zur Navigation zum Inhalt
© Mediteraneo / fotolia.com
Entzündungsparameter bestimmen, sind ein wichtiger Teil der modernen Labormedizin.
 
Infektiologie 18. August 2015

Mangelerscheinung erkennen – Infektionsparameter testen

Expertenbericht: Bei der Diagnostik von Infektionen oder Mangelerscheinungen unterstützen den Arzt verschiedene Testsysteme. Erregerspezifische Schnelltests für den klinischen Einsatz nehmen zu.

Mangelerscheinungen lassen sich meist gut diagnostizieren. Zu den häufigsten gehört der Mangel an Eisen, Folsäure und Vitamin D – hier sind vor allem Kinder und alte Menschen betroffen. Bei der Diagnostik von Infektionen hilft die moderne Labormedizin. Die wichtigsten Parameter werden hier vorgestellt.

Der menschliche Organismus benötigt, um seine Körperfunktionen optimal zu erfüllen, neben organischen Substanzen auch Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Mittlerweile wird eine große Anzahl an „Nahrungsergänzungsmitteln“ im Handel angeboten, zusätzlich wird ein Bedarf durch Medienberichte geweckt. Zum Teil berechtigt, da aufgrund geänderten Lebens- und Ernährungsgewohnheiten Mangelsituationen entstehen können.

Eisenmangel tritt häufig auf

Eine besondere Rolle unter den Spurenelementen nimmt das Eisen ein. Seine wesentlichste Aufgabe ist der Sauerstofftransport im Blut bzw. auch im Muskel durch Hämoglobin bzw. Myoglobin.

Ein Eisenmangel entsteht dann, wenn Eisenaufnahme und Eisenverlust nicht im Gleichgewicht sind, bzw. im Fall eines erhöhten Bedarfs, häufig im Zug von Blutverlusten (z. B. bei jungen Frauen mit starken Menstruationsblutungen). Eine verminderte Aufnahme kann z. B. durch Diäten, Mangelernährung oder in Folge von Magen/Darmerkrankungen bedingt sein.

Nicht zu unterschätzende Ursache ist auch eine Hypo- bzw. eine Anazidität des Magens, z. B. infolge des „Magenschutzes“ (PPI-Protonenpumpen bzw. H2-Blocker), ein zu hoher pH-Wert im Magen verhindert die Eisenresorption.

Ein Eisenmangel ist weltweit sehr häufig, man geht davon aus, dass auch in Österreich in den Risikogruppen (Frauen im gebärfähigem Alter, Schwangere, Kinder und alte Menschen) in bis zu 30 Prozent ein latenter bzw. manifester Eisenmangel besteht.

Wichtigster Parameter im Rahmen der Diagnostik des Eisenmangels ist die Bestimmung des Ferritins (Speichereisen) gefolgt von Transferrin (Transporteisen), Serum-Eisen sowie der Transferrinsättigung. Der Eisenspiegel alleine erlaubt keinerlei Rückschlüsse auf die Eisenreserven des Körpers. Mithilfe dieser vier Parameter lässt sich der Eisenmangel in drei Stadien einteilen, den prälatenten, latenten und manifesten Eisenmangel.

Grundsätzlich sollte bei einem leichten Eisenmangel primär eine Ernährungsumstellung oder eine orale Eisensubstitution erfolgen. Im Falle eines schweren Eisenmangels oder der Wirkungslosigkeit einer oralen Substitution kann durch die relativ neu am Markt verfügbaren iv Therapeutika effizient behandelt werden. Mittlerweile ist auch die Rolle einer Eisensubstitution im Zuge des patientinnenorientierten Blutmanagement z. B. vor Operationen akzeptiert.

Folsäurebedarf decken

Folsäuremangel ist derzeit der häufigste Vitaminmangel in Europa, da es aufgrund der längeren Lagerungszeiten von Gemüse bzw. bei der Verarbeitung zu großen Verlusten kommt. Daher ist es sehr schwierig den täglichen Bedarf von ca. 400 µg Folsäureaquivalenten über die Nahrung zu decken. Derzeit findet sich in erster Linie ein latenter bzw. prälatenter Folsäuremangel. Folgen können Anämien oder Hyperhomocysteinämien sein, die einen unabhängigen Risikofaktor für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und Thrombose darstellen.

Ein Zusammenhang besteht zwischen Folsäuremangel und neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenzsyndromen oder organisch depressiven Erkrankungen, Myelopathien oder Polyneuropathien.

Vitamin D: Neue Grenzwerte

Die beiden wichtigsten D-Vitamine sind VIT D3 (Cholecalciferol) und VIT D2 (Ergocalciferol). Die derzeit am Markt verfügbaren diagnostischen Testsysteme erfassen beide, der erfasste Wert spiegelt die Zufuhr von VIT D aus der Nahrung bzw. seine Bildung infolge Sonnenbestrahlung wieder. Bei Werten < 5 µg/l liegt ein schwerer, bei < 20 µg/l ein mittlerer bis leichter VIT D-Mangel vor. Allerdings hat sich der Grenzwert innerhalb der vergangenen Jahre deutlich nach oben verschoben und es wird der Wert < 40 µg/l bereits teilweise als Grenzwert für einen VIT D-Mangel gesehen.

Wie auch bei den anderen Spurenelementen sind besonders Kinder und alte Menschen von einem VIT D Mangel betroffen. Es führen aber auch geänderte Lebensverhältnisse der Normalbevölkerung, besonders in den Wintermonaten, zu niedrigen VIT D Spiegeln. Da es wichtig für die Zelldifferenzierung ist, werden niedrige VIT D Spiegel in Studien unter anderem mit einem erhöhten Tumorrisiko assoziiert, es gibt aber auch Einflüsse auf die Immunsituation.

Infektionen und Entzündungen

Entzündungs-/Infektionsparameter sind ein wichtiger Teil der modernen Labormedizin und unterstützen den behandelnden Arzt in der Diagnostik, Therapieentscheidung und auch dem Therapiemonitoring von Infektionen bzw. auch in der Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern. Zusätzlich nimmt das Spektrum an erregerspezifischen Schnelltests für den klinischen Einsatz laufend zu. Das Angebot reicht vom Nachweis spezifischer Antikörpern bis zu erregerspezifischen Proteinen bzw. auch molekularen Technologien wie PCR. Hier ist es wichtig abschätzen zu können, welches Verfahren für welche Indikation sinnvoll ist, da die Informationen der Diagnostika-Hersteller in diesem Zusammenhang naturgemäß subjektiv sind und teilweise zu viel versprechen.

Es werden mittlerweile eine Reihe Labortests angeboten, die die Kriterien eines guten Entzündungs-/Infektionsparameters erfüllen, diese sind:

• Korrelation mit der Schwere der Erkrankung

• Relativ kurze Halbwertszeiten (z. B. CRP 24-48 h, IL 6, IL 8 – wenige Minuten)

• wenn möglich Unterscheidung bakteriell – viral

Auswahl der Parameter

C-reaktives Protein (CRP): Derzeit sicher der gängigste und am breitesten eingesetzte Entzündungs-/Infektionsparameter. Die Indikation reicht von Einsatz als prädiktiver Risikofaktor im Rahmen der KHK bis zur Diagnostik/Verlaufsbeobachtung der Sepsis. Das CRP ist ein gut standardisierter Parameter, der in praktisch jedem Krankenhauslabor verfügbar ist – schnell, billig mit kurzen Halbwertszeiten.

CRP wird in der Leber besonders im Zuge von bakteriellen Infektionen gebildet, bindet an die Oberfläche von Bakterien bzw. Zellen, aktiviert das Komplementsystem und unterstützt damit die Opsonierung.

PCT (Procalcitonin ): Prohormon von Calcitonin, seine Synthese wird durch bakterielle Toxine stimuliert. Es reagiert besonders bei schweren Formen der Sepsis und systemischen Entzündungsreaktionen. Die Plasmakonzentration spiegelt den Schweregrad einer Infektion wider – kein Abfall ist in zahlreichen Publikationen mit einer schlechten Prognose verbunden, es gibt allerdings auch eine entzündungsunabhängige PCT-Induktion im Rahmen von Polytraumen, Verbrennungen, Operationen und prolongiertem Kreislaufschock.

Zum PCT gibt es zahlreiche Studien mit teilweise sehr widersprüchlichen Ergebnissen. Während ein Teil darin den ultimativen Sepsisparameter sieht, kommen etliche Meta-Analysen zu dem Schluss, dass der Benefit eher gering bis nicht vorhanden ist. PCT ist als gut standardisierter, quantitativer Parameter auf einigen Analysensystemen verfügbar, kostet aber mehr als das CRP.

LBP (Lipopolysaccharid-Binding-Protein): Wird wie alle Akute Phase Protein in der Leber gebildet. Es ist erst seit wenigen Jahren diagnostisch verfügbar und wird zur Unterscheidung SIRS/Sepsis eingesetzt. LPB ist spezifisch für bakterielle Infektionen und bei viralen Infektionen nicht nachweisbar. Es zeigt schwere Lokalinfektionen noch bevor diese systemisch werden an, und wird wie auch CRP und PCT zum Therapiemonitoring eingesetzt.

IL-6 (Interleukin 6): Wird von Monozyten/Makrophagen bzw. Endothel und Epithel in der Anfangsphase von Infektionen produziert, Hauptinduktor der „Akuten Phase Reaktion“.

IL-6 hat eine extrem kurze Halbwertszeit (1 Stunde) und ist damit der früheste Indikator einer systemischen Entzündung. Wichtiger Parameter in der Sepsisdiagnostik, besonders in der Kinderheilkunde/Neonatologie eingesetzt.

BSG (Blutsenkung): Wird im klinischen Bereich immer noch gerne als Entzündungs- bzw. Infektionsparameter eingesetzt, da sie einfach und ohne großen technischen Aufwand umsetzbar ist. Leider ist sie unspezifisch, reagiert langsam und ist durch einen hohen Personalaufwand und das dafür notwendige eigene Abnahmesystem teuer.

Die Senkung beruht auf einer Ladungsveränderung auf der Erythrozytenoberfläche bedingt durch quantitative und qualitative Veränderungen der Proteinmuster im Rahmen von Entzündungen. Ist bei Entzündungen aller Art, aber auch anderen Erkrankungen wie z. B. Tumoren erhöht. Sie steigt langsam an und sinkt auch wieder langsam. Leider zieht eine erhöhte Blutsenkung in vielen Fällen eine Reihe weitaus aufwändiger Untersuchungen nach sich, oft ohne Ergebnis.

Prof. Dr. Ursula Köller, MPh ist als Leiterin des Instituts für Labormedizin mit Serologie und Infektionsdiagnostik, Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel tätig.

Ursula Köller, Ärzte Woche 29/34/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben