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Allgemeinmedizin 12. März 2012

Die richtigen Worte finden

Die Bioethikkommission gibt Empfehlungen zur Terminologie medizinischer Entscheidungen am Lebensende.

Die Bioethikkommission im österreichischen Bundeskanzleramt hat nun die Onlineversion ihrer im Herbst publizierten Empfehlungen der Öffentlichkeit vorgestellt. In dem 30-seitigen, in deutscher und englischer Sprache erschienenem Papier wird die Verwendung einer neuen Terminologie für die traditionellen, aber veralteten Begriffe von aktiver und passiver, direkter und indirekter Sterbehilfe empfohlen.

„Die in der Judikatur gebräuchlichen genannten Terminologien sind nicht mehr zeitgemäß“, heißt es in der Präambel der Empfehlungen. Der Vorgang einer Therapiezieländerung mit einer Priorisierung palliativer Maßnahmen würde jedenfalls mit diesen juristischen Begriffen nur unzureichend abgebildet und ungerechtfertigt konnotiert.

In Anlehnung an die Stellungnahme des Deutschen Nationalen Ethikrates sollen nun die hergebrachten Begriffe aufgegeben und stattdessen folgende Begriffe eingeführt werden.

  • Sterbebegleitung: Gemeint sind alle Maßnahmen zur Pflege, Betreuung und Behandlung von Symptomen von Sterbenden. Der Patient muss seine Einwilligung dazu geben, dass seine Bedürfnisse wie Hunger- und Durstgefühle gestillt, Übelkeit, Angst und Atemnot gemindert werden oder ihm auch nur menschliche Zuwendung und Beistand entgegengebracht werden.
  • Therapie am Lebensende: Dieser Begriff wird im Papier so definiert: „Zu Therapien am Lebensende zählen alle medizinischen Maßnahmen, einschließlich palliativmedizinischer Maßnahmen, die in der letzten Phase des Lebens erfolgen mit dem Ziel, die Lebensqualität zu verbessern, das Leben zu verlängern oder Leiden zu mildern.“
  • Sterben zulassen: Wenn der Verlauf einer Krankheit eine weitere Behandlung nicht sinnvoll macht und/oder der Prozess des Sterbens dadurch verlängert wird, kann eine unter kurativer Therapiezielsetzung als lebensverlängernd bezeichnete medizinische Maßnahme unterlassen werden. Ebenso gilt dies, wenn der Patient einer solchen Therapie nicht zustimmt.

Zu unterscheiden von diesen Behandlungssituationen am Lebensende ist die Mitwirkung am Selbstmord sowie die Tötung auf Verlangen – beides nach österreichischem Recht strafbare Handlungen.

Warum die Wahl der richtigen Worte für medizinische Entscheidungen am Lebensende auch für die medizinische Praxis wichtig ist, führte Dr. Jürgen Wallner vom Institut für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien bereits 2008 in einem Artikel in der Wiener klinischen Wochenschrift aus: „Begriffsverwirrungen und Fehlinformationen zu ethischen oder rechtlichen Termini können zu problematischen Handlungen in der Versorgung und Betreuung schwer Kranker und Sterbender führen. Dabei hilft die altbekannte Terminologie nicht weiter, sie erschwert vielmehr personen- und situationsgerechte Lösungen.“

Die Bioethikkommission erläutert in der Präambel, dass mit den Vorschlägen zur Änderung der Terminologie Verunsicherung bei Arzt und Patient verhindert werden solle: „Im Sterbeprozess kollidieren oft ärztliche Moralvorstellungen, ökonomische Zwänge und Vorgaben sowie pharmakologische Verheißungen mit dem Wunsch des Sterbenden und seiner Angehörigen.“

„Empfehlungen zur Terminologie medizinischer Entscheidungen am Lebensende“ der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt Österreich. Wien 2011: http://www.bundeskanzleramt.at/DocView.axd?CobId=46713

Wallner, J: „Die richtigen Worte für medizinische Entscheidungen am Lebensende finden“ Wien Klin Wochenschr (2008) 120: 647–654 © Springer-Verlag 2008: www.springerlink.com/content/m172656115j68783/

 

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