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Allgemeinmedizin 18. Oktober 2006

Arzt plus Diätologin schaffen mehr (Folge 3)

Über 100 Hausärzte sind an „myLine“ beteiligt. Gemeinsam mit Diätologinnen wird nachhaltige Lebensstiländerung unterstützt.

Vor vier Jahren entwickelten Diätologinnen in Kooperation mit Ärzten und Ernährungsambulanzen das Programm „myLine“, das Ärzte für Allgemeinmedizin in der Ordination anbieten können. „Wenn ich jemandem erklären möchte, warum es wichtig ist, auf das Körpergewicht zu achten, kann das sehr lange dauern. Viele sind von der Fülle der Informationen in kurzer Zeit überfordert“, berichtet Dr. Klaus Nöbauer, Allgemeinmediziner in St. Martin im Mühlkreis.

Äußerst variabler Zeitfaktor

Die Beratung und medizinische Betreuung von Menschen mit starkem Übergewicht oder Adipositas bedeutet in der Ordination einen großen Zeitaufwand. Wesentliche Vorteile von myLine sieht Nöbauer darin, dass Patienten in enger Kooperation mit Diätologinnen in einem maßgeschneiderten Programm betreut werden, das zeitlich unlimitiert ist. Der Arzt kann sich dabei je nach seinen zeitlichen Möglichkeiten einbringen, das System ist auf jede Ordinationsgröße adaptierbar. MyLine startet mit einem ersten Treffen für Patienten, die der Arzt anspricht. In der ersten Phase geht es um Gewichtsreduktion, die auch mithilfe speziell entwickelter diätetischer Lebensmittel erreicht wird. „Von Anfang an erfolgt eine schrittweise Umstellung des Lebensstils, sowohl in Auswahl und Zubereitung der Mahlzeiten als auch im Hinblick auf Bewegung“, ergänzt die Diätologin Karin Fischer, die mit Nöbauer zusammenarbeitet. Dieser Prozess wird durch regelmäßige Treffen in einer Gruppe unterstützt, bei der Diätologin und Arzt Anregungen liefern. Zum Programm gehören auch Messungen der Körperzusammensetzung (Wasser-, Muskel- und Fettanteil) sowie medizinische Kontrollen bzw. regelmäßige Bewegung, etwa Nordic Walking. Laufende Schulung begleitet die Phase der Gewichtsstabilisierung. Die Intensität wird von Diätologin oder Arzt mit den Patienten abgestimmt. „MyLine bietet auf Wunsch lebenslange Begleitung. Patienten können immer wieder zu Kontrollterminen kommen, bei denen die laufende Optimierung des Speiseplans sowie die Motivation zur Bewegung im Mittelpunkt stehen“, so Fischer.

Wissenschaftliche Evaluation

Wissenschaftlich wird myLine vom Institut für Pathophysiologie der Medizinischen Universität Graz begleitet. Erste Analysen bescheinigen dem Programm gute Erfolge mit nachhaltiger Wirkung. „Bei den meisten Patienten erzielen wir eine langfristige Verbesserung und Stabilisierung des Körpergewichts sowie eine Veränderung des Lebensstils“, fasst Nöbauer die Erfahrungen zusammen. Die monatlichen Teilnahmekosten von 25 Euro sind offenbar kein Problem. „Die Patienten sagen uns selbst ganz deutlich: Was nichts kostet, ist nichts wert“, bestätigt Fischer. „Der Kostenbeitrag ist ein Erfolgsfaktor.“ „Gesundheitspolitisch sollte die Teilnahme an Programmen wie myLine was wert sein“, meint Nöbauer. So könnte das Erreichen bestimmter Körperfett- und Blutdruckwerte beispielsweise mit Gutscheinen für Wellnessangebote oder aber auch mit einer Reduk-tion des Beitrages zur Sozialver-sicherung belohnt werden. „Denn“, betont Nöbauer, „Menschen mit starkem Übergewicht oder Adipositas verursachen hohe Kosten im Gesundheitswesen. Es reicht sicher nicht, nur die chirurgische Behandlung von Fettleibigen zu finanzieren.“ Ulrike Thaler, 2. Vorsitzende des Verbandes der Diätologen Österreichs, meint, das Programme wie myLine auch im Umfeld von Kur- bzw. Spitalsaufenthalten oder in der Rehabilitation sinnvoll eingesetzt wären: „Patienten sind danach wieder auf sich gestellt. Kurzfristige Erfolge gehen rasch wieder verloren, weil es ohne weiterführende Begleitung nur wenige schaffen, das Gelernte langfristig in den Alltag zu in-tegrieren.“

Informationen und wissenschaftliche Daten zu „myLine“ auf www.myline.at

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 42/2006

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