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Quelle: Privat
Dr. Hans Kurt Past-President der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie & Psychotherapie (SGPP)
 
Ethik 13. Juni 2012

Integrierte Behandlung

In der Schweiz erfolgt die Behandlung psychisch erkrankter Menschen vorwiegend durch die Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, deren Leistungen von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen werden. Dabei wird nicht zwischen Psychotherapie und psychiatrischer Behandlung unterschieden – auch nicht in der Tarifierung –, sondern es wird eine sogenannte integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung durchgeführt. Nichtärztliche Psychotherapeuten – vorwiegend Psychologen – können gegenüber der Krankenversicherung nicht selbstständig abrechnen, sondern nur dann, wenn sie bei einem Arzt angestellt sind, der ihnen die Psychotherapie „delegiert“. Angebote außerhalb der obligatorischen Krankenversicherung müssen über Privatversicherungen oder private Zahler übernommen werden.

Die Kosten der ambulanten Versorgung – psychiatrische Praxen und Spitalambulatorien – betrugen 2010 708 Millionen Euro, was 7,8 Prozent der gesamten ambulanten Versorgung aller Krankheiten in der Schweiz entspricht. Der Anteil der psychologischen Psychotherapie beträgt etwa 121 Millionen.

Wie überall in Europa nimmt die Nachfrage nach psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungen zu. Gleichzeitig wählen immer weniger junge Ärzte das Fach Psychiatrie, wobei berücksichtigt werden muss, dass das Medizinstudium mit einem Numerus clausus eingeschränkt wird. Dafür nehmen die Studenten im Fach Psychologie ungehemmt zu. Das dieses Jahr in Kraft getretene Psychologieberufegesetz verspricht immerhin eine einheitliche Ausbildung. Die Weiterbildung der Psychologen in Psychotherapie und schlussendlich auch die Zulassung zur Krankenpflegeversicherung sind umstritten. Insbesondere fordern die psychiatrischen Fachgesellschaften eine längere, das heißt mindestens zweijährige, postgraduale Weiterbildung in klinischen Institutionen. Psychotherapie soll ein Instrument in der Behandlung psychischer Erkrankungen sein, sie ersetzt eine gesamtheitliche medizinische Betrachtungsweise, wie sie in der Psychiatrie gepflegt wird, nicht.

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