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Smartphone und Tablet sind bereits für viele Grundschüler so wichtig, dass sie nicht mehr davon lassen wollen.
 
Diabetologie 7. Oktober 2016

Smart macht süchtig – und das immer früher

Sucht. Die gute Nachricht vorweg: Immer weniger österreichische Jugendliche konsumieren intravenös injizierte Opiate. Allerdings wächst die Zahl jener Kinder und Jugendlichen, die von Smartphone oder Internet abhängig sind.

Während die Prävalenz der „nicht stoffgebundenen Süchte“ (Handy-, Internet-, Spiel- und Kaufsucht) weltweit zunimmt, ändert sich bei den „stoffgebundenen Süchten“ (Drogen) vor allem die Art der konsumierten Substanzen. Geht man nach den statistischen Zahlen, dann sind von Internet- oder Smartphone-Abhängigkeit bereits viele Kinder betroffen. Auch bei den klassischen Drogen (Cannabis, Amphetamine, Opiate, Halluzigene) können Jugendliche schon früh in eine Abhängigkeit rutschen. Mit 22 Drogentoten pro 1 Million Einwohnern liegt Österreich derzeit im europäischen Durchschnitt.

Mehr synthetische Drogen

Bei den stoffgebundenen Süchten geht die Entwicklung weg von klassischen Substanzen wie Haschisch, Kokain und Heroin (der Konsum der intravenös verabreichten Drogen sinkt sogar) hin zu synthetischen, psychoaktiven Substanzen aus dem Labor (Crystal Meth, Ecstasy). Einzig die Drogen Alkohol und Tabak bleiben weiterhin als unveränderte Konstante in der Statistik.

Substanzkonsum verursacht Entwicklungsstörungen, intrapsychische und interpersonelle Konflikte sowie soziale Probleme. „In den letzten Jahren hat die Forschung außerdem gezeigt, dass Cannabis doch nicht so harmlos ist, wie es teilweise kommuniziert wurde“, erklärt die Direktorin der Innsbrucker Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Prof. Dr. Kathrin Sevecke. „Unterschätzt wurde die Wirkung auf die Hirnreifung bei Jugendlichen sowie als Einstiegsdroge. Wobei wir hier nicht nur den Einstieg in die Drogensucht meinen, sondern auch den Einstieg in ernst zu nehmende psychische Erkrankungen.“

Die gute Nachricht ist, dass im Bereich der stoffgebundenen Süchte bei Jugendlichen inzwischen auch die Wissenschaft einen großen Schritt weiter ist. Als Folge der intensiven Forschung gibt es mittlerweile eigene, auf Jugendliche zugeschnittene Entzugsprogramme. In der neueingerichteten Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall soll es die einzige auf diese Altersgruppe zugeschnittene Suchtstation Österreichs geben.

Gewalt nach Smartphone-Entzug

Das Phänomen der nicht stoffgebundenen Süchte bei Jugendlichen wurde in den vergangenen Jahren intensiv erforscht, berichtet der stellvertretende Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. Martin Fuchs. „Beeindruckend ist, dass Jugendliche beim Entzug vom Smartphone ähnliche bis gleiche Entzugssymptome zeigen wie beim Entzug von klassischen Drogen. Das kann bis zur körperlichen Gewalttätigkeit gehen.“

Aktuellen Zahlen zufolge nutzen derzeit quasi alle österreichischen Jugendlichen das Internet, 80 Prozent von ihnen auf einem mobilen Gerät. Die weitaus meisten (9 von 10 Jugendlichen) zeigen ein normales Nutzungsverhalten. Ein kleiner, aber wachsender Teil entwickelt schädliche Verhaltensmuster.

Eine Umfrage unter 400 Innsbrucker Schülern bestätigt den Trend: Knapp acht Prozent der Jugendlichen zeigten einen problematischen Internet-Gebrauch, bei über drei Prozent sprechen die Mediziner von Internet-Sucht. Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen.

Untersucht wird derzeit auch der Zusammenhang mit anderen psychiatrischen Grunderkrankungen, da bei den stationären Patienten der Innsbrucker Kinder- und Jugendpsychiatrie ein 5-fach erhöhtes Risiko für suchtartigen Internetgebrauch ermittelt werden konnte. Wie die stoffgebundenen können auch die nicht stoffgebundenen Süchte Auslöser für andere Erkrankungen und Entwicklungsstörungen (Adipositas, soziale Phobien, Schlafstörungen, Tag-Nacht-Umkehr) sein.

Den Eltern raten die Innsbrucker Experten vor allem dazu, Kinder und Jugendliche zu verantwortungsvollen Menschen zu erziehen.

„Natürlich klingt das einfacher, als es ist“, sagt Sevecke, „aber vor allem bei den neuen Medien ist es wichtig, die Psyche des Kindes für einen verantwortungsvollen Medienkonsum zu schulen. Strafen oder Verbote helfen hier wenig. Meist haben sie sogar die gegenteilige Wirkung“. Wenn Eltern glauben, dass ihr Kind in eine Abhängigkeit rutschen könnte, sollten sie umgehend eine Beratungsstelle aufsuchen.

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