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© Anja Roesnick/Fotolia.com
Die Statine werden\\\'s schon richten: Hyperlipidämie-Patienten achten zu wenig auf ihre Ernährung.
 
Innere Medizin 16. Mai 2014

Wozu Diät, wenn es Medikamente gibt?

Lipidsenker werden gern mit fettem Essen eingenommen.

Eine lipidsenkende Pharmakotherapie scheint manchen Patienten als Freibrief für üppiges Essen zu gelten. Bei Statinanwendern in den USA hat der Fett- und Kalorienverbrauch in den letzten Jahren überdurchschnittlich zugenommen.

Die Umstellung der Ernährung steht bei der Behandlung von Hyperlipidämien an erster Stelle – zumindest wenn es nach den einschlägigen Leitlinien geht. Die Realität sieht anscheinend anders aus. Immer mehr Patienten erhalten Statine und immer weniger Patienten befolgen Ernährungsempfehlungen. So lassen sich zumindest aktuelle Ergebnisse der NHANES-Studie zusammenfassen.

In der für die US-amerikanische Bevölkerung repräsentativen Studie wurden 27.886 Erwachsene von 1999 bis 2010 regelmäßig zu ihrem Lebensstil und ihrem Gesundheitszustand befragt. In dieser Zeitspanne hat sich der Anteil der Studienteilnehmer unter einer Statintherapie mehr als verdoppelt, von anfangs 7,5 auf 16,5 Prozent. Parallel dazu ist der Fett- und Kalorienkonsum deutlich angestiegen – allerdings nur bei den Statinanwendern, und zwar um 9,6 und 14,4 Prozent.

Statinanwender werden immer dicker

In den Jahren 1999/2000 hatten die Statinpatienten von beidem (Fett und Kalorien) noch signifikant weniger zu sich genommen als Nicht-Statin-Anwender (2000 vs. 2179 kcal/d; 71,7 vs. 81,2 g Fett/d).

Dieser Unterschied wurde mit den Jahren immer kleiner. 2003/2004 hatte sich die Fett- und 2005/2006 auch die Kalorienaufnahme angeglichen. 2009/2010 war die Ernährung von Statinpatienten zumindest numerisch sogar fett- und kalorienhaltiger als die von Personen ohne Lipidsenker (2192 vs. 2138 kcal/d; 82,0 vs. 79,3 g Fett/d). Eine vergleichbare Entwicklung war bei der Aufnahme von gesättigten Fetten und Cholesterin zu beobachten. Erwartungsgemäß schlug sich das im BMI der Studienteilnehmer nieder: In der untersuchten Dekade hatte er bei den Statinnutzern um 1,3, bei den anderen Teilnehmern nur um 0,4 kg/m2 zugenommen.

„Warum Magerkost, wenn esMedikamente gibt?“

Über die Ursachen der beobachteten Entwicklung können die Studienautoren um Takehiro Sugiyama von der Universität Tokio nur spekulieren. Ihre Vermutung: Patienten, deren Cholesterinspiegel durch ein Statin gesenkt wird, sehen keine Notwendigkeit mehr für diätetische Maßnahmen – und werden durch ihre Ärzte möglicherweise auch nicht genug darauf hingewiesen. Allerdings lassen die Daten auch die Interpretation zu, dass eine Ausweitung der Statintherapie vor allem bei dicken Patienten stattgefunden hat.

In jedem Fall müsse man sich die Frage stellen, so Sugiyama und Kollegen, ob es eine akzeptable Strategie sei, die Anwendung von Statinen zu fördern, wenn Maßnahmen unterbleiben, die verhindern, dass unter der Therapie vermehrt Kalorien und Fett aufgenommen werden. „Wir müssen die Bedeutung von Ernährungsmodifikationen für Statinanwender wieder mehr betonen“, fordern die japanischen Ärzte. Schließlich solle eine Statintherapie den „Patienten ermöglichen, Risiken zu reduzieren, die ohne Medikamente nicht reduziert werden können – aber nicht, Butter auf ihr Steak zu geben“.

Originalpublikation: Sugiyama T et al.: Different Time Trends of Caloric and Fat Intake Between Statin Users and Nonusers Among US Adults; JAMA Intern Med 2014; online 24. April

springermedizin.de, Ärzte Woche 20/2014

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