendrein. Das wird in Diskussionen oft vergessen. Es geht nicht primär um sportliche Leistungen, sondern um viel Geld.

Gibt es Doping, das früher noch nicht erlaubt war und heute schon – quasi salonfähig ist?

Lercher: Doping ist nie salonfähig, sondern eine Form von Betrug. Technisch ist die „Dopingmafia“ immer ein paar Schritte voraus, aber die Distanz verkürzt sich zunehmend. Vor über zehn Jahren hat man bereits über Gendoping gesprochen, insbesondere das Einschleusen von DNA- oder RNA-Molekülen in den Organismus. Explizit nachgewiesene Fälle gab es bis dato noch nicht, aber es häufen sich Verdachtsmomente. Ein Fall, der hier Aufmerksamkeit erregt hat, ist die Causa Thomas Springstein; auch waren in jüngster Vergangenheit chinesische Schwimmerinnen im Visier der Gen-Doping-Jäger.

Die WADA fordert den Ausschluss aller russischen Leistungssportler. Wie sehen Sie das; war das überfällig und müsste man auch andere Verbände sperren?

Lercher: Hier muss man fair sein, denn es gibt sicherlich auch russische Sportler, die nicht gedopt haben. Nur ein positiver Dopingnachweis ist letztendlich ein konkreter Beweis. Ähnlich wie bei allen „mafiösen Strukturen“ sind auch beim Doping höchste Kreise involviert – nicht nur in Russland. Dopinghinweise hat es auch in anderen Ländern gegeben, die Russen hat man erwischt. Die Betonung, dass es gerade die Russen sind, mag aktuell auch ein Politikum sein. Die Anti-Doping-Bewegung darf keinesfalls politisch instrumentalisiert werden, hier ist ein internationaler Schulterschluss von Experten gefragt.

Setzt der russische Verband das fort, was unter russischem Kommunismus begonnen wurde?

Lercher: Geschichtlich betrachtet garantierte in Zeiten des Kommunismus eine erfolgreiche Sportlerkarriere ein freies und unbeschwertes Leben. Viele Menschen hätten dafür alles getan. Zudem erleichtern totalitäre Strukturen eine systematische Auslese und Ausbildung – auch was Topsportler betrifft. Tatsache ist, dass auch in vielen nichtkommunistischen Ländern gedopt wurde und wird.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben