zur Navigation zum Inhalt
 
Ernährung 19. Juli 2007

Arm und dick statt reich und schön

Der sozioökonomische Status spielt bei der Ernährung und für das Adipositas-Risiko eine bedeutende Rolle, zu diesem Ergebnis kommen zumindest namhafte Ernährungsexperten.

Eine positive Energiebilanz ist in der Ernährungswissenschaft durch­aus negativ. Zucker, vor allem in Form von Limonaden, Fett in fettreichen Fleisch- und Wurstsorten in Kombination mit zu wenig Bewegung sind die Hauptursachen für die steigende Adipositasrate bei Erwachsenen und Kindern.
„Energiereiche, aber nährstoffarme Lebensmittel sind nahezu unbegrenzt und sehr preisgünstig erhältlich“, bringt es Prof. Mag. Dr. Ibrahim Elmadfa, Vorstand des Instituts für Ernährungswissenschaft der Universität Wien, auf den Punkt. Nicht nur die Arbeitswelt ist weitgehend von körperlicher Betätigung befreit, we­sen­t­lich be­un­ruhig­en­der ist, dass auch Kinder ihre Freizeit zunehmend mit passiven Beschäftigungen verbringen.
Freilich spielen auch genetische Fakto­ren eine Rolle, doch diese waren kein Thema beim Symposium „Ernährungskompetenz durch Ernährungsbildung“ der Österreichi­sch­en Gesellschaft für Ernährung Ende Juni in Wien. Denn wesentlich leichter als die genetischen Faktoren ist das Ernährungsverhalten zu beeinflussen – zumindest theoretisch.

Niedrige Bildung erhöht das Gesundheitsrisiko

Die Praxis der Ernährungsberatung und ihre Wirkung hängt offensichtlich vom sozioökonomi­schen Status ab. Dass Menschen mit geringem Einkommen und schlechter Schulbildung erhöhten Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind, haben schon viele Untersuchungen nachgewiesen. Dr. Sonja Bauer vom Gesundheitsservice GIVE1 suchte jedoch nach den Ursachen. Bei finanziellen Problemen werden Abstriche bei Preis und Qualität der Nahrungsmittel gemacht. In der Praxis wird also das fette Bauchfleisch statt des Kaiserschnitzels gewählt. Gleichzeitig bewegen sich Kinder aus der sogenannten Unterschicht weniger als Gleichaltrige aus „besseren Häusern“. Zusätzlich ist auch der Zugang zu Gesundheitsangeboten schlechter. Misstrauen zu Behörden, Angst vor Stigmatisierung, Distanz und Unverständnis gegenüber Akademikern (und vice versa) sowie Verständigungsschwierigkeiten durch unterschied­liche Sprachen, speziell bei Zuwan­derern, sind hierfür die Hauptgründe.
Zudem wirkt gesunde Ernährung bekanntlich langfristig. Und hier eröffnet sich bereits das nächste Problem. Bauer: „Ar­beiterschich­ten denken kurzfristig.“ Sie leben nicht nur von der Hand in den Mund, sondern quasi von Tag zu Tag.

Nicht unbedingt teuer

Dabei, sagt Bau­er, muss gutes Essen nicht zwangsläufig teuer sein. Woran es mangelt, sind individuelle Kompeten­zen. Hier ist einerseits die Institution Schule gefordert, die Kindern das richtige Wissen vermitteln könnte, und andererseits eine gesundheitsfördernde Gesamtpolitik.
Zur Prävention von Übergewicht, so Ass. Prof. Dr. Petra Rust vom Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Wien, stehe kein Patentrezept zur Verfügung. Jedes Kind müsse entsprechend seines Alters und seiner Herkunft und der daraus resultierenden Gewohnheiten individuell erfasst und behandelt werden. Schulbuffets mit gesunder Verpflegung und die Möglichkeit zu sportlichen Betätigungen während des Unterrichts sind wichtige Elemente, ebenso zu unterstreichen ist auch die Einbeziehung der Eltern. Rust: „Im Idealfall ist die Schule ein Knotenpunkt zur Familie.“

1 GIVE: www.give.or.at

Weitere Informationen im Internet:
Gesellschaft für Ernährung:
www.oege.at

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 28/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben