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Ernährung 4. April 2007

Essen gegen Wind und Wetter

Wetterfühligkeit, die Reaktion des Körpers auf Temperatur und Luftdruck, Ionisation und Feuchte, betrifft mindestens ein Drittel der Bevölkerung. Zwar haben die Beschwerden keinen Krankheitswert, trotzdem schränken sie die Betroffenen so ein, dass sie vorübergehend arbeitsunfähig werden können. Die richtige Ernährung kann die Symptome wie Migräne, Gelenkschmerzen oder Konzentrationsstörungen lindern. Dabei sind pflanzliche Lebensmittel wie Dinkel, Sprossen, Keimlinge und Leinsamen besonders sinnvoll.

 Gewitter im Kopf
Heranziehende Wolkenberge sind die Vorboten eines Gewitters im Kopf: Mit der richtigen Ernährung können die Betroffenen gegenlenken.

Foto: Buenos Dias/photos.com

In Europa leiden ca. 35 bis 40 Prozent der Bevölkerung unter umweltbedingten Einflüssen. Eine repräsentative Studie über die Prävalenz von Wetterfühligkeit in Deutschland zeigte, dass jedem Zweiten in irgendeiner Form die aktuellen Wetterreize zu schaffen machen, jeder Dritte bis Vierte negativ auf Umwelteinflüsse reagiert: 35,3 Prozent der Bevölkerung klagen über einen erheblichen Wettereinfluss auf die Gesundheit, 68 Prozent der Altersgruppe über 60 Jahre ist stark wetterfühlig, 32 Prozent der Wetterfühligen waren aus diesem Grund mindestens einmal im Krankenstand, 22 Prozent sogar mehrmals.
Die häufigsten Symptome sind: Kopfschmerz, Migräne (61 Prozent), Gelenkschmerzen (40 Prozent), Konzentrationsstörungen (26 Prozent).

Vielfältige Auswirkungen der Wetterfühligkeit

Verschiedene Außenreize, die unter dem Begriff „Wetter“ subsumiert werden, wirken auf unseren Organismus ein. Ein gesunder Körper reagiert darauf, ohne besondere Erscheinungen aufzuweisen, er reguliert – ein kranker oder krankheitsanfälliger Körper hingegen spricht in den meisten Fällen darauf an, ohne irgendeinen Ausgleich zu schaffen: Die Auswirkungen der Wetterfühligkeit sind bekanntlich außerordentlich vielseitig.
Die Reize des Wetters mit seinen verschiedenen Komponenten wie z.B. Temperatur, Feuchte, Wind, Ionisation, Luftdruckschwankungen erfordern vom menschlichen Organismus ein ständiges Reagieren. Reiz und eine genau abgestimmte Reizantwort bedingen die Erhaltung des Wohlbefindens. Im Zentrum dieses Regelprinzips steht das vegetative Nervensystem in enger Verbindung mit dem System der Drüsen mit innerer Sekretion.
Diese Regelzentrale steht ihrerseits unter dem Einfluss anderer Gehirnregionen – Psyche, Sinneseindrücke, Emotionen – und bestehender krankhafter Veränderungen im Körper. Vermag sie Außeneinflüsse nicht mehr adäquat auszugleichen, können unter bestimmten Bedingungen verschiedene vegetativ gesteuerte Fehlfunktionen auftreten, z.B. gefäßbedingter Kopfschmerz. Oder es können krankhafte Veränderungen zu verschiedenen Beschwerdebildern führen.
Dann werden schlummernde Gelenkbeschwerden aktiviert und bestehende Wirbelsäulenbeschwerden akut verschlechtert. Eine Fehlsteuerung der Durchblutung des Schädels führt zu Kopfschmerzen und Schwindel. Der Blutdruck kann nach oben oder unten entgleisen.

Wenn der Organismus nicht mehr ausgleichen kann

Der Einfluss von Risikofaktoren wie Nikotin, Alkohol, Übergewicht tut noch ein Übriges: Der Organismus ist nicht mehr in der Lage auszugleichen. Wetterfühligkeit ist keine Krankheit, sondern eine Reaktion des Körpers auf Umweltreize, die man mit ganzheitsmedizinischen Methoden in den Griff bekommen kann. Einen wesentlichen Anteil übernimmt dabei eine ausgewogene Ernährung, wobei pflanzliche Inhaltsstoffe von großer Bedeutung sind.
„Weather Food“ soll sich aus Bestandteilen zusammensetzen, deren Inhaltsstoffe Wetterfühligkeit und/oder Umweltreaktionen positiv beeinflussen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass hierdurch ernährungsphysiologische Reaktionen in unserem Körper ausgelöst oder verstärkt werden, die sich außerordentlich positiv auf die Anpassungsfähigkeit des Organismus auf Umweltreize auswirken.
Zur ausgewogenen Ernährung, die ja in zahlreicher Literatur definiert ist, sollte bei Wetterfühligkeit vermehrt auf folgende Produkte zur Ernährung zurückgegriffen werden:
• Dinkel und Vollkornstoffe (hoher Magnesiumanteil)
• gemahlene Sprossen und Keimlinge (Soja, Alfalfa)
• Leinsamen
Dinkel ist sehr ursprünglich, und bereits Hildegard von Bingen verwendete die Getreideart bei Wetterwechsel. Der darin enthaltene B-Vitamin-Komplex unterstützt die Konzentrationsfähigkeit, der Phosphoranteil dient den Körperzellen als zusätzliche Energiequelle und wirkt unterstützend beim Knochenaufbau.
Der hohe Vitamin C-Gehalt von Weizenkeimen ist wichtig für das Immunsystem.
Vor allem Leinsamen hat sich bei Wetterfühligkeitsbeschwerden durch seinen hohen Ballaststoffanteil und die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren sehr bewährt. Noch dazu wirkt Leinsamen entzündungshemmend und verbessert die Fließfähigkeit des Blutes.

 Essen nach Kalender

Vitamin C, E und Rotklee wirken unterstützend

Vor allem im Frühling ist der Hormonhaushalt in Umstellung begriffen. Und hier wirkt der Rotklee mit seinen enthaltenen Isoflavonen unterstützend. Gegen die bekannte Frühjahrsmüdigkeit helfen: Produkte mit hohem Vitamin-C-Anteil wie Paprikaschoten, Sauerkraut, Zitrusfrucht sowie Produkte mit hohem Vitamin-E-Anteil wie Weizenkeime, Sojaprodukte, Sonnenblumenkerne.
Aber auch Löwenzahn, Karotten, Erdbeeren und Kirschen sowie Fenchel sind wertvolle Bausteine einer gesunden Ernährung im Kampf gegen die Wetterfühligkeit und gegen belastende Umweltreize.
Jüngste Studien in Deutschland unterstrichen die Wirkung der ätherischen Öle der Melisse officinalis (Klostermelisse) auf das vegetative Nervensystem, wodurch es zu einer Reduktion vieler Wetterstress-Symptome kommt.

Dr. Alois Machalek
Wissenschaftlicher Leiter des Wetterfühligkeits-Therapiezentrums Badgastein

Literatur:
1 Lin,H.C. et al.: The effects of weather on the incidence of sudden sensorioneural hearing. Audiol. Neurootol. 11: 3, 165 (2006)
2 Schmidt M., Busch R.: Wetterstress – Anwendungsbeobachtungen an 105 Patienten. Praxis Magazin 23 (2006)
3 Bhattacharya J., et al.: Heat or Eat? Cold-weather shocks and nutrition in poor
American families. Americ.Journal of Public Health 93, 7 (2003)
4 Megan J. et al.: The effect of ambient temperature and barometric pressure on ambulatory blood pressure variability. Americ.Journal of Hyperten. 15 (2002)
5 Burke L.: Nutritional needs for exercise in the heat. Comp. Biochemistry and Physiol.Part A 128 (2001)
6 Wei-Hsun Chao, Askew E. et al.: Human Nutrition and Metabolism. Americ. Journal Nutrition Supp. (1999)

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