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Innere Medizin 24. Februar 2014

Nicht-medikamentöse Optionen bei Bluthochdruck

Bewegung, Ernährung und Gewichtskontrolle in der Prävention und Therapie der Hypertonie

Regelmäßige körperliche/sportliche Aktivität, langfristige Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion, die vor allem die Reduktion abdomineller Fettpolster zum Ziel hat: Diese Maßnahmen werden bei Hypertonie sowie präventiv bei Prähypertonus dringend empfohlen. Am besten wirken sie kombiniert, unter ärztlicher Steuerung und in Zusammenarbeit mit Bewegungs- und Verhaltenstherapeuten.

Die arterielle Hypertonie ist die chronische Erkrankung mit der höchsten Prävalenz und Inzidenz weltweit und damit zu einem globalen Gesundheitsproblem avanciert. Die Prognosen sind trotz verbesserter Diagnostik und Therapie weiter steigend. Der Grund sind genetische und demographische Einflüsse, sowie in erster Linie Lebensstilfaktoren, zu denen Bewegungsmangel, Fehlernährung und psychosoziale Stressoren zählen.

Moderne leitlinienorientierte therapeutische Strategien zielen daher darauf ab, diese ungünstigen Lebensstilfaktoren zu modifizieren und durch wirksame Allgemeinmaßnahmen zu ersetzen. Falls therapeutisch erforderlich, wird die Therapie durch antihypertensive Pharmaka erweitert, die mit den nicht-medikamentösen Maßnahmen kompatibel sein sollten.

Von hoher Bedeutung ist eine nachhaltige therapeutische Lebensstiländerung bei Menschen mit „Prähypertonie“ bzw. unkomplizierter leichtgradiger arterieller Hypertonie, da hier die nicht-medikamentösen Maßnahmen allein häufig eine Blutdrucknormalisierung bewirken bzw. das Fortschreiten der Erkrankung verzögern können, und zudem das Risiko-Nutzen-Verhältnis im Vergleich zu einer medikamentösen Hochdrucktherapie besonders günstig ist.

Besonders gilt dies auch in der Prävention der arteriellen Hypertonie. Die Prinzipien einer therapeutischen Lebensstiländerung stehen hier klar im Vordergrund und bergen ein enormes gesundheitsökonomisches Potenzial.

Gewichtsreduktion

Bei Übergewicht ist die Reduktion des Körpergewichts eine effektive Allgemeinmaßnahme zur Blutdrucksenkung und zur Prävention der arteriellen Hypertonie. Die präventive Wirkung hinsichtlich der Manifestation einer arteriellen Hypertonie wurde im Rahmen des Studienprogramms der Hypertension Prevention Collaborative Research Group eindrucksvoll belegt.

Ob der antihypertensive Effekt unterschiedlich ausgeprägt ist bei Reduktion eines erhöhten Body-Mass-Index (BMI) im Vergleich zu einer Reduktion einer abdominellen Adipositas, kann derzeit nicht eindeutig beantwortet werden. Hinsichtlich weiterer kardiovaskulärer Risikofaktoren wie z. B. Diabetes mellitus zeigen Untersuchungen aber, dass das abdominelle Fettgewebe im Zentrum der Reduktion steht. Basierend auf dem aktuellen pathophysiologischen Verständnis der arteriellen Hypertonie ist auch die Blutdrucksenkung primär auf die Reduktion des abdominellen Fettgewebes zurückzuführen. Neuere Untersuchungen wie die M.O.B.I.L.I.S-Studie haben daher den Bauchumfang in die Analyse miteinbezogen.

Die konkrete therapeutische Umsetzung einer „Gewichtsreduktion“, besonders mit der Zielsetzung einer Hypertonieprävention, sollte also keinesfalls undifferenziert auf Basis des Körpergewichts bzw. des BMI erfolgen. Vielmehr sollte der Bauchumfang - und damit das abdominelle Fettgewebe - im Fokus stehen.

Ernährungsumstellung

Als geeignete blutdrucksenkende Maßnahme haben sich mediterrane Diäten im Allgemeinen erwiesen. Kernelemente dieser Diät sind ein hoher Gehalt an Obst und Gemüse, Olivenöl, Fischkonsum und ein geringer Verzehr von Fleisch und Wurst sowie gesättigten Fetten.

Eine besondere, standardisierte Ernährungsform stellt die sog. DASH-(Dietary Approach to Stop Hypertension-)Diät dar. Sie ist gekennzeichnet durch einen hohen Obst- und Gemüseanteil, reduzierte Gesamt-Fettmenge sowie einem geringen Anteil an gesättigten Fetten. In eine Studie einbezogen wurden 459 Erwachsene mit im Durchschnitt hoch normalen Blutdruckwerten (131,3/84,7 mmHg). Die Probanden wurden randomisiert und erhielten über acht Wochen hinweg entweder eine „typische“ US-amerikanische Diät oder eine DASH-Diät. Der Kochsalzkonsum und das Körpergewicht wurden während der Studie konstant gehalten. Im Ergebnis fand sich eine signifikante systolische bzw. diastolische Blutdruckreduktion von 5,5 bzw. 3,0 mmHg. Auch wenn die Studiendauer nur acht Wochen betrug, kann in der Gesamtbetrachtung der vorhandenen Ernährungsinterventionen die Empfehlung ausgesprochen werden, die o. g. Prinzipien der DASH-Diät zur Prävention der arteriellen Hypertonie auch langfristig zu empfehlen. Das schließt im weiteren Sinne eine traditionelle mediterrane Ernährung mit ein.

Salzrestriktion

Empfehlungen gibt es auch zur Salzreduktion. Trotz teilweiser Diskussionen gibt es in den Metaanalysen eine sichere Datenlage die zeigt, dass der Blutdruck durch eine Reduzierung der täglichen Kochsalzmenge sinken kann. Ziel ist kein Totalverzicht auf Salz, sondern den täglichen Salzkonsum auf maximal 5-6 g zu reduzieren.

Körperliche Aktivität und Sport

Epidemiologische und Kohortenstudien belegen konsistent, dass körperliche/sportliche Aktivitäten in einer engen Dosis-Wirkungs-Beziehung einen statistisch unabhängigen blutdrucksenkenden Effekt haben - also auch unabhängig von einer evtl. assoziierten Gewichtsreduktion. Andererseits kommt es während körperlicher/sportlicher Aktivitäten zu einem physiologischen Blutdruckanstieg, dessen Höhe sowohl von der Form (z. B. ausdauer- vs. kraftbetont) als auch der Intensität der muskulären Aktivitäten abhängt und zudem von der regulatorischen Kompetenz, u. a. der Compliance des arteriellen Gefäßbettes. Darüber hinaus gibt es sportliche (Extrem-)Varianten, die in ausgeprägter Weise pressorisch wirken und weder für Patienten mit manifester arterieller Hypertonie noch für Patienten mit einer isolierten Belastungshypertonie geeignet sind.

Mehrere Metaanalysen zeigen, dass der blutdrucksenkende Effekt von Ausdauertraining umso ausgeprägter ist, je höher die Blutdruckausgangslage war. Auch - moderates - kraftorientiertes Training zeigt in den meisten Studien einen antihypertensiven Effekt.

Sportliche bzw. körperliche Aktivitäten werden jedoch erst dann zu einem blutdrucksenkenden, gesundheitswirksamen Training, wenn sie geplant, strukturiert, dosiert und dauerhaft stattfinden. Unter diesen Voraussetzungen wird nicht nur der Blutdruck gesenkt, sondern das gesamte kardiovaskuläre Risikoprofil nachhaltig verbessert.

Quelle: Predel et al. in: MMW - Fortschritte der Medizin 2013; 155 (14): 51-53

springermedizin.de, Apotheker Plus 2/2014

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