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© Luiz Carlos /fotolia.com
Essen spielt in Italien eine wichtige Rolle – so sehr, dass sogar das italienische Recht Gefängnisstrafen für Veganer fordert.
 
Leben 12. September 2016

In Italien droht Veganern der Knast

Komplett fleischlos leben ist für manche ein Reizthema. Ein italienisches Gericht zwingt eine Mutter dazu, Fleisch für ihr Kind zu kochen – Italiens Rechte will generell Eltern hinter Gitter bringen, die ihren Nachwuchs zu veganem Essen zwingen.

Kein Fleisch, kein Fisch, keine Schokolade, kein Tiramisu oder Eis aus Milch: Vegane Ernährung kann hart sein für Kinder. Dabei leben sie nicht zwangsläufig gesund, sondern riskieren nach Medizinermeinung teils sogar bleibende Schäden. In Italien wird ein drakonischer Gesetzesvorschlag diskutiert. Die Abgeordnete der rechtspopulistischen Forza Italia, Elvira Savino, will Eltern sogar ins Gefängnis schicken: bis zu ein Jahr, wenn sie unter 16-Jährige zu veganer Diät zwingen, bis zwei Jahre, wenn die Kinder unter drei sind.

Es sieht ein wenig nach Sommertheater aus, zumal die Forza Italia allein keine Mehrheit hat. Der Vorschlag, der ein bestehendes Gesetz erweitern soll, dürfte also keine allzu große Chance haben. Doch er fand Resonanz weit über Italiens Grenzen hinaus. Obwohl es nur ein Vorschlag sei, mache er die Runde in der Welt, wunderte sich auch die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

Vegane Gerichte auf Speisekarten

In Italien soll es 600.000 Veganer geben. Tendenz steigend. In Restaurants stehen immer öfter auch vegane Gerichte auf der Speisekarte, in Bars gibt es veganen Cappuccino mit Milchersatz. Auch bei Schulkost wird heftig über ein veganes Angebot debattiert. Das Gesundheitsministerium sicherte nach einem Streit um den Ausschluss eines vegan ernährten Kindes vom Kindergarten zu, dass eine andere Ernährung aus ethisch-religiösen oder kulturellen Gründen möglich sei. Ministerin Beatrice Lorenzin ergänzte aber, Kinder bräuchten eine ausgewogene Ernährung. Dazu gehöre auch tierisches Eiweiß. „Man muss hier der wissenschaftlichen Erkenntnis folgen und nichts anderem, weil falsch ernährte Kinder Entwicklungsprobleme haben wie etwa Rachitis und andere Mangelerscheinungen. Und leider gibt es da viele Fälle.“

Berthold Koletzko vom Haunerschen Kinderspital der Universität München und seine Kollegen müssen auch in Deutschland immer öfter vegan ernährte Kinder mit Mangelerscheinungen behandeln, wie der Mediziner berichtet. Meist seien Eltern dann aber bereit, den Speiseplan umzustellen oder ergänzend Tabletten zu geben. „Es sind nur ganz wenige Familien, die sich nicht überzeugen lassen. Wenn wir dann zu der Überzeugung kommen, dass das Kind geschädigt wird, rufen wir die Gerichte an.“

Schnitzel fürs Kind – ja oder nein: Medienberichten zufolge haben sich Gerichte in Italien auch mit diesem Thema auseinandersetzen müssen. Im Juli erlaubte ein Gericht in Monza veganes Essen für ein achtjähriges Kind. Die Mutter müsse aber für regelmäßige ärztliche Untersuchungen und notwendige Ergänzung sorgen, verlangten die Richter.

Gericht entscheidet übers Essen

In Bergamo verdonnerte ein Gericht eine Mutter dazu, dem Sohn ein Mal in der Woche Fleisch zu kochen. Der Junge musste bei der Mutter vegan essen, beim getrennt lebenden Vater bekam er Fleisch, Polenta mit Würstchen und Gorgonzola. Der Junge bekam Bauchweh. Nun muss auch der Vater Maß halten. Laut Richterspruch darf er dem Sohn nur zwei Mal pro Wochenende Fleisch vorsetzen, berichteten Medien.

Freilich garantiert auch die gewöhnliche Ernährung in Italien Kindern nicht immer Gesundheit. Sie gehören Studien zufolge zu den dicksten in ganz Europa.

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