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Allgemeinmedizin 20. November 2013

Abnehmerfolg mithilfe eines Fragebogens voraussagen

Wille und Motivation von Abnehmwilligen kann gemessen werden.

Um nachhaltig das Gewicht zu reduzieren, ist es wichtig, dass Verhaltensänderungen konsequent eingehalten werden. Sozialmediziner haben nun mittels eines am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien entwickelten Messinstruments nachgewiesen, dass sich damit der Erfolg beim Abnehmen vorhersagen lässt.

Mit dem sogenannten Compass-Fragebogen, mit dessen Hilfe sich die Compliance (Adhärenz) der Patienten messen lässt, also der Wille und die Motivation, am jeweiligen Programm teilzunehmen und die empfohlenen Verhaltensänderungen nachhaltig umzusetzen und auch einzuhalten. Die Wirksamkeit des Fragebogens wurde in einer früheren Studie an der MedUni Wien schon bei Bluthochdruck-Patienten nachgewiesen. „Mithilfe des Kompasses erhält man genau jene Informationen, die notwendig sind, um die Patienten optimal bei der Aktivierung seiner persönlichen Ressourcen für den Therapieerfolg unterstützen zu können“, erklärt Rudolf Schoberberger vom Institut für Sozialmedizin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien.

Beim Compass-Fragebogen handelt es sich um eine zwölf Fragen umfassende Check-Liste, die es dem betreuenden Arzt bzw. der Ärztin unter anderem ermöglicht, festzustellen, ob die Empfehlungen für Verhaltensänderungen auch eingehalten werden, ob seitens der Patienten Zweifel bestehen, ob die Betroffenen Vertrauen aufgebaut haben und auch, ob sie die Anregungen nicht verstanden haben und Verunsicherung besteht.

Auch Schwachstellen erkennbar

Sozialmedizinerin Gabriela Böhm, Co-Autorin der Studie: „Bei 253 Teilnehmern des Gewichtsreduktionsprogramms ‚Schlank ohne Diät‘ erwies sich der Compass-Fragebogen als gutes Mittel für die Vorhersage des Erfolges beim Abnehmen. Weiters eignet sich das Instrument dafür, bei dieser Gruppe auch jene Bereiche zu diagnostizieren, die Schwachstellen darstellen.“ Der Compass-Fragebogen liefert – gemäß den „Himmelsrichtungen“ – Hinweise, was das Normverhalten (N), die Organisation (O), die soziale Unterstützung (S) und das Wissen (W) der Betroffenen betrifft. Therapeuten des „Schlank ohne Diät“-Programms (SOD) können so frühzeitig abschätzen, welche Teilnehmer welche zusätzlichen Hilfestellungen benötigen, um erfolgreich zu sein.

Wer beim Compass-Fragebogen gut abschnitt, hatte gute Chancen, abzunehmen. Betroffene, die bei den Antworten über dem Compliance-Mittelwert lagen, nahmen binnen eines Jahres fast sechs Kilogramm ab und hielten das Gewicht auch. Jene, die beim Fragebogen schlecht abschnitten, erzielten kaum Abnehmerfolge oder schieden früh aus dem Programm aus.

Die Sozialmediziner wollen mit dieser Studie die Möglichkeiten der „Compliance-Diagnostik“ aufzeigen. Schoberberger: „Es geht auch um die Motivation der jeweiligen Betreuer, noch genauer auf die persönlichen Bedürfnisse der Patienten einzugehen.“

Der Compass-Fragebogen (Deutsch und Englisch) kann am Institut für Sozialmedizin angefordert werden: Gabriela Böhm (gabriela. boehm@meduniwien.ac.at) oder Rudolf Schoberberger ( ) oder Tel. +43/1/40160–34888.

Literatur: M. Janda, D. Zeidler, G.Böhm, R. Schoberberger. An Instrument to Measure Adherence to Weight Loss Programs: The Compliance Praxis Survey-Diet (COMPASS-Diet). Nutrients 2013, 5, 3828–3838; doi:10.3390/nu5103828

MedUni Wien, Ärzte Woche 47/2013

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