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Allgemeinmedizin 3. Juni 2014

Tönchen, in kleinen Portiönchen

Von Flatulenz Geplagte produzieren nicht mehr Gas als andere, die Frequenz ist allerdings deutlich erhöht.

Bei Reizdarm-Patienten geht häufige Flatulenz mit anderen abdominellen Beschwerden einher, insbesondere bei einer ballaststoffreichen Diät. Möglicherweise spielt die veränderte Darmflora hierbei eine Rolle.

Die exzessive Freisetzung von Gas per anal beeinträchtigt (nachvollziehbar) das soziale Leben der Betroffenen. Das Gas entsteht überwiegend durch die Fermentierung von nicht-resorbierbaren Nahrungsbestandteilen im Kolon, wobei erhebliche interindividuelle Unterschiede bestehen. Eine Studiengruppe unter katalanischer Führung ging der Hypothese nach, dass Patienten mit Flatulenz eine voluminösere Gasproduktion als Normalpersonen haben. Die Autoren verglichen die Effekte einer Standardkost mit denen einer ballaststoffreichen Kost. Sie setzten die Ergebnisse in Beziehung zur mikrobiellen Besiedlung des Kolons.

Patienten und Methoden

An der Studie aus der Universitätsklinik Barcelona nahmen 30 Patienten mit Flatulenz und 20 gesunde Personen ohne gastrointestinale Symptome teil. Die Symptome der Patienten mit Flatulenz entsprachen den ROM-III-Kriterien eines Reizdarmsyndroms.

Nach einer dreitägigen basalen Phase mit normaler Kost nahmen die Patienten und Probanden eine ballaststoffreiche Kost zu sich, die aus Vollkornprodukten, Vegetabilien und Obst bestand. Mithilfe eines Event-Rekorders zeichneten Patienten und Probanden anale Gasfreisetzungen auf. Das Stuhlverhalten wurde protokolliert, ebenso wie gasinduzierte Symptome wie Bauchschmerzen und Völlegefühl. Darüber hinaus wurde auch die Veränderung des Bauchumfangs dokumentiert.

Am vierten Tag jeder Studienphase, der Phase mit der Standardkost und der Phase mit der ballaststoffreichen Kost, wurde die Gasfreisetzung sechs Stunden lang mit einem rektalen Ballonkatheter gemessen. Die ballaststoffarme Standardmahlzeit vor der Gassammlung hatte 1,2 g Ballaststoffe, die Provokationsmahlzeit 26,5 g Ballaststoffe.

Bei jedem Patienten oder Probanden wurden zwei Stuhlproben bakteriologisch untersucht, vor der Studie und nach der Provokation mit der ballaststoffreichen Kost.

Studienergebnisse

Die Normalkost der Patienten mit Flatulenz enthielt bei gleicher Kalorienzahl 13,3 g Ballaststoffe pro Tag im Vergleich zu 18 g bei den gesunden Probanden. Diese setzten durchschnittlich sieben Portionen Gas tagsüber per anal ab. Die Patienten mit Flatulenz hatten 22 Evakuationen täglich.

Die gesunden Probanden fühlten sich wohl und waren in toto beschwerdefrei. Dem gegenüber hatten die Patienten mit Flatulenz abdominelle Missempfindungen. Sie empfanden die Flatulenz deutlich unangenehmer als die gesunden Probanden. Die Stuhlbeschaffenheit war in beiden Gruppen gleich.

Die gemessene Gasfreisetzung nach einem Standardfrühstück betrug bei Normalpersonen 270 ml, bei den Flatulenzpatienten 260 ml; sie war also trotz einer höheren Zahl von Freisetzungen im Volumen gleich. Die ballaststoffreiche Kost erhöhte die Zahl der Episoden von Gasfreisetzungen bei den Flatulenzpatienten im Vergleich zu den Normalpersonen auf das Doppelte. In beiden Gruppen nahmen Körpergewicht und Bauchumfang gleichermaßen zu. Einige der gesunden Probanden entwickelten im Rahmen der flatulogenen Kost abdominale Symptome im Ausmaß der Patienten unter einer Standarddiät. Bei den Flatulenzpatienten traten derart ausgeprägte abdominale Symptome in Erscheinung, dass der Lebensqualitätsindex merkbar sank.

Die Messungen ergaben eine Freisetzung von 660 bzw. 670 ml Gas in sechs Stunden bei den Normalpersonen und in der Patientengruppe. Eine computertomografische Analyse der Gasverteilung zeigte die größte Gasansammlung im Magen sowie eine gleichmäßige Verteilung der Gasansammlung in allen Kolonabschnitten, gleich bei Patienten oder Probanden.

Die mikrobiologische Analyse ergab nach der Provokation mit Ballaststoffen eine Verringerung der mikrobiellen Diversität bei den Patienten im Vergleich.. Bei den Flatulenzpatienten gab es mehr Bacteroides und Firmikuten. Bei den symptomatischen Personen wurde vermehrt Bacillusuniformis, Bacteroides ovatus und Parabacteroides distasonis festgestellt. Billofila wadsworthia korrelierte am stärksten mit der Zahl von Gasevakuationen.

Flatulenz kommt nicht allein

Die Studie belegte, dass Flatulenz mit anderen Bauchsymptomen vergesellschaftet ist. Sie zeigte ferner, dass sich die Netto-Gasproduktion der Patienten mit Flatulenz bei einer Standardkost im Normalmaß bewegt. Die ballaststoffreiche Diät beeinflusst Flatulenz und abdominale Symptome bei den Patienten stärker als bei den Probanden, obwohl die Netto-Gasproduktion in beiden Gruppen gleich blieb. Offensichtlich ist die rektale Sensitivität der Flatulenz-Patienten erhöht.

Die geänderte bakterielle Zusammensetzung bei den Flatulenz-Patienten lässt erwarten, dass bakterielle Produkte die Hypersensitivität für abdominales Gas beeinflussen. Saccharolyse, Nitritbildung, Endotoxinbildung oder die Produktion schwefelhaltiger Aminosäuren könnten die bakteriell produzierten Auslöser der rektalen Hypersensitivität sein.

Originalpublikation: Manichanh, C, Eck, A, Varela, E et al.: Anal gas evacuation and colonic microbiota in patients with flatulence: effect of diet. Gut 2014; 63: 401-408

RM/springermedizin.de, Ärzte Woche 23/2014

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