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Diabetologie 10. Februar 2016

Zugang zur modernen Diabetestherapie wird erleichtert

Die Ergebnisse der EMPA-REG OUTCOME®-Studie haben nicht nur den kardiovaskulären Benefit von Empagliflozin bestätigt, sondern auch die Kombinationsmöglichkeiten der oralen Antidiabetika erweitert.

Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und Boehringer Ingelheim haben sich auf eine Änderung des Erstattungsstatus von Empagliflozin (Jardiance®) in die hellgelbe Box geeinigt. Daraus ergibt sich auch die Möglichkeit neuer Kombinationstherapien von Empagliflozin mit Gliptinen – eine Neuerung, von der sowohl Patienten als auch Ärzte profitieren können.

Die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten des Typ-2-Diabetes sind in Österreich mannigfaltig. Ärzte können unter vielen Antidiabetika wählen, um allen Betroffenen eine adäquate Therapie angedeihen zu lassen. Erhebliches Manko dabei ist, dass nicht wenige Präparate einer Chefarztgenehmigung unterliegen und bestimmte Kombinationstherapien von der Erstattung ausgenommen sind.

Mit 1. Februar 2016 wurde der Zugang zur modernen Diabetestherapie in Österreich erleichtert. Denn das gesamte Diabetes-Produktportfolio von Boehringer Ingelheim wechselte in die hellgelbe Box (RE2) und ist nun von der chefärztlichen Genehmigungspflicht ausgenommen. Dazu zählen die Produktfamilien des DPP4-Hemmers Linagliptin (Trajenta® und Jentadueto®) und jene des SGLT2-Hemmers Empagliflozin (Jardiance® und Synjardy®). Empagliflozin spielte in der EMPA-REG OUTCOME®-Studie eine entscheidende Rolle, wie Boehringer bei einem Pressegespräch betonte und meint weiter, dass die positiven Resultate dieser Meilensteinstudie den Anstoß gaben, den Zugang zu modernen oralen Antidiabetika in Österreich zu erleichtern. Das bedeutet, dass die Präparate keinerlei Einschränkungen in der Kombinatorik unterliegen und pro Verschreibung zwei Packungen abgegeben werden können.

Neue ÖDG-Leitlinien in Arbeit

Prof. Dr. Peter Fasching, Vorstand der 5. Medizinischen Abteilung mit Endokrinologie, Rheumatologie und Akutgeriatrie des Wiener Wilhelminenspitals, wies darauf hin, dass in Österreich alle innovativen Medikamente zur Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 zur Verfügung stehen, die Verschreibung aufgrund der Auswahl allerdings nicht immer ganz einfach sei. „Wir arbeiten derzeit an neuen ÖDG-Leitlinien (Österreichische Diabetes Gesellschaft). Die Bewertung einzelner Substanzen oder Präparate wird sich voraussichtlich aufgrund der OutcomeStudien-Resultate ändern.“ In den USA müsse jedes neue Diabetesmedikament Sicherheitsdaten über kardiovaskuläre Ereignisse vorweisen können. Das sei von der Food and Drug Administration (FDA) so geregelt, sagte der Experte.

Die EMPA-REG OUTCOME®-Studie hat ergeben, dass der selektive SGLT2-Hemmer Empagliflozin nicht nur Blutzucker und Gewicht zu senken vermag, sondern auch das kardiovaskuläre Risiko verringern kann. „Von den Studienzentren, die teilgenommen haben, waren zehn in Österreich. Fünf davon sind in Wiener Krankenanstalten zu finden. Insgesamt haben 146 Patienten teilgenommen, davon waren 70 Prozent Männer. Fast 99 Prozent hatten eine kardiovaskuläre Vorerkrankung“, so Fasching. Bereits nach wenigen Wochen sei auch in Bezug auf die Mortalität ein positiver Effekt aufgrund der Therapie erkennbar gewesen. „Auch die Herzinsuffizienz ist bei Diabetikern ein bekanntes Problem. Im Verlauf der Studie zeigte sich eine Reduktion der Hospitalisierung aufgrund dessen von minus 35 Prozent.“ Die kardiovaskuläre Mortalität verringerte sich um 38 Prozent.

Klare Vorteile für das Herz

Der Vorstand der Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie am Landeskrankenhaus Feldkirch, Prof. Dr. Heinz Drexel, ging auf klinische Implikationen der EMPA-REG OUTCOME®-Studie ein. „Der wirkliche ‚Hit‘ dieser Studie war, dass weniger Menschen an Herzkrankheiten verstorben sind. Man darf nicht vergessen, der Einschluss in diese Studie setzte Herz- und Gefäßkrankheiten voraus.“ Der Mediziner sprach von einer „lebensrettenden Therapie“. „Wir können das Leben von herzkranken Diabetikern um mehr als ein Drittel verbessern. Das ist die ganz klare klinische Schlussfolgerung daraus“, so Drexel.

Weiters erläuterte er die Funktionen von SGLT1 und SGLT2 (Natrium/Glucose-Cotransporter) als Transporter von Glucose. Während SGLT1 im Intestinaltrakt vorkommt und nur zu einem geringen Anteil an der Rückresorption von Glucose beteiligt ist, ist SGLT2 in den proximalen Abschnitten der Niere zu finden und zum Großteil für die renaleGlucose-Reabsorption verantwortlich. Demzufolge könne SGLT2 als Schlüsselmolekül und selektiver Angriffsort bezeichnet werden, erklärte Drexel. „Der Patient mit Typ-2-Diabetes scheidet Glucose aus, wobei der selektive Transportmechanismus stark ansteigt. In diesen Fällen kommen entsprechende Hemmer wie Jardiance® zum Einsatz.“ Dadurch werden eine erhöhte Ausscheidung über den Harn erreicht und der Glucose-Spiegel im Blut gesenkt.

Neben den nachweislichen Vorteilen des Wirkstoffs Empagliflozin wurde auf die leichte Erhöhung von Genitalinfekten während der Therapie hingewiesen. Diese sind laut Experten nicht zuletzt auch hygienischen Umständen geschuldet. Man verwies diesbezüglich auf die Tatsache, dass in Japan diese Problematik aufgrund entsprechender Intimreinigung nicht gegeben ist.

In Bezug auf die Verschreibung der in der hellgelben Box befindlichen Medikamente waren sich beide Mediziner einig, dass diese auch für drei Monate erfolgen könnte.

Quelle: Pressegespräch „Jardiance®“ am 27. Jänner 2016 in Wien

Sonja Streit, Ärzte Woche 6/2016

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