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Prof. Dr. Thomas C. Wascher Diabetes-Gesellschaft
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Josef BroukalÄWO 47 /2015 Publikationsname / Publikationsnummer / E-Tag TT.MM.JJJJ (optional)

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Josef Broukalwird deutlich: „Diabetes ist ein Killer, vermutlich verantwortlich für 10.000 Tote in Österreich pro Jahr.“

 
Diabetologie 20. November 2015

Total verzuckert

Experten rechnen in naher Zukunft mit einer Million Diabetes-Patienten.

Zum Welt-Diabetes-Tag bringt der Hauptverband ein neues Handbuch über die Volkskrankheit heraus. Es richtet sich an die breite Öffentlichkeit und macht Mut. Lebensstiländerung bringt tatsächlich was.

Da steht er also. Der ehemalige Anchorman der Nation, der frühere Nachrichtensprecher ohne Unterleib, der gewesene SPÖ-Querein-steiger, der Star der Show: Josef Broukal. Routiniertes Lächeln, etwas grauer als früher, man hat ihn vermisst. Gleich die Einmoderation zeigt, Broukal hat nichts verlernt. „Diabetes ist ein Killer, vermutlich verantwortlich für 10.000 Tote in Österreich im Jahr.“ Man weiß es, doch unweigerlich schluckt man. Gleich darauf lässt Broukal aber einen Hoffnungsschimmer aufblitzen: „Aber wie viele chronische Krankheiten ist sie beherrschbar, wenn man erstens weiß, dass man sie hat, zweitens sich in Behandlung begibt und drittens, das war für mich die beste Nachricht, ganz leichte Formen kann man sogar in der Selbsttherapie einfach durch gesünderes Leben und mehr Bewegung im Griff behalten.“

Und flutsch. Schon ist man drin in einer Buchpräsentation, dessen Thema nicht schwerer sein könnte. Der Präsident der Diabetes-Gesellschaft Prof. Dr. Thomas Wascher und der Leitende Arzt der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, Dr. Reinhold Pongratz, haben ein leicht verständliches Handbuch über die Volkskrankheit Typ-2-Diabetes herausgegeben. „Leicht lesbar, medizinisch unangreifbar“, nennt es Mag. Alexander Hagenauer, Generaldirektor-Stellvertreter des Hauptverbandes.

Moderator Josef Broukal fällt der reißerische Titel des Buchs auf, „Zeitbombe Zuckerkrankheit“. Thomas Waschers Begründung: „Weil wir glauben, dass das ein zutreffender Titel ist, wenn man über das Thema Diabetes mellitus nachdenkt. Wir gehen davon aus, dass 600.000 Menschen an Diabetes leiden, dass ein Gutteil nichts davon weiß, über 30 Prozent, das ist natürlich nur eine Schätzung, die ist sehr optimistisch. Im Vergleich zu den wenigen Studiendaten, die wir dazu aus Deutschland haben, ist die Zahl der nicht-erkrankten Patienten von 50 Prozent vor 10 Jahren auf jetzt eben 30 Prozent gesunken. Das ist aber noch nicht alles. Die Entwicklung der Zahl der Erkrankten legt nahe, dass wir in 15 Jahren nicht mehr mit 600.000 Patienten konfrontiert sein werden, sondern mit einer Million Betroffener, was in einem Land mit acht Millionen Einwohnern schon eine ganz erkleckliche Zahl ist.“

Beim Typ-2-Diabetes beeinflusst der Lebensstil zu 60 Prozent die Stoffwechsellage, 40 Prozent sind vererbt, sagt Pongratz: „Das Problem ist, dass wir in der Vorsorgemedizin viel zu wenige Leute erreichen.“ Wascher wird deutlich: „Die Österreicher sind im Durchschnitt Eigenverantwortungsignoranten. Sie sind offensichtlich der Meinung, dass andere Verantwortung übernehmen sollen, wenn ein Problem da ist, aber nicht willens vorzubeugen, denn anders ist es nicht erklärbar, dass die Blutzuckermessung in der Vorsorgeuntersuchung nur in so geringem Ausmaß wahrgenommen wird.“ Das hätte ein TV-Mann auch nicht besser bringen können.

Thomas C. Wascher und Reinhold Pongratz, Zeitbombe Zuckerkrankheit, So entschärfen Sie die Gefahr Diabetes, Band 6 der Reihe des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger „Gesund werden. Gesund bleiben“, 256 S., Preis: 24,90 Euro

Martin Burger, Ärzte Woche 47/2015

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