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Ernährung 5. Juli 2007

Schmackhafte Prävention

Radikalenfänger gehören zu den bekanntesten Schutzfaktoren. Denn freien Radikalen wird eine besondere Bedeutung in der Krebsentstehung zugeschrieben, da sie die Erbsubstanz schädigen können. Aber auch Flavonoide, Phytooestrogene und die noch wenig bekannte Gallussäure können zur Krebsprävention beitragen.

Freie Radikale entstehen exogen z.B. durch Ernährungsfaktoren (Alkohol, Wurst, …), Rauchen oder Strahlung oder endogen im Rahmen von Zellatmung oder Immunabwehr. Dass Krebs im Alter stark zunimmt, lässt sich teilweise durch die Radikalen-Theorie erklären. Zahlreiche pflanzliche Substanzen (z.B. Chlorophyll, Grüntee-Extrakte) werden als Antioxydanzien verkauft, haben aber den Nachteil, dass sie im Dickdarm sehr schlecht absorbiert und überwiegend ungenützt ausgeschieden werden.
Zu den Substanzen, die vor Radikalen schützen, zählen vor allem die Vitamine A, C und E, Karotinoide und Phenole. Knasmüller selbst hat das Gewürz Sumach untersucht und dabei das Super-Antioxidant Gallussäure entdeckt, dessen Wirkung jene von Vitamin C um das 50-fache übersteigt. Sumach wird in Asien, Südafrika, im Himalayagebiet und in Mittelmeerländern als Gewürz verwendet und ist in Österreich z.B. in jener Gewürzmischung enthalten, die aufs Kebab gestreut wird. Die wirksame Substanz Gallussäure wird zu 98 Prozent im Darm resorbiert und gelangt somit in den Organismus. Die tägliche Zufuhr von 15 mg reduziert die Menge an oxydierten DNA-Strängen dramatisch.

Stabilisierende Faktoren

Dabei handelt es sich um Faktoren zur Aufrechterhaltung der Integrität der DNA und zahlreicher zellulärer Funktionen. Von den vielen stabilisierenden Faktoren hob Knasmüller drei hervor: Zink, Selen, Folsäure. Bei allen drei Stoffen besteht in Österreich ein massiver Mangel. Ein Mangel an Folsäure führt zu Mutationen, kann somit Krebs und andere Funktionsausfälle auslösen. Selen ist als Bestandteil der Glutathionperoxidase notwendig zum Schutz vor Radikalen. Zink ist Bestandteil eines DNA-Reparaturenzyms. Folsäure wird vor allem in Kohlgemüse, Tomaten, Sojabohnen und Weizenkeimen zugeführt, Selen vor allem in Getreide und Zink vor allem in Fleisch, Milch, Käse und Weizenvollkorn.
Zahlreiche Pflanzen enthalten Stoffe, die vor speziellen Kanzerogenen schützen. Dazu zählen einerseits Radikalfänger, wie z.B. die weit verbreiteten Phenole/Flavonoide (z.B. in Tees), aber auch Substanzen, die gezielt die Entgiftungsenzyme hoch regulieren. Knasmüller: „Die meisten Pflanzen, die schützende Substanzen enthalten, sind für uns Fremdstoffe. Wenn Sie Getreide, Kohl oder auch Milchsäurebakterien im Joghurt essen, wird die Entgiftungsmaschinerie hochgefahren. Werden dann Kanzerogene aufgenommen, so werden diese besonders effektiv entgiftet.“ Vor allem Kohl- und Lauchgemüse, aber auch Stoffe in Kaffee und Grüntee schützen durch Hochfahren dieser Phase-2-Entgiftungsenzyme. Andere Strategien wären etwa die Bindung von Giften im Darm, wodurch diese erst gar nicht in den Körper gelangen – etwa durch Ballaststoffe. Phytooestrogene haben eine eigene Wirkungsweise: Sie binden an Östrogenrezeptoren und vermindern damit die Wirkung der endogen gebildeten Östrogene. Dadurch ist ein gewisser Schutzeffekt gegen Brustkrebs zu erwarten. Besonders günstig sind diese Phytooestrogene enthalten in geschrotetem Leinsamen.

Dr. Klaus Huber, Ärzte Woche 27/2007

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