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Wie aus Wonneproppen dicke Kinder werden

Zu üppige Babykost könnte Ursache für die steigende Häufigkeit des metabolischen Syndroms bei Kindern und Jugendlichen sein. Eine Münchner Untersuchung zeigt, dass proteinreiche Fläschchenkost die Gewichtszunahme fördert.

 Baby
Zusätzliche Aminosäuren in der Ersatznahrung könnten eine Ursache für zu rasche Gewichtszunahme sein.

Foto: Buenos Dias/photos.com

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind übergewichtig oder adipös. In Österreich sind 14 bis 20 Prozent der 10- bis 14-Jährigen übergewichtig, 7 bis 8 Prozent fettsüchtig, und eines von 200 Kindern ist bereits so dick, dass es umgehend behandelt werden müsste.
Prof. Dr. Bert Koletzko, Kinderspezialist an der Ludwigs-Maximilian-Universität in München, geht im Rahmen des „Early Nutrition Programming Projects“ (EARNEST) den möglichen Ursachen des Problems auf den Grund. 1.000 Kinder aus fünf Ländern werden dabei im Lauf der ersten beiden Lebensjahre beobachtet, Ernährungsweise und Gewichtszuwachs erhoben und ausgewertet.

Eiweißreiche Fläschchenkost

Noch unveröffentlichte Ergebnisse dieser Studie weisen nun auf einen Zusammenhang mit der Fläschchenkost hin: Kinder, die Ersatzmilch gefüttert bekamen, die besonders proteinreich ist, waren doppelt so oft überdurchschnittlich schwer wie Babys, die entweder gestillt wurden oder eine weniger proteinreiche Nahrung aus der Flasche nuckelten.

Fettspeicherung durch Insulin

Möglicherweise, mutmaßt Koletzko, sind die zusätzlichen Aminosäuren in der Ersatznahrung die Ursache der raschen Gewichtszunahme. Sie fördern die Produktion des Hormons Insulin und des Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktors 1 (IGF-1). Insulin wiederum beeinflusst die Fettspeicherung, IGF-1 kurbelt das Wachstum an.
Ernährungsspezialist Prof. Dr. Kurt Widhalm von der Universität Wien: „Die EARNEST-Befunde erhärten den Verdacht, dass frühzeitige Beikost die Wahrscheinlichkeit von Übergewicht erhöht.“ Besondere Vorsicht sei dann notwendig, wenn Babys in den ersten beiden Lebensjahren besonders rasch und gut gedeihen. Die Folgen zu rascher Gewichtszunahme für die Gesundheit der kleinen Wonneproppen sind bekannt. „Wir wissen aus Studien, dass Kinder mit zu raschem Wachstum in den ersten beiden Lebensjahren schon mit vier oder fünf Jahren eine beginnende Insulinresistenz zeigen“, erzählt Ernährungsfachmann Widhalm. „Das ist die Vorstufe für ein späteres Metabolisches Syndrom, die 20 bis 30 Prozent der übergewichtigen Kinder betrifft.“
Wie eine normale Gewichtszunahme bei Babys sein soll, wird heute nicht mehr in engen Grenzen definiert. Problematisch ist es jedoch, wenn Babys zu rasch zunehmen. „Wenn ein sechs Monate altes Baby bereits neun Kilo hat“, betont Widhalm, „muss man auf die Bremse steigen.“

Inge Smolek, Ärzte Woche 21/2007

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