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© empics / picture alliance
Dieses Paar in London genießt seinen Lunch. Eheleute beschäftigen sich intensiver damit, was sie in welcher Qualität essen.
 
Leben 18. August 2015

Zusammen zunehmen

Ehepaare essen bewusster als Lebenspartner – und sie treiben ihren Body Mass Index in die Höhe.

Obwohl Verheiratete mehr darauf achten, was sie essen, steigt ihr Body Mass Index im Lauf der Ehe stärker an als bei unverheirateten Geschlechtsgenossen, besonders deutlich zeigt sich das bei Männern.

An einer Befragung für eine europaweite Studie beteiligten sich 4.555 Männer und Frauen aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Spanien, Großbritannien, Polen und Russland. Im Durchschnitt ergab sich für Verheiratete ein höherer Body-Mass-Index (BMI) als für bislang Nichtverheiratete (Männer 26,32 vs. 25,68 kg/m²; Frauen: 25,57 vs. 25,13 kg/m²).

Und dies, obwohl sich Eheleute intensiver damit beschäftigten, was sie in welcher Qualität auf den Teller bekamen. So achteten sie stärker auf regionale Ware, bevorzugten Bioprodukte sowie Lebensmittel, die unter das Label „fairer Handel“ fielen, und griffen seltener zu Fertiggerichten als Singles.

Andererseits zeigte sich in der Studie aber auch, dass sich insbesondere verheiratete Männer signifikant weniger sportlich betätigen als männliche Singles. Zusammen mit dem höheren Body-Mass-Index erwachsen Ehemännern damit gleich zwei Risikofaktoren für mögliche Wohlstandserkrankungen. Verheiratete Frauen dagegen bewegten sich kaum weniger als Unverheiratete.

Ein klares Jein

Die Frage, ob Verheiratete gesünder sind als Singles, könne man nach dieser Studie nicht mit einem simplen „Ja“ beantworten, meinen die Autoren. Ganz besonders bei den Männern stellen sich im Verlauf eines Ehelebens jedenfalls gehäuft zwei wesentliche Risikofaktoren ein: Die Bewegung kommt zu kurz und der Bauch wächst. Dieses Phänomen scheint sich, wie die Studie zeigt, quer durch Europa zu erstrecken.

Logisch: Auch gesundes Essen macht dick, wenn der Bewegungs-Ausgleich fehlt.

Jutta Mata vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und Kollegen von der Universität Basel und der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg fanden hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen BMI und Familienstand kaum Unterschiede zwischen den europäischen Ländern. In allen neun Ländern hatten verheiratete Männer unter Berücksichtigung von Alter und sozioökonomischem Status einen höheren Durchschnitts-BMI als männliche Singles. Signifikanz erreichte dieser Zusammenhang allerdings nur bei den italienischen Männern. Für verheiratete Frauen errechneten die Autoren in sechs Ländern einen höheren BMI als für unverheiratete, signifikant war der Unterschied wiederum nur zwischen den russischen Frauen mit und ohne Ehemann.

Für den Erfolg von Konzepten zur Prävention der Adipositas wäre es sinnvoll, die spezifischen gewichtsbezogenen Verhaltensweisen von Verheirateten und Nichtverheirateten zu beachten, sagt Mata.

Was noch? Der Body-Mass-Index (BMI) ist einer der am häufigsten verwendeten Indizes in der Medizin. Erste Bestrebungen zur Bewertung von Gesundheitsrisiken anhand des Körpergewichts gab es bereits Anfang des 19. Jahrhunderts. Im Lauf der Zeit etablierte sich die 1835 von A. Quételet erstmals beschriebene Formel „Größe durch Gewicht im Quadrat“ zur Beurteilung des Ernährungszustands und zur Einschätzung individueller Krankheitsrisiken. Anfang der 1970er Jahre entstand der Begriff Body-Mass-Index. Aus dem BMI lässt sich zum einen die individuelle Ernährungslage des Einzelnen zur Beurteilung der entsprechenden Risikofaktoren bestimmen. Zum anderen kann auch der Ernährungsstatus in größeren Gruppen, Ländern und Kontinenten festgestellt und über die Zeit beobachtet werden.

springermedizin.de, Ärzte Woche 29/34/2015

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