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Die Hauptquellen für Lycopen sind Tomaten, Ketchup und Barbecuesaucen sowie Grapefruits und Wassermelonen.
 
Urologie 25. Februar 2014

Lycopen als Tumorkiller

Schützen Tomaten vor Prostatakrebs?

Viel Ketchup über die Pommes – sicher ist das nicht gerade die gesündeste Diät. Aber vielleicht freut sich die Prostata.

Eine große Pizza, dazu Pommes mit viel Ketchup und zur Verdauung einen Grapefruitsaft – eine solche Diät dürfte Ernährungsexperten die Schweißperlen auf die Stirn treiben, aber traut man den Ergebnissen von Wissenschaftlern der Harvard Medical School in Boston, hat Fast Food zumindest für Männer auch positive Seiten: Ist der Ketchup- oder allgemein der Tomatenanteil hoch, schützt das vielleicht vor einem Prostatakarzinom. Zu diesem Schluss kam ein Team um den Ernährungswissenschaftler Edward Giovannucci nach einer Auswertung der Health Professionals Follow-up Study, an der über 50.000 männliche US-Ärzte, Tierärzte und Apotheker teilnehmen ( Zu K et al.: JNCI 2014; 106 (2) ).

Zu Beginn der Studie, im Jahr 1986, waren die Teilnehmer im Alter zwischen 40 und 75 Jahren. Alle vier Jahre füllten sie einen Fragebogen zu ihren Ernährungsgewohnheiten aus. Sie mussten angeben, wie oft sie 131 darin genannte Nahrungsmittel und Getränke im Laufe der vergangenen zwölf Monate konsumiert hatten. Die Forscher interessierten sich besonders für den Lycopengehalt der Nahrung – zuvor hatten Studien bereits nahegelegt, dass viel Lycopen das Risiko für ein Prostatakarzinom senken kann. Lycopen wird vor allem über Tomaten und Tomatenprodukte aufgenommen, ist aber in nennenswerten Mengen auch in rosa Grapefruits und in Wassermelonen enthalten.

Aus den Angaben der Teilnehmer berechneten die Autoren die durchschnittliche Lycopen-Aufnahme und teilten die Männer entsprechend ihres Lycopenkonsums in Quintilen ein. Als Hauptquelle für Lycopen erwiesen sich neben Tomaten auch Pizza, Ketchup, Barbecue-, Taco- und Chilisauce, aber auch Grapefruitsaft.

Insgesamt erkrankten mehr als 57.00 Männer – also etwas mehr als ein Zehntel - bis Ende 2010 an Prostatakrebs. Wie sich herausstellte, entwickelten Männer im Quintil mit der höchsten Lycopen-Aufnahme etwas seltener einen Prostatatumor. Hier war die Rate um neun Prozent niedriger als im Quintil mit dem niedrigsten Konsum, nachdem die Forscher das Alter, sonstige Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität und eine Reihe weiterer Begleitfaktoren berücksichtigt hatten.

Noch deutlicher war der Unterschied bei tödlichem Prostatakarzinom: Hier war die Rate bei den Ketchup-Fans sogar um 28 Prozent geringer, allerdings war das Ergebnis nur knapp signifikant – es starben insgesamt eben nur wenige Männer (658) an solchen Tumoren.

Bis zu 50 Prozent weniger tödliche Tumoren

Nun versuchten die Forscher noch zu berücksichtigen, dass mit der Verbreitung der PSA-Tests zum einen deutlich mehr Tumore diagnostiziert werden, zum anderen die Diagnose auch schon in frühen Stadien erfolgt. Viele Studienteilnehmer hatten möglicherweise zu Beginn der Studie schon einen Tumor, von dem sie nichts wussten. Auf dessen Entstehung konnte der Ketchup-Konsum natürlich keinen Einfluss mehr haben. Also betrachtete man die Krebsrate speziell bei den Männern, die irgendwann einmal im Laufe der Studie einen negativen PSA-Test hatten. Bei ihnen konnten sie davon ausgehen, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zu diesem Zeitpunkt noch keinen Prostatatumor hatten. In dieser Gruppe war die Rate für Prostatatumoren im oberen Quintil insgesamt um etwa zwölf Prozent reduziert, die für letale Karzinome sogar um knapp 50 Prozent – jeweils im Vergleich zum unteren Lycopen-Quintil. Trotz geringer Erkrankungszahlen in dieser Gruppe war der Unterschied signifikant.

Da in der Gruppe mit hohem Lycopenkonsum auch einige Biomarker für die Tumorangiogenese seltener auftraten, vermutet das Team einen progressionshemmenden Effekt von Lycopen. Das könnte erklären, weshalb vor allem die Rate der letalen Tumoren reduziert war und weniger die der Prostatakarzinome insgesamt. Jedoch darf bezweifelt werden, ob der Effekt tatsächlich auf Lycopen zurückzuführen ist. Zwar hatten die Teilnehmer im Quintil mit dem höchsten Lycopenkonsum tatsächlich dreimal so viel Pizza und fast siebenmal so viel Tomatensaucen und -ketchup konsumiert wie Teilnehmer im Quintil mit der niedrigsten Lycopenaufnahme, sie waren allerdings auch sportlicher, aßen viel mehr Obst und Gemüse und hatten einen niedrigeren Kalorienverbrauch - sie lebten also insgesamt etwas gesünder.

Möglicherweise war der Lycopenkonsum nur ein Marker für diesen gesünderen Lebensstil. Dies hatten die Wissenschaftler zwar, so gut es ging, berücksichtigt, aber gerade bei den sehr niedrigen Teilnehmerzahlen in der Subgruppe mit letalem Karzinom können noch unbekannte oder nicht ausreichend berücksichtigte Faktoren das Ergebnis kräftig verzerren. Daran sollten Fast-Food-Fans vielleicht denken, bevor sie sich eine Extraportion Ketchup genehmigen.

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