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Allgemeinmedizin 13. Jänner 2016

Ein dünnes Versprechen

Crash-Diäten sollen besser sein als ihr Ruf. Und der Jo-Jo-Effekt ist ein grundsätzliches Problem.

Mit radikalen Diäten seine Fettpolster loszuwerden, hat einen schalen Beigeschmack. Der Jo-Jo-Effekt stelle sich umgehend ein, heißt es. Ernährungsmedizinische Erkenntnisse deuten allerdings auch in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt Hinweise dafür, dass durch Crash-Diäten sogar bessere Langzeitergebnisse erzielt werden als bei einer allmählichen Gewichtsabnahme.

„Wenn ihr fastet“, sprach Jesus laut Matthäus, Kapitel 6, Vers 16, „sollt ihr nicht sauer dreinsehen.“ Gut gesagt, doch Mitte Jänner hat sich bereits die Spreu vom Weizen getrennt und vielen, die Ballast abwerfen wollten, ist das Lachen vergangen. Für die aber, die durchhalten, lebt der Traum von der kleineren Körbchengröße weiter.

Die Gewichtsabnahme ist die wichtigste Präventionsmaßnahme, um adipositasbedingte Folgeerkrankungen, insbesondere das metabolische Syndrom, zu verhindern. Nur: wie? Allmählich oder mit der Brechstange? Ein Bericht im Fachjournal MMW rettet die Ehre der schlecht beleumdeten Crash-Diäten.

Unter Crash-Diäten versteht man Kostformen mit sehr niedriger Energiezufuhr, um einen raschen Gewichtsverlust zu erreichen. Beliebte Crash-Diäten weisen häufig eine sehr einseitige Makronährstoffzusammensetzung auf wie z. B. die Ananas-Diät. „Für solche Diäten fehlen jedoch systematische Untersuchungen beispielsweise zu den Auswirkungen auf den Energiestoffwechsel“, wird Prof. Dr. Hans Hauner vom Institut für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München zitiert. Doch führt, wie allgemein angenommen, eine schnellere Gewichtsabnahme mit einer solchen Crash-Diät auch zu einem stärkeren Jo-Jo-Effekt nach Beendigung? Dieser Frage wurde in einer Studie mit 204 Personen nachgegangen, die innerhalb von 12 oder 36 Wochen eine Gewichtsabnahme von 15 Prozent erreichen sollten, schreibt Dr. Peter Stiefelhagen in dem Fachblatt. Anschließend erhielten alle dieselbe Gewichtserhaltungskost über 144 Wochen. „Am Ende fand sich keinerlei Unterschied zwischen beiden Gruppen“, so Hauner weiter. Es gebe sogar Hinweise dafür, dass durch Crash-Diäten sogar bessere Langzeitergebnisse erzielt werden können als durch eine moderate Begrenzung der Energiezufuhr mit einem langsamen Gewichtsverlust (http://bit.ly/1wa7gK7 ).

Die wahre Herausforderung

Wer es schafft, abzunehmen, sieht sich dem größeren Problem gegenüber, dieses Gewicht auch zu halten. „Das Körpergewicht ist extrem gut reguliert“, wird Prof. Dr. Matthias Blüher von der deutschen Wochenzeitung Zeit zitiert. Der Endokrinologe leitet die Adipositas-Ambulanz in Leipzig. Während der Körper viele Mechanismen kennt, an Gewicht zuzulegen, versage er dabei, das Gewicht langfristig wieder loszuwerden. Und so tendiere der Körper immer zurück zu dem höchsten Gewicht, das er jemals hatte. Diese Angewohnheit war einst nützlich. Unseren Vorfahren half sie, in einer Welt zu überleben, in der es wenig zu essen gab. Heute wird daraus eine Einbahnstraße: Zunehmen ja, langfristiges Abnehmen kaum.

Der Jo-Jo-Effekt sei ein grundsätzliches Problem bei jeder Form von Gewichtsreduktion“, sagt Hauner. Er sei eine sinnvolle physiologische Anpassung bei einer Einschränkung der Energiezufuhr und dem damit einhergehenden Verlust von Körpermasse. Der Körper sei bestrebt, sein Gewicht zu „verteidigen“, und dies führe zu einer Veränderung des Ruheenergieverbrauchs, was nach Beendigung des Fastens das Gewicht wieder ansteigen lasse, bis sich ein Gleichgewicht zwischen Energiezufuhr und -verbrauch eingestellt habe.

Eine hypokalorische Kost führt somit zu einer Reihe von physiologischen Veränderungen:

• Verbesserung der Insulinwirkung,

• gesteigerte Expression der Lipoproteinlipase,

• verminderte Leptinproduktion,

• verminderte Synthese von T 3 (Liothyronin),

• Abnahme Sympathikusaktivität.

Doch was soll man tun, um das Gewicht zu stabilisieren und einem Rückfall vorzubeugen? Wichtig seien neben einer kalorienreduzierten fettarmen Ernährung und körperlicher Aktivität ein Selbstmonitoring des Gewichts und die Fähigkeit zum Selbstmanagement, sagt Hauner. „Wichtig ist auch die soziale Unterstützung, z. B. durch die Familie und die Einbindung in eine Selbsthilfegruppe.“

Martin Burger, Ärzte Woche 1/2/2016

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